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Augsburg

09.12.2020

Asyl: Augsburger setzen sich für den geflüchteten Nabil ein

Augsburger setzen sich für Nabil aus dem Jemen ein.
Bild: Condrobs

Plus Seit eineinhalb Jahren wohnt Nabil aus dem Jemen in Göggingen. Doch sein Asylantrag wurde abgelehnt, er soll nach Griechenland abgeschoben werden. Dagegen regt sich Protest.

Astrid Nave kann es nicht verstehen. Die Einrichtungsleiterin einer Augsburger Jugendwohngemeinschaft des sozialen Trägers "Condrobs" sorgt sich um einen ihrer Schützlinge. Nabil heißt der junge Mann, der abgeschoben werden soll. Er stammt aus dem Jemen, wo er mit 15 Jahren aufgrund des Krieges floh. Seit eineinhalb Jahren ist der inzwischen 18-Jährige in Augsburg. Weil er als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland kam, wurde er vom Jugendamt in der Einrichtung in Göggingen untergebracht. Dort sei Nabil aufgeblüht, er habe die Berufsschule besucht und auch sonst jeden Moment genutzt, um sein Deutsch zu verbessern. "Er hat viele Kontakte zu den Betreuern, aber auch zu anderen Jugendlichen geknüpft", erzählt Astrid Nave.

Sein Asylantrag wurde 2019 abgelehnt

Nabil habe hier Freunde gefunden, sich gut integriert. "Sein Ziel war es, möglichst schnell die Sprache zu beherrschen, damit er eine Ausbildung machen kann." Seinen Zielen kommt er dieses Jahr ein großes Stück näher: Nach einem zweiwöchigen Praktikum als Maler bewirbt er sich bei einem Bobinger Betrieb und erhält eine Zusage für einen Ausbildungsplatz ab September. Doch diesen kann er nicht antreten. Sein Asylantrag sei bereits 2019 abgelehnt worden, weil er zuerst in Griechenland gemeldet war, berichtet Astrid Nave: "Die Genehmigung zur Ausbildungsduldung hat er nicht bekommen."

 

Von der Ausländerbehörde erfahren sie, dass bereits Maßnahmen eingeleitet worden seien. Die Angst vor der Abschiebung nach Griechenland wächst. Auch dort habe er traumatische Erfahrungen gemacht und die Zustände als unerträglich belastend beschrieben: Seinen Betreuern in Augsburg berichtete er, dass er dort nicht genug Essen und kein Dach über dem Kopf gehabt habe. Unruhen und Gewalt hätten in den Flüchtlingslagern zur Tagesordnung gehört, sodass er sich eine Rückkehr nach Griechenland nicht vorstellen könne.

Augsburg: Nabils Verzweiflung und Angst wächst

Verzweiflung, Perspektivlosigkeit und psychische Vorbelastungen kämen nun wieder hoch. "Nabil ist verzweifelt, leidet unter depressiven Schüben und äußerte schon Selbstmordgedanken", berichtet die Einrichtungsleiterin der Jugend-WG. Dabei habe er bewiesen, dass er seinen Teil zur Gesellschaft beitragen könne. "Ihm diese Chance nicht zu geben, ist unmenschlich und nicht nachvollziehbar", findet sie. Anfang Dezember hätte Nabil aus der Einrichtung ausziehen müssen - doch bislang fehle die Zuweisung in eine Gemeinschaftsunterkunft in Oberbayern, wo er als Nächstes untergebracht werden soll. So lange sie nicht da ist, kann er weiter in der Einrichtung von Condrobs wohnen bleiben - auf Kosten des Trägers. Viele Menschen setzen sich für den 18-Jährigen ein. Er wird anwaltlich vertreten, eine Klage gegen seine Abschiebung wurde eingereicht.

 

Es gebe einen Ermessensspielraum, betont Astrid Nave. In anderen vergleichbaren Fällen hätten geflüchtete Menschen zunächst ihre Ausbildung antreten und auch abschließen dürfen. "Es wurde schon so viel in ihn investiert. Das Geld, womit seine Unterbringung finanziert wurde, die pädagogische Arbeit der Betreuer und der Berufsschule. Viele Stellen haben ihren Beitrag geleistet, wie es auch erwartet wurde", sagt sie. Sie wolle nicht akzeptieren, dass das alles umsonst gewesen sein soll.

Schon 2700 Menschen haben im Internet für Nabil unterschrieben

Der junge Mann aus dem Jemen erhält noch mehr Unterstützung. Katharina Thurner, die neben ihrem Studium in der Gögginger Jugend-WG arbeitete, hat eine Online-Petition gegen seine Abschiebung gestartet. Über 2700 Menschen haben auf der Plattform Openpetition.de im Internet bereits unterschrieben. "Es sollte zur Normalität werden, dass die zentrale Ausländerbehörde Einzelfälle detaillierter überprüft und einem sehr gut integrierten und motivierten jungen Menschen wie Nabil Asyl in Deutschland gewährt", sagt sie. Ihre Petition richtet sich an die Härtefallkommission des Petitionsausschusses des Bayerischen Landtags. Sie hofft, dass Nabil nochmals eine Chance erhält.

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