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Innenstadt

11.10.2017

Auch Biber suchen in Augsburg Wohnungen

Ein Biber knabberte in einem Altstadt-Kanal am Grünzeug.
Bild: Ina Kresse

Immer wieder gelangen Wildtiere in die Stadt. Wie erst ein Biber, der sich in der Altstadt herumtrieb. Welche Erfahrungen die Feuerwehr mit Tier-Einsätzen macht.

Er saß im Wasser und nagte unbeirrt an irgendwelchen Pflanzen. Ein Biber hielt sich Dienstagabend im Kanal am Vorderen Lech in der Altstadt auf. Wildtiere in der Stadt sind schon lang kein seltener Anblick mehr, erzählt ein Experte. Die Berufsfeuerwehr bestätigt das. Die Einsatzkräfte werden immer wieder wegen Tieren gerufen.

„Der Biber ist in Augsburg überall wo Wasser ist und damit auch in der Innenstadt“, weiß Nicolas Liebig, Geschäftsführer des städtischen Landschaftspflegeverbandes. Derzeit seien die Nagetiere besonders aktiv. „Sie suchen Winterquartiere und Futter. Darum beginnen sie jetzt auch mit ihren Baumfällarbeiten. Erst heute habe ich im Stadtwald frische Nagespuren gesehen.“ Wird ein Biber in einem Stadtkanal entdeckt, müsse man sich keine Sorgen um ihn machen und auch nicht die Feuerwehr rufen. „Biber schwimmen gerne. Im Regelfall kommen sie auch wieder raus. Auch wenn ein Kanal mal abgelassen ist, ist das für sie nicht schlimm.“ Dennoch kommt es hin und wieder vor, dass wegen eines Bibers in der Stadt die Feuerwehr gerufen wird.

„Manche meinen, dass sich das Tier verschwommen hat und befürchten, dass es verenden könnte“, berichtet Anselm Brieger, Sprecher der Berufsfeuerwehr. Stadtmenschen würden generell wegen Tieren schneller bei der Feuerwehr anrufen, als Bewohner auf dem Land. Die Einsatzkräfte müssen jedem Notruf nachgehen. Und wenn es am Telefon nur heißt, dass auf dem Rathausplatz eine verletzte Taube sitzt. Auch dann rückt die Feuerwehr an. „Es wird in die Hände geklatscht und die vermeintlich verletzte Taube fliegt weg“, schildert Brieger Fälle. Ein Einsatz-Klassiker sei die Katze im Baum.

Der Biber vom Spielcasino

„Dabei kommen die alleine wieder herunter. Ich habe noch nie ein Katzenskelett auf einem Baum gesehen.“ Kaum ein Tag vergehe, an dem die Feuerwehren der Stadt nicht wegen eines Tieres „in Not“ gerufen werden. Der Sprecher betont, dass die Feuerwehr sich aber auch bewusst die Tierrettung auf die Fahne schreibt. Das gilt ebenso für Wildtiere in der Innenstadt. Nicht nur Biber, auch Wildschweine und Rehe verirren sich immer wieder in die Straßen. Dann greift die Feuerwehr natürlich ein.

Brieger erinnert sich an Rehe beim Priesterseminar in der Haun-stetter Straße, aber auch im Spickel und in Hochzoll, sowie an eines, das ins Schwimmbad Fribbe geraten war. Kurios war der Besuch eines Bibers in einem Spielcasino im Schwabencenter vor zwei Jahren. Er wurde eingefangen und am Eiskanal ausgesetzt. Denn sind die Tiere wohlbehalten, werden sie in der Natur wieder freigelassen. Bei Verletzungen aber kontaktiert die Berufsfeuerwehr einen Tierarzt oder eine Tierklinik. Für die Einsatzkräfte der Feuerwehr ist eine Tierrettung nicht immer ganz ungefährlich. „Ein Biber hat sehr kräftige Zähne. Und mit seinem Schwanz kann er ordentlich zupatschen. So ein Fang ist dann für alle Beteiligten spannend.“ Brieger denkt an eine Situation zurück, in der sich ein Reh im Bismarckviertel verirrt hatte. „Wir trieben es in einen Hinterhof und wollten es dort mit einem Netz fixieren.“ Das Reh schnellte in dem Moment mit seinem Kopf nach oben und stieß mit einem Feuerwehrmann zusammen. „Ich fuhr den Kollegen ins Krankenhaus. Er hatte eine Gehirnerschütterung und war über eine Woche dienstunfähig." Seitdem trage dieser den Spitznamen „Rehmann“.

Der Biber vom Vorderen Lech war einen Tag später natürlich schon nicht mehr da. Vielleicht sucht er gerade ein neues Zuhause, was nicht einfach ist. Laut Liebig vom Landschaftspflegeverband sind mögliche Biberreviere in der Stadt schon voll besetzt. Auch Biber leiden offenbar an Wohnungsnot.

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