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Augsburg

12.12.2016

Auch einen „Rembrandt“ gibt es im Museum zu holen

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2 Bilder
Monika Eimüller aus Mering freut sich über den „Rembrandt“, den sie am Samstag am Gabentisch im Maximilianmuseum erworben hat.
Bild: Peter Fastl

Es ist zwar nur eine Kopie vom „Mädchen mit dem Besen“. Doch das Bild ist eines von 5000 besonderen Stücken, die von der Altaugsburg-Gesellschaft auf den Gabentisch gelegt werden.

Das Jesuskind schaut pausbäckig und etwas verschmitzt vom Arm seiner Mutter herunter. „Vielleicht ist die Madonna ja deswegen nicht in einer Kirche untergekommen“, überlegt Anne Voit, die Vorsitzende der Altaugsburg-Gesellschaft und lächelt.

Jetzt steht die kunstvoll geschnitzte Figur des Bildhauers Friedrich Brenner im Maximilianmuseum zwischen den anderen Exponaten des Gabentisches der Alt-augsburg-Gesellschaft und wartet auf einen Käufer. Sie ist etwas Besonderes – deshalb wird die 1,30 Meter große Figur auch versteigert – bei 2500 Euro liegt das Anfangsgebot. Alles was hier zu finden ist, hat einen Wert – ideell oder tatsächlich, das ist Organisatorin Voit ganz wichtig.

Eine Uhr stammt aus dem Jahr 1760

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Doch teuer ist nur das wenigste. Rund 5000 Antiquitäten, Bilder oder einfach außergewöhnliche Exponate findet man auf dem Gabentisch. Die Stücke sind schon ab zehn Euro zu haben – das teuerste in diesem Jahr ist eine barocke Stutzuhr aus dem Jahr 1760 für 3800 Euro. Sie alle sind Spenden, mit dem Erlös sollen in diesem Jahr die „Supraporten“ des Augsburger Schaezlerpalais gerettet werden. Es handelt sich dabei um 33 große, fast zwei Meter breite Leinwandbilder mit Darstellungen aus Ovids Metamorphosen, die über den Flügeltüren im ersten Stock des Palais hängen. Seit acht Jahren veranstaltet die Altaugsburg-Gesellschaft ihren Gabentisch, um mit dem Geld bei der Erhaltung, Aufarbeitung und Unterstützung von Augsburger Kulturdenkmalen, Museen und anderen kulturellen Projekten beizutragen.

Monika Eimüller kann es noch gar nicht fassen. 20 Euro für Rembrandts „Mädchen mit dem Besen?“ Natürlich weiß sie, dass es sich nur um eine Kopie handelt, trotzdem nimmt sie das Gemälde freudig von der Wand und marschiert damit zur Kasse. „Ich sammel eigentlich null Antiquitäten“, verrät sie – „aber hier könnte ich echt schwach werden.“

Die Exponate stammen von Spendern

Die Meringerin hat schon zwei Tüten mit seltenen Stücken unter dem Arm. Unter anderem hat sie eine Weihnachtskrippe mit Echtwachsfiguren erstanden, einen Kupferstich und einen Messingmörser. Ob der echt antik ist, ist für sie zweitrangig. „Den nehme ich in der Küche her“, sagt sie. Nur bei ihrem Lieblingsstück, einem orthodoxen Flügelaltar, hat sie den Kürzeren gezogen – den hat ein anderer Kunde Minuten zuvor telefonisch für sich reservieren lassen.

Die Exponate stammen von Menschen, die die Altaugsburg-Gesellschaft unterstützen wollen, oft auch aus Nachlässen sagt Voigt. „Es gibt viele Leute, die uns etwas schenken, wir nehmen gerne alles, was schön ist und eine gewisse Qualität hat.“ So findet man hier auch aus einem Nachlass Accessoires für die Dame von Welt – von Lippenstiftbehältern mit kleinen Spiegeln über Geldbörsen bis zur Kroko-Tasche und edlen Handschuhen. Etwas weiter steht ein Kurbelgrammophon, voll funktionsfähig und mit einer ganzen Sammlung von alten Schellackplatten.

„Bei vielen hochwertigen Stücken fragt man sich, wie sich die Leute von so etwas trennen können“, wundert sich Kunsthistorikerin Stefanie Richter, die gemeinsam mit ihren Kollegen darauf achtet, dass die Stücke richtig eingeschätzt werden. Sie weiß, unter den Kunden sind immer wieder auch Liebhaber, die den Wert der Antiquitäten taxieren können und sich über die Preise am Gabentisch freuen. Manche der Stücke könnten genauso gut in einem Museum liegen. So steht in diesem Jahr ein Urnentopf aus dem Jahr 1250 vor Christus zum Verkauf – für 120 Euro. Stefanie Richter hatte noch keine Zeit, sich ihr Lieblingsstück auszusuchen. „Aber ich habe noch in jedem Jahr etwas mitgenommen“, sagt die Historikerin.

Besichtigung und Verkauf bis Sonntag, 18. Dezember, täglich (außer Montag) von 10 bis 17 Uhr.

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