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02.10.2018

Auch ein Asylbewerber aus Augsburg sitzt im Abschiebeflug

Der Münchner Flughafen. Hier startet ein Abschiebeflug nach Afghanistan.
Bild: Fred Schöllhorn

17 Afghanen sind am Dienstagabend vom Münchner Flughafen aus abgeschoben worden. Auch ein Asylbewerber aus Augsburg musste gehen. Er war vor sieben Jahren nach Deutschland gekommen.

Das Ziel des Flugs war Kabul in Afghanistan: Ein Flugzeug mit 17 abgelehnten Asylbewerbern an Bord ist am späten Dienstagabend vom Münchner Flughafen gestartet. An Bord war nach Informationen unserer Redaktion auch der 36-jährige Abdul F. (Name geändert) aus Augsburg. Der Mann ist vor sieben Jahren als Asylbewerber nach Deutschland gekommen und hier zum evangelischen Glauben übergetreten. Sein Asylantrag wurde aber abgelehnt. Ein Versuch eines Pfarrers, die Abschiebung in letzter Minute noch zu verhindern, scheiterte.

Polizeibeamte kamen am Dienstag gegen 13 Uhr zu der Asylunterkunft in der Proviantbachstraße. Sie forderten Abdul F. auf, zu packen und mitzukommen. Er wurde von den Beamten zum Münchner Flughafen gebracht. Dort werden die Asylbewerber in einem eigenen Bereich der Bundespolizei bis zum Abflug festgehalten.

Der Asylbewerber wollte in zehn Tagen zum Integrationstest

Eine Bekannte des Mannes erfuhr von der geplanten Abschiebung, als die Polizei ihn bereits abgeholt hatte. Sie ist entsetzt. Abdul F. habe nie eine Straftat begangen, sagt sie. Er habe gearbeitet, unter anderem in der Gastronomie. Ende vorigen Jahres sei ihm das von der Ausländerbehörde dann aber nicht mehr erlaubt worden. Er habe Deutschkurse absolviert, auch auf höherem Niveau. In zehn Tagen hätte Abdul F. einen Termin für einen Einbürgerungstest gehabt – um zu belegen, dass er über die Rechts- und Gesellschaftsordnung in der Bundesrepublik Bescheid weiß.

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Norbert Graim, evangelischer Pfarrer im Ruhestand, hat den Afghanen in den vergangenen Monaten, wie er sagt, auch seelsorgerisch betreut. Der Ruhestandspfarrer, der in Stadtbergen lebt, weiß, dass es den Verdacht gab, Abdul F. sei nur aus taktischen Gründen zum Christentum übergetreten. Damit er nicht zurück muss nach Afghanistan. Norbert Graim sagt, er habe das aber ganz anders erlebt. Abdul F. habe auch in Diskussionen mit anderen muslimischen Flüchtlingen seinen Glauben verteidigt und gut argumentiert, warum er Christ geworden sei. Er habe sich auch am kirchlichen Leben in seiner Augsburger Gemeinde beteiligt. Norbert Graim sagt, er habe einen Arbeitsplatz für den Afghanen gefunden gehabt und wollte sich darum bemühen, dass er doch wieder eine Arbeitserlaubnis bekommt.

Ein Pfarrer wollte die Abschiebung noch verhindern

Der Pfarrer versuchte am Dienstagnachmittag noch, mit einem Eilantrag beim Verwaltungsgericht die Abschiebung zu verhindern. Allerdings vergeblich. In dem Antrag seien keine neuen Gründe vorgetragen worden, die eine Aussetzung der Abschiebung rechtfertigen würden, sagte ein Gerichtssprecher auf Anfrage unserer Redaktion. Es habe bereits drei gerichtliche Verfahren gegeben, in denen seine Asylanträge abgelehnt worden seien, zuletzt im Juni dieses Jahres.

Praktisch läuft ein Abschiebeflug so ab, dass die Regierung von Schwaben den Polizeibehörden mitteilt, welche Asylbewerber ausreisepflichtig sind. Und wer sitzt am Ende im Flugzeug? Das hänge vor allem davon ab, wen die Polizisten antreffen und zum Flughafen bringen können, sagt ein Beamter.

Abschiebung: Ein Asylbewerber aus Passau darf vorerst doch noch bleiben

Aufgrund der schwierigen Sicherheitslage in dem Land sind die Abschiebungen umstritten. Zeitweise wurden deshalb nur Straftäter, Gefährder und Flüchtlinge, die versuchen, ihre Identität zu verschleiern, abgeschoben. Inzwischen hat die Bundesregierung aber entschieden, auch andere abgelehnte Asylbewerber wieder nach Afghanistan abzuschieben.

Acht der jetzt Abgeschobenen hätten zuletzt in Bayern gelebt, teilte das bayerische Landesamt für Asyl und Flüchtlinge mit . Drei davon seien rechtskräftig verurteilte Straftäter. Der ebenfalls für die Sammelabschiebung vorgesehene 23-jährige Majtaba A. aus Passau saß nicht in dem Flieger. Ihn hatte die Regierung von Niederbayern wieder von der Liste genommen, weil man erneut "Hinweise auf eine Beschäftigungsmöglichkeit und seine Integrationsleistungen" klären und bewerten wollte, teilt die Regierung von Niederbayern auf Anfrage des BR mit. Der 23-Jährige hat die Aussicht auf einen Ausbildungsplatz als Koch in einem Passauer Gasthof.

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Die Diskussion ist geschlossen.

05.10.2018

Mit Erschütterung lese ich den Bericht über die Abschiebung eines gut integrierten Afghanen aus Augsburg.
Mein Mitgefühl gilt zuerst meinem Glaubensbruder Abdul (*Name geändert), der nun zusehen muss, dass er seinen neu gewonnenen Glauben in Kabul verheimlicht, um nicht als Abtrünniger ermordet zu werden. Und dann tut mir unsere nicht nur willkürlich erscheinende Abschiebepraxis für Herrn Pfarrer Greim leid, der für viele Ehrenamtliche steht, die ihre wertvolle Zeit in die schwächsten Menschen in unserem Land investieren, immer in der Hoffnung, dem Flüchtling ein gutes und sicheres Leben zu ermöglichen. Bitte engagieren Sie sich weiter!
Christlich nennt sich die Partei, die Christen in den wahrscheinlichen Tod abschiebt... ich bin entsetzt!

Bitte schreibt jetzt nicht, dass alle konvertierten Afghanen Schein-Christen sind. Ich selbst habe einen Afghanen zum Freund, der in Deutschland Christ geworden ist. Ich bin von seinem echten Sinneswandel überzeugt, der Pastor ist es, der Richter aber nicht, daher könnte ihm in Kürze dasselbe Schicksal ereilen wie Abdul. Ich bin entsetzt...

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06.10.2018

Unser Einwanderungs- und Asylrecht ist bislang nicht von der Religion abhängig.

>> ... dass er seinen neu gewonnenen Glauben in Kabul verheimlicht, um nicht als Abtrünniger ermordet zu werden. <<

Sie klingen so ängstlich wie die Afd. Mut machen statt Angst schüren!

Oder bieten Länder mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit tatsächlich keine guten Lebensperspektiven für Christen?



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03.10.2018

Nach sieben Jahren angeschoben, dafür belässt man ca 200 Gabuner die nicht die geringste Chance auf Asy haben Jahre lang in Deutschland und nimmt deren Straftaten in Kauf, ohne das man hier die schnelle Abschiebung veranlasst. Dafür ist die Justiz und Politik Schuld insbesondere die Grüne und Linke.

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03.10.2018

Deutschland schiebt die völlig falschen Leute ab !

Es ist ja mittlerweile bekannt , daß Deutschland in nicht wenigen Fällen die falschen Leute abschiebt !
Auch in der Vergangenheit schon wurden des Öfteren Asylsuchende abgeschoben , welche durch ihre gezeigte "Lebens"haltung (zB Aufnahme einer Arbeit/Ausbildung mit dem Wunsch, eben nicht Sozialhilfe zu kassieren sondern finanziell eigenverantworlich zu leben , Konvertieren zum christlichen Glauben oder ehemalige Dolmetschertätigkeit für die in Afghanistan befindlichen westlichen Truppen usw) ihrem Wunsch , sich in einem westlichen Land - wie zB Deutschland - zu integrieren und die hiesige Gesellschaftsform anzunehmen , Ausdruck gegeben haben .

Demgegenüber werden ehemalige Terroristen , Salafisten und sonstige Straftäter - also Personen , welche eindeutig ihre feindliche Haltung gegenüber der westlichen Gesellschaftsform dokumentiert haben und weiterleben , in Deutschland belassen - nur weil ihnen angeblich sogenannte "Repressalien" im Land der Abschiebung "drohen würden" (wobei es sich hierbei zumeist um erfundene Einwendungen handeln dürfte - enmpfinden solche Personen sicherlich doch schon eine rechtlich einwandfrei Gefängnisstrafe als unrechte "Repressalie") .

Nicht das Asylrecht und dessen Inhalte als Solches ist ein Problem , sondern die Auslegung und Anwendung - insbesondere durch unsere Damen und Herrn Richter/Richterinnen .

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03.10.2018

Wenn jemand 7 Jahre hier lebt, versucht Deutsch zu lernen und sich an die Gesetze hält ist die Abschiebung für mich einfach nur unsinnig. Daran sieht man das der Deutsche Staat total Überfordert ist und es wird Zeit das sich etwas ändert !!!

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03.10.2018

Deutschland müsste endlich eine klare Aussage treffen:

Asylrecht nach rechtsstaatlichen Grundsätzen (auch mit evtl. jahrelangem Prozessweg) oder faktisches Einwanderungsrecht für jederm(M)ann dieser Erde.

Man kann letzteres auch bei Beachtung von 3 Grundsätzen tun:

> Straffung des Sozialstaates - der Staat bietet nur noch Gemeinschaftsunterkunft, Gemeinschaftsverpflegung und Premium-Bildung.
> Militärisch unterstützte Ausschaffung oder Dauerinternierung von Gewaltstraftätern.
> Rigide Maßnahmen zum Erhalt des Geschlechtergleichgewichtes.

Der Hinweis im Artikel auf unterbliebene Straftaten läuft ins Leere; auch bei der Ausschaffung Straftätern gibt es regelmäßig Proteste aus dem linksgrünen Lager.

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03.10.2018

Daß ist es , was für mich unverständlich ist, Migranten sieben Jahre im Land lassen, fürstlichst versorgen, Kurse bezahlen und dann wenn sie evtl. brauchbar sind, werden sie abgeschoben. Es muß doch in einem entwickeltem Staat wie Deutschland möglich sein, dieses Prozedere in einem Jahr abzuschließen. Diese 7 Jahre haben dem Steuerzahler sicher mehr als € 100.000,00 gekostet.

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