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Augsburg

11.09.2014

Asyl in Augsburg: Erstaufnahme kommt an den Flughafen

Am Airpark Augsburg soll die neue Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Schwaben entstehen. Mindestens 500 Flüchtlinge werden dort untergebracht.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft soll die zentrale Einrichtung für mindestens 500 Flüchtlinge bauen. Warum wurde das abgelegene Grundstück am Flughafen ausgewählt?

Jetzt steht der Standort fest: Die neue Erstaufnahmeeinrichtung (ZAE) für Asylbewerber in Schwaben kommt an den „Airpark“ beim Augsburger Flughafen. Die Stadt wird südlich der Hangars an der Flughafenstraße ein Grundstück mit 20 000 Quadratmetern bereitstellen. Es hat noch Erweiterungsmöglichkeiten um 10 000 Quadratmeter. Dort wird ein Gebäudekomplex entstehen, in dem mindestens 500 Flüchtlinge Platz haben. Schon im Laufe des kommenden Jahres soll die Einrichtung in Betrieb gehen.

Vorübergehende Unterkunft in der Erstaufnahme

Bayerns Sozialministerin Emilia Müller, Regierungspräsident Karl Michael Scheufele und Oberbürgermeister Kurt Gribl stellten am Mittwoch die Pläne vor. Vom Grundsatz her leben Flüchtlinge in der Erstaufnahme nur vorübergehend, etwa ein bis drei Monate. Sie werden dort medizinisch untersucht, ihre Identität wird geklärt und der Asylantrag angenommen. Danach werden sie auf Unterkünfte in anderen Orten verteilt oder abgeschoben. „Eine ZAE ist in erster Linie ein Behördenstandort mit einem angeschlossenen Bettentrakt“, sagte Scheufele.

"Einen idealen Standort gibt es nicht"

Gribl zufolge wurde im gesamten Stadtgebiet systematisch nach einem passenden Grundstück gesucht. „Einen idealen Standort gibt es nicht“, so der OB. Für das Areal am Flughafen spreche, dass man das Vorhaben dort planungsrechtlich zügig umsetzen könne. Auch Nachbarschaftkonflikte werden eher nicht erwartet. Die Firmen am Flughafen müssen allerdings noch über das Projekt informiert werden.

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Politisch gibt es derzeit eine große Zustimmung für die Erstaufnahme. Im Ältestenrat sei die neue Einrichtung in Augsburg durchgängig empfohlen worden, sagt Gribl. Auch von rund 50 der 60 Stadträte gebe es eine positive Rückmeldung. Am 25. September soll es einen Beschluss im Stadtrat geben.

Vorteile einer Erstaufnahmeeinrichtung

Angesichts wachsender Flüchtlingsströme habe die Stadt aktiv darauf hingearbeitet, Standort für eine Erstaufnahme zu werden, sagte Gribl. Augsburg stelle sich damit der gesellschaftlichen Realität, aber auch einer humanitären Pflicht und der Verantwortung als Bezirkshauptstadt. Gleichzeitig hat die Stadt mit einer Erstaufnahmeeinrichtung Vorteile. Die Bewohner werden auf das Kontingent der Asylbewerber angerechnet, das die Stadt aufnehmen muss. Aktuell leben über 1000 der gut 4000 Flüchtlinge in Schwaben in Augsburg. Die Suche nach neuen Unterkünften und später Wohnungen wird immer schwieriger. Außerdem werden Kinder aus Erstaufnahmeinrichtungen nicht beschult. Bei Übergangsklassen sei Augsburg an der Kapazitätsgrenze, so Gribl.

Solidarität für Flüchtlinge

Auch in der Erstaufnahme selbst will die Stadt Einflussmöglichkeiten haben. Deshalb gehen die Überlegungen dahin, dass die städtische Wohnungsbaugesellschaft WBG die Einrichtung bauen und der Freistaat dort Mieter sein soll. Die Höhe der Baukosten steht noch nicht fest. Gerechnet wird mit einem zweistelligen Millionenbetrag. Gribl und Sozialreferent Stefan Kiefer betonten aber auch, die WBG dürfe mit diesem Projekt nicht in ihren anderen Aktivitäten geschwächt werden. Gerade beim sozialen Wohnungsbau dürfe es keine Einschnitte geben, so Kiefer. Ministerin Müller fühlt sich von den politisch Verantwortlichen in Augsburg gut unterstützt. „Wir werden eine sozial verträgliche Einrichtung schaffen, sodass wir niemanden überfordern“, versprach sie. Zusammen mit dem Oberbürgermeister appellierte Müller aber auch an die Bevölkerung, Solidarität zu zeigen. Flüchtlinge hätten einen langen Weg hinter sich und oft Schlimmes erlebt. Deshalb sei es eine Verpflichtung, sie aufzunehmen und human unterzubringen.

Mehr Druck auf die Bundespolitik

Stadtrat Thomas Lis (AfD) forderte, Oberbürgermeister Gribl müsse über den Städtetag mehr Druck auf die Bundespolitik ausüben, um die Asylverfahren zu beschleunigen. Abgewiesene Bewerber müssten konsequent zurück in die Heimat gebracht werden, um tatsächlich Verfolgte in Deutschland menschenwürdig unterzubringen zu können und die Akzeptanz in der Bevölkerung nicht noch mehr zu strapazieren. 

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