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Augsburg

06.03.2017

Attacke am Hauptbahnhof: Verdächtiger in ärztlicher Behandlung

Der Augsburger Hauptbahnhof musste am Sonntagmorgen gesperrt werden.
Bild: Anne Wall (Symbolbild)

Ein 29-jähriger Mann will am Augsburger Hauptbahnhof einen anderen Reisenden offenbar vom Bahnsteig vor einen Zug schubsen. Doch kann man den Tatverdächtigen überhaupt bestrafen?

Es ist ein ruhiger Sonntagvormittag am Augsburger Hauptbahnhof, kurz vor elf Uhr. Ein Mann, 33 Jahre alt, steht am Bahnsteig von Gleis 3 und wartet. Plötzlich nähert sich ein anderer Mann und versucht, ihn vor einem einfahrenden Zug auf die Gleise zu stoßen. Der Schubser hätte für den 33-Jährigen im schlimmsten Fall tödlich enden können. Doch es gelingt ihm, den Stoß abzufangen. Er stürzt nicht vom Bahnsteig. Nach Informationen unserer Zeitung geht die Kriminalpolizei derzeit davon aus, dass der 33-Jährige ein Zufallsopfer war.

Es ist ein Tatablauf, der einem Angst einjagen kann. Denn demnach hätte es jeden treffen können, der sich zu der Zeit an dem Bahnsteig aufgehalten hat. Einen Streit hat es zwischen den Männern zuvor wohl nicht gegeben. Die Ermittler gehen vielmehr davon aus, dass der Tatverdächtige, ein 29 Jahre alter Deutscher, an einer psychischen Erkrankung leiden könnte. Er habe bei seiner Festnahme einen verwirrten Eindruck gemacht, hieß es. Er befindet sich derzeit im Bezirkskrankenhaus und soll dort von einem Psychiater begutachtet werden.

Attacke am Hauptbahnhof: Ist der Verdächtige überhaupt schuldfähig?

Dabei geht es auch um die Frage, ob der 29-Jährige überhaupt schuldfähig ist. Denn bestraft werden kann ein Täter nur, wenn er in der Lage war, das Unrecht seiner Tat zu erkennen und seine Handlungen zu steuern. Leidet ein Beschuldigter zum Beispiel unter Wahnvorstellungen, so kann es sein, dass er selbst dann nicht zu einer Haftstrafe verurteilt wird, wenn er jemanden getötet hat. Oft wird von den Gerichten aber eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik angeordnet – wenn nach Ansicht des Gutachters vom Täter eine Gefahr ausgeht. Unabhängig davon ermittelt derzeit die Kripo wegen des Verdachts auf ein versuchtes Tötungsdelikt gegen den 29-Jährigen.

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Ist ein Täter schuldfähig, dann droht in solchen Fällen eine hohe Strafe. Erst im vorigen Herbst ist in München ein 49-jähriger Angeklagter zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil er im Streit einen anderen Mann auf S-Bahn-Gleise gestoßen hatte. Als der Mann wieder zurück auf den Bahnsteig klettern wollte, hatte ihm der 49-Jährige auch noch mehrfach auf die Finger getreten. Weil ein Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe den Sturz per Videoüberwachung gesehen und die Station gesperrt hatte, ist dem Opfer nichts passiert.

In dem Fall vom Augsburger Hauptbahnhof war es ein Zeuge, der per Notruf rasch die Polizei alarmierte. Den Polizeibeamten ist es kurz darauf gelungen, den Tatverdächtigen noch in Bahnhofsnähe in der Augsburger Straße aufzugreifen. Der 33-jährige Mann ist, nachdem er den plötzlichen Stoß abgefangen hatte, in einen Zug in Richtung Nürnberg eingestiegen. Im Zug meldete er sich bereits beim Personal, heißt es bei der Polizei. Am Hauptbahnhof in Nürnberg konnten Polizisten den 33-Jährigen dann befragen.

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