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Augsburg

19.05.2019

Artenvielfalt: Es gibt wieder Streit um Mäharbeiten in der Stadt

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2 Bilder
An der Bürgermeister-Ulrich-Straße sieht es nach einer städtischen Mähaktion so aus.
Bild: Günther Groß

Bürger sehen Probleme für Artenvielfalt. Naturschützer fordern deshalb ein abgestimmtes Pflegekonzept. Der Umweltreferent erklärt, welche Aktivitäten anlaufen.

Nach dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" schauen viele Augsburger genauer hin, ob in der Stadt genügend Wildblumen für Insekten blühen. Etliche rufen besorgt bei unserer Redaktion an, weil das Amt für Grünordnung schon jetzt mähen lässt. Kritik kommt von auch Naturschützern. Ihre Forderung: Die Stadt müsse mehr Blühstreifen stehen lassen.

Schon im vergangenen Jahr gab es einen großen Aufschrei. Naturforscher Eberhard Pfeuffer warf der Stadt vor, weite Teile der innerstädtischen Grünflächen zu früh "praktisch tot" zu mähen und damit zum massiven Insektensterben beizutragen. Die massive Kritik hatte Folgen: Es gab einen Runden Tisch mit Umweltreferent Reiner Erben (Grüne). Günther Groß von der Naturschutzallianz sagt nun, man erkenne zwar an, dass die Stadt in der Grünflächenpflege Änderungen vorgenommen habe, um die Situation für Insekten verbessern. "Absolut nicht verstehen können wir aber, dass es im Straßenbegleitgrün nicht gelingt, die Firmen zu bewegen, große Flächen vor der Blüte nicht zu mähen."

Sauer sind auch einige unserer Leser: Am Beispiel Gögginger Park könne man sehen, wie die Stadt Augsburg das Thema Blühinseln interpretiert, schreiben sie. "Als hätte es nie ein Volksbegehren gegeben und man hat nie etwas vom Insektensterben gehört."

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Umweltreferent wehrt sich gegen Kritik

Umweltreferent Erben wehrt sich gegen die Kritik. Er verstehe die Ungeduld des ehrenamtlichen Naturschutzes. Die Stadt versuche aber, eine Trendwende in der Grünpflege einzuleiten. Innerhalb eines Jahres werde dies nicht in vollem Umfang gelingen, so Erben. Man sei aber auf einem guten Weg.

Hindernisse gibt es offenbar viele, um ein auf Blühtermine abgestimmtes Mähprogramm an Straßen, Plätzen und innerstädtischen Grünzonen zu erreichen. Erben sagt, die Stadt lasse 630.000 Quadratmeter Rasenflächen von Fremdfirmen mähen. Die aktuellen Verträge laufen noch bis 2020, die Stadt könne nicht einfach aussteigen.

60 Prozent dieser Flächen werden laut Erben dreimal gemäht, der erste Durchgang sei nun fast fertig. Weitere sieben Prozent des Grüns werden danach intensiv gemäht. Bei gut einem Drittel werden die Blühzeiten berücksichtigt. Der Umweltreferent betont, dass bei den Arbeiten im Straßenbegleitgrün die Verkehrssicherheit im Vordergrund steht – etwa an Kreuzungen und Einfahrten, aber auch entlang von Gehwegen und Straßenbahntrassen. Darauf pocht nach seinen Angaben auch die Augsburger Polizei. Weitere Hindernisse für einen differenzierten Mähplan sieht Erben in den hohen Kosten. Derzeit gebe die Stadt 350.000 Euro für Fremdfirmen aus, dieser Betrag würde sich deutlich erhöhen. Das eigene Personal im Amt für Grünordnung könne keine zusätzlichen Aufgaben mehr bewältigen.

Stadt will Kompromiss für alle Bürger

Der Umweltreferent sagt, die Zusagen am Runden Tisch vor einem Jahr würden eingehalten. Begutachtete Grünflächen an der Rumplerstraße und an der Grünbrücke B17/Siebentischpark seien in diesem Jahr noch nicht gemäht worden. Auch an weiteren Straßen und auf Grünflächen am Lech und in Wohngebieten werde das Amt für Grünordnung nun später Rasenmäher einsetzen – auf insgesamt 6,2 Hektar. Auch ein neues städtisches Vorhaben zusammen mit Partnern soll helfen, das Nahrungsangebot für Insekten in Augsburg zu verbessern: das Projekt Insektenvielfalt Augsburg.

Derzeit werden große Flächen im Stadtgebiet in Blühwiesen umgewandelt, und zwar mit heimischen Samen aus dem Naturschutzgebiet Stadtwald. Das wird auch von der Naturschutzallianz als vorbildlich angesehen. Die Aktivitäten in der Umweltbildung der Bevölkerung werden ebenfalls ausgeweitet. Beispiele: Der Botanische Garten legt eine Schaufläche für mehr Insektenvielfalt an. Auch ein neues "Forschermobil" soll Informationen unter die Leute bringen. Offenbar ist es für den Referenten auch nicht ganz einfach, es allen Bürgern recht zu machen.

Erben sagt, dass sich viele Augsburger melden, die sich wünschen, dass die Grünflächen häufig gemäht werden – weil sie Angst vor Zecken im hohen Gras hätten, oder aus Sorge vor Müll und Hundekot in blühenden Wiesen. Auch auf Spielplätzen und auf Liegewiesen sei kurzes Gras nötig. Hier gelte es, einen Kompromiss zu finden.

Groß sagt dennoch, es sei unverständlich, wenn es einerseits vorbildliche Grünpflege gebe und gleichzeitig auf anderen Flächen das Gegenteil passiert. Nötig sei ein abgestimmtes Pflegekonzept für kommunale Grünflächen, mehr Dialog mit dem ehrenamtlichen Naturschutz. Dann könne Augsburg eine Vorreiterrolle spielen.

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19.05.2019

Auch wenn die Stadt teilweise vorbidlich handelt, städtische Tochterunternehmen tun nichts dergleichen. So wurde zum Beispiel das Areal Centerville-Nord, also der Bereiche nördlich der Bürgemeister-Ackermann-Strasse, mit seinen riesigen Rasenflächen, zu der auch die Weltwiese gehört, "niedergemäht". Auch im Bereich der Wohnanlage Langemarck-Strasse, dort, wo einstmals das Westkrankenhaus stand, ist selbiges passiert. Kaum, dass sich die ersten Rasenpflänzchen ans Licht wagten. Es wäre doch eine tolle Gelegenheit für die Stadt und den Umweltreferenten, darauf hinzuwirken, dass hier auch innerstädtische Biotope entstehen können.

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