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31.01.2010

Auch der Geheimdienst späht nach Nachwuchs

Für Unternehmen wird die Suche nach geeignetem Personal künftig eine immer schwierigere Aufgabe. "Wir haben einen Wandel vom Angebots- zum Nachfragemarkt. Vor zwei Jahren kamen auf eine Stelle noch zwei Bewerber. Heute ist das Verhältnis fast ausgeglichen", sagte Reinhold Demel, Chef der Arbeitsagentur Augsburg.

Umso wichtiger werden für Arbeitgeber Kontaktmessen wie "Starte Deine Zukunft praxisnah", zu der die Agentur am Samstag 40 Aussteller und 650 Schüler in ihre Räumlichkeiten in der Wertachstraße eingeladen hatte. Insgesamt kamen etwa 1000 Personen zu der Veranstaltung. Ein Schwerpunkt dieser Messe war das Thema Duales Studium - die Verzahnung von Theorie und Praxis.

Erfreut über den Zuspruch war Erika John von der Augusta-Bank. "Man muss schauen, ob es sich dann auch in den Bewerbungen niederschlägt", erklärte die Personalentwicklerin. Dass es zu wenig Bewerber gibt, ist für sie kein aktuelles, aber ein Zukunftsthema. "Ich vermute, die Probleme werden nach dem Doppeljahrgang 2011 anfangen. Derzeit ist es mehr ein Qualitäts-, denn ein Quantitätsproblem." Viele Bewerber verfügten nur über unzureichende rhetorische Fähigkeiten und seien nicht teamfähig, beschreibt sie ihre Erfahrungen.

Anne Stöckelmaier besuchte am Samstag ihren Stand. Die Elftklässlerin vom Leonhard-Wagner-Gymnasium in Schwabmünchen will nach dem Abitur ein Duales Studium beginnen. "Entweder im Bereich Medienkommunikation oder Wirtschafts-/Bankwesen." Die Messe findet sie super. Man komme mit Vertretern von Firmen und Hochschulen ins Gespräch und könne sich gleich nach Praktika erkundigen, lobt sie. So sieht es auch Immanuel Kümmel. "Die Messe ist, im Vergleich zu anderen Veranstaltungen wie dem Hochschulinformationstag im Oktober, der völlig überlaufen war, super organisiert." Er tendiert zu einem Dualen Studium im technischen Bereich.

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Gefragt waren die Informationen des Bundesnachrichtendienstes (BND). Wie eine schützende Mauer stand die Menschentraube um den Stand herum, nur langsam konnten sich andere Interessenten diesem nähren. Fotografieren lassen wollten sich die Mitarbeiter des BND nicht und bei der Frage, wie viele Personen die Behörde einstellt, verwies der Mitarbeiter auf die zentrale Pressestelle. Im Grunde sei der Geheimdienst aber ein "öffentlicher Arbeitgeber wie andere auch".

Dass der Staatsdienst beliebt ist, spürt auch Andreas Karg, Leutnant bei der Bundeswehr. "Wenn die wirtschaftliche Lage schlecht ist, sind wir ein noch beliebterer Arbeitgeber, weil der Job sicher ist." Attraktiv sei für viele Bewerber die Möglichkeit, bei Offizierslaufbahn ohne Kostendruck studieren zu können. Der Krieg in Afghanistan führe nicht zu weniger Interesse, sagt er. "Interessenten fragen aber inzwischen konkreter nach, weil Afghanistan ins Bewusstsein der Menschen gerückt ist."

Um ausreichend Nachwuchs sorgt sich Markus Bottlang, bei der Handwerkskammer Schwaben zuständig für den Bereich Bildung. "Zum 31. Dezember hatten wir ein Minus von 7,3 Prozent bei den abgeschlossenen Lehrverträgen. Viele Realschüler gehen an die Fachoberschulen. Das Kultusministerium will, dass das bald jeder Zweite macht. Das heißen wir nicht gut."

Helmut Jung, DGB-Chef Augsburgs, erwartet für die Region vorerst keinen massiven Nachwuchsmangel. "Bis 2014 sind die Schulentlassungszahlen stabil. Für eine gute Zukunft dürfen die Firmen allerdings nicht nachlassen, Stellen zu schaffen."

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