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29.07.2010

Auch eine Gräfin muss arbeiten

Innenstadt Manchmal träumt Paula. Das heißt, wahrscheinlich träumt sie jede Nacht, kann sich nur manchmal nicht mehr daran erinnern. Aber wenn sie sich erinnert, dann an die schönen Träume: Da ist sie Prinzessin oder Fürstin und lebt in einem echten Schloss. Und sie ist unendlich reich, so wie beispielsweise die Fugger damals. "Aber so etwas gibt es heute ja nicht mehr", denkt sich Paula dann immer, bis sie am Wochenende auf dem Kinderfest der Jakober Kirchweih ist. Dort hört sie in der Fuggerei tatsächlich jemanden "Gräfin Fugger" rufen. Und ein anderer Herr wird mit "Seine Durchlaucht" angesprochen. Kann das sein? Gibt es das heute tatsächlich noch? Und wie leben Adelige im 21. Jahrhundert? Das wollte Paula genauer wissen. Vorsichtig wagt sie sich an diese Gräfin Fugger heran. "Sind Sie eine echte Gräfin?", will Paula wissen. "Ja, ich bin Katharina, Gräfin Fugger von Glött, ein Nachkomme der Fugger", antwortet die Dame. "Wenn du möchtest, erzähle ich dir gerne etwas mehr von uns." Und ehe sich Paula versieht, befindet sie sich im sogenannten Senioratsgebäude der Fuggerei. Hier dürfen für gewöhnlich keine Besucher hin - und erst recht keine Enten.

Von Paula Print und Christian ries

Gestatten? Fugger, Frau Fugger!

Heute gibt es drei Linien, die als Nachfolger des berühmten Jakob Fugger mit dem Beinamen "Der Reiche" das Erbe verwalten. Das sind die Fugger-Babenhausen, die Fugger-Kirchberg und die Fugger von Glött. Zu dieser gehört Gräfin Katharina. "Ich bin Grundschullehrerin in der Werner-von-Siemens-Schule in Hochzoll - und Gräfin.", so die Lehrerin, "Aber die Kinder sagen natürlich einfach Frau Fugger zu mir." Das überrascht Paula sichtlich. "Aber sind Sie denn nicht sehr reich?", will die Ente wissen. "Die Kinder in der Schule fragen mich auch immer, warum ich denn überhaupt arbeiten muss", lächelt die Gräfin, "aber das ist eben so. Wir müssen uns unseren Lebensunterhalt genauso verdienen und leben ganz normal." Soweit man das normal nennen kann, denn nebenbei verwalten die Fugger natürlich das Stiftungsvermögen und die Fuggerei. Das Geld geben die Fugger aber nicht für sich privat aus.

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Paula hat eine blaue Schleife, und während sie als vermutlich erste Ente überhaupt auf dem Schreibtisch von Jakob Fugger sitzen darf, fällt ihr dabei ein, dass sie einmal gelesen hat, der Adel habe blaues Blut. Vielleicht besteht auf diese Weise doch eine adelige Verbindung? Hier muss Gräfin Katharina schmunzeln: "Blaues Blut, so sagte man früher, hat der Adel, weil diese Leute nicht draußen auf den Feldern arbeiten mussten." So behielten sie eine, wie man sagte, vornehme Blässe. Auf heller Haut sehen die Adern dann besonders blau aus. "Wenn ich aber hinfalle und mich verletze, blute ich genauso wie jeder andere, nämlich rot."

Die Fuggerei zum Basteln

Und doch ist Gräfin Katharina besonders, findet Paula. Katharina wuchs in der Fuggerei auf und spielte als Kind oft an den Mauern oder den Brunnen dort. Deswegen freut sie sich auch, dass das Kinderfest immer wieder in der Fuggerei stattfindet. Denn wenn überall Kinder sind, dann lebt die Fuggerei. Mit diesem Titel hat sie auch ein Buch geschrieben: "Die Fuggerei lebt". Darin soll Kindern die Geschichte der rund 480 Jahre alten Sozialsiedlung näher gebracht werden. Sogar ein kleines Fuggereihaus zum Basteln ist darin.

Paula hat heute wieder viel gelernt, nur eine Sache interessiert sie noch: Darf eine Gräfin eigentlich heiraten, wen sie will? "Das hat sich zum Glück auch etwas geändert", antwortet die nette Gräfin. "Ich darf heiraten, wen ich liebe."

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