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17.07.2010

Attacke auf den Wanderschäfer

Wanderschäfer Willi Hitzler mit seinen Tieren: Konflikte mit Sportlern erlebt er immer wieder. In dieser Woche wurde er niedergeschlagen. Archivfoto: Fred Schöllhorn

Wanderschäfer Willi Hitzler kann noch nicht fassen, was ihm passiert ist: Am Mittwochabend wurde er von einem Radler niedergeschlagen, als er mit rund 1000 Schafen am Lechdamm unterwegs war. Ärger mit Erholungssuchenden, denen die Schafe den Weg versperren, gebe es immer mal wieder, sagt der Schäfer. "Aber so was ist mir noch nie passiert."

Der 51-Jährige ist einer der letzten Wanderschäfer im Augsburger Raum. Am Mittwochabend gegen 20 Uhr führte er seine Herde am westlichen Lechdamm entlang. Dort begegnete ihm in der Nähe der Staustufe 23 ein Mann, der joggte und sein Fahrrad nebenher schob. Laut Hitzler drängte sich der Mann so energisch zwischen den Tieren durch, dass die ganze Herde aufgeschreckt reagierte. Der Schäfer kritisierte das Verhalten des Freizeitsportlers. Daraufhin sei der Unbekannte ohne Vorwarnung auf ihn losgegangen und habe ihn mit zwei Tritten in den Bauch zu Boden geschlagen. Als der Schäfer per Handy die Polizei verständigte, flüchtete der Angreifer.

Die Polizei sucht nun nach dem etwa 30 Jahre alten Mann, der kräftig gebaut ist, und eine kurze schwarze Hose mit einem orangefarbenen Streifen trug. Ihn erwartet eine Anzeige wegen Körperverletzung. Hitzler musste nach dem Angriff von Helfern des BRK ambulant behandelt werden. Er erlitt Prellungen, wie ihm gestern ein Arzt bescheinigte.

Betroffen reagierte gestern Umweltreferent Rainer Schaal auf den Vorfall. "Das ist entsetzlich." Laut Schaal gibt es zwar immer mal wieder Ärger zwischen dem Schäfer und Menschen, die sich von seiner Herde belästigt fühlen. Aber der Angriff diese Woche sei eine neue Dimension.

Attacke auf den Wanderschäfer

Der Referent beklagt, dass sich auch Mitarbeiter im Forstbetrieb sehr oft von Erholungssuchenden im Stadtwald beschimpfen lassen müssen, wenn sie ihrer Arbeit nachgehen. Zum Beispiel, wenn sie Bäume fällen und die Umgebung sperren müssen, oder wenn sie mit Fahrzeugen auf den Wegen im Naturschutzgebiet unterwegs sind. Ähnliche Erfahrungen gebe es beim Wasserwirtschaftsamt Donauwörth. Schaal: "Für viele gilt das Motto, der Wald gehört demjenigen, der sich gerade dort erholt."

Auch Hitzler hat festgestellt: "Die Leute haben keine Zeit in ihrer Freizeit." Er überlegt jetzt, ob er die Wanderschäferei im stark frequentierten Stadtwald aufgeben und auf andere, einsamere Weiden übersiedeln soll. Aus Sicht des städtischen Landschaftspflegeverbandes wäre das allerdings eine Katastrophe. Ohne die weidenden Schafe würden rund 80 Hektar Fläche verwildern, sagt Geschäftsführer Nicolas Liebig. "Bedrohte Arten wie verschiedene Enziane, Tagfalter oder Heuschrecken wären dann definitiv nicht mehr da."

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