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Augsburg

24.05.2015

Asylunterkunft: Eltern haben Angst um Kinder

Die beiden Buben können auch künftig im Freigelände der Spicherer-Schule schaukeln. Sie müssen sich allerdings ab Sommer den Platz mit Flüchtlingen teilen.
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Die beiden Buben können auch künftig im Freigelände der Spicherer-Schule schaukeln. Sie müssen sich allerdings ab Sommer den Platz mit Flüchtlingen teilen.
Bild: Ruth Plössel

 Die Stadt will in der ehemaligen Spicherer-Schule in Pfersee Flüchtlinge einquartieren. Im Erdgeschoss ist eine Kindertagesstätte untergebracht

Von Andrea Baumann

 Auf dem Freigelände der ehemaligen Spicherer-Schule schaukeln zwei Buben einträchtig um die Wette – der eine ist dunkel-, der andere hellhäutig. Dass die Mädchen und Buben der dort untergebrachten Kindertagesstätte Pfiffikus aus vieler Herren Länder stammen, ist für die Kleinen völlig normal.

Bei einem Teil ihrer Eltern ist die Freude an der Multikulturalität jedoch getrübt: Die Ankündigung von Sozialreferent Stefan Kiefer, in den oberen Stockwerken des Gebäudes voraussichtlich ab August Asylbewerber unterzubringen, sorgt für erhebliche Unruhe. „Die Eltern haben Angst um ihre Kinder“, beschreibt Pfiffikus-Chefin Alexandra Götzfried die Stimmungslage.

Die Geschäftsführerin macht kein Hehl daraus, dass sie sich in einer schwierigen Position sieht. Einerseits habe sie Verständnis für die Sorgen der Eltern, die oft selbst Migrationshintergrund hätten. „Andererseits sind wir eine Einrichtung, die sich die Inklusion auf ihre Fahnen geschrieben hat. Bei uns werden Kinder mit Behinderung ebenso betreut wie der Nachwuchs von Asylbewerbern.“ Von daher, so Götzfried, kämen diese Themen bereits heute im Kita-Alltag zur Sprache.

Beim Informationsabend des Sozialreferats konnten offenbar nicht alle Bedenken ausgeräumt werden. Götzfried musste zwei Kündigungen von Eltern entgegennehmen, eine dritte sei wahrscheinlich. „Sollten die Plätze frei bleiben, erwarte ich von der Stadt, dass sie das auffängt.“ Denn als kleiner Träger könne sich Pfiffikus die Einnahmenverluste nicht leisten.

Ansonsten sehen sie und ihr Team dem Einzug der Flüchtlinge gelassen entgegen und versuchen das auch den besorgten Eltern zu vermitteln. „Wenn unser Neubau wie geplant im November fertig ist, nutzen wir das Schulgebäude drei bis vier Monate gemeinsam.“ Der bisherige Haupteingang soll künftig für die Bewohner reserviert sein, die Kita will den Hintereingang nutzen. Schon heute ist die Betreuungseinrichtung vom Treppenhaus durch eine Bretterwand getrennt. Das Freigelände sollen sich nach den Vorstellungen der Stadt die Flüchtlinge und die Kinder teilen – voraussichtlich durch einen Zaun getrennt. Götzfried hofft, dass vor allem Familien in die oberen Stockwerke einziehen. Das würden die Eltern am ehesten tolerieren. Gleichwohl ist ihr bewusst, dass die Stadt das nicht steuern kann und auch gar nicht weiß, welche Asylbewerber nach Augsburg kommen.

Aktuell treffen jede Woche etwa 25 neue Flüchtlinge ein. „Wir stehen unter einem enormen Druck“, sagt Stefan Kiefer. Sein Sozialreferat ist für die sogenannten dezentralen Unterkünfte zuständig und muss im Auftrag der Regierung von Schwaben weiterhin nach Unterbringungsmöglichkeiten suchen – „in allen Stadtteilen“. Über die Möglichkeit, die bis auf das Erdgeschoss leer stehende Spicherer-Schule nutzen zu können, sei er daher sehr froh, auch wenn es sich um kein Wohngebäude handelt.

Die mehr als 100 Jahre alte Immobilie soll bis zu 90 Flüchtlinge beherbergen – das ist die für dezentrale Unterkünfte festgelegte Obergrenze. Die Augsburger Gesellschaft für Stadtentwicklung (AGS) ist laut Kiefer beauftragt, die nötigen Bauarbeiten abzuwickeln. Das sei in erster Linie der Einbau von Sanitäranlagen, vor allem Duschen. Denn Toiletten seien vorhanden. Weil im Haus sehr viel Platz vorhanden ist, rechnet der Sozialreferent nicht mit aufwendigen Raum-unterteilungen. Ohnehin soll die Spicherer-Schule nur für einen begrenzten Zeitraum als Asylunterkunft genutzt werden. „Voraussichtlich bis Ende 2016, vielleicht geht es auch noch ein Jahr länger“, sagt Kiefer. Das Grundstück ist der städtischen Wohnungsbaugesellschaft versprochen, die die Schule abreißen und an ihrer Stelle bis zu 60 Wohnungen bauen will. Denn die Schaffung von erschwinglichem Wohnraum ist neben der Suche nach Asylunterkünften ein weiteres drängendes Problem in der Stadt.

Apropos Neubau: Das künftige Domizil der Kindertagesstätte Pfiffikus auf dem Gelände der Pferseer Hans-Adlhoch-Schule nimmt Formen an. Bauherr ist ein Privatinvestor. Demnächst soll Richtfest gefeiert werden. Auch dieses Vorhaben war umstritten. Anwohner, denen die Erschließung über die Rupprechtstraße missfällt, hatten die Baugenehmigung angefochten. Beim Termin vor dem Verwaltungsgericht kam es nach Auskunft der städtischen Baujuristin Carolin Rößler-Schick zum Vergleich. Es seien den Klägern einige kleinere bauliche Veränderungen an der Kita zugesagt worden, unter anderem zusätzliche Stellplätze direkt auf dem Baugrundstück.

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