Mozart@Augsburg

05.09.2016

Auf Leben und Tod

Markus Poschner dirigiert zum Auftakt von Mozart@Augsburg Orchestra della Svizzera Italiana. Als Solist tritt Tenor Benjamin Bruns auf.
Bild: Fred Schöllhorn

Die Eröffnungsgala des Festivals mit dem Orchestra della Svizzera Italiana unter Markus Poschner elektrisiert

Auch wenn das Festival wieder meist Musik aus allen Epochen und Stilrichtungen bringen wird – den Namen im Titel von Mozart@Augsburg verdient es schon durch die Eröffnungsgala, die Amadé gewidmet war. Festival-Leiter Sebastian Knauer „freute sich“ in der vollen Kirche Ev. St. Ulrich auf das Orchestra della Svizzera Italiana und seinen „wunderbaren“ Dirigenten Markus Poschner. Der hielt noch mehr, als Knauer versprochen hatte. Unter dem Thema „Nur noch drei Monate“ wurde das Konzert ein faszinierendes Porträt Mozarts.

Den Zuschauern wurde eine Chronik der letzten Lebensphase präsentiert. Schauspielstar Hannelore Elsner las sie mit sachlich-sensiblem Ernst. Wolfgang Knauers Text erzählte aus der Sicht einer virtuellen Biografin, Mozarts Constanze, durchsetzt mit Aussagen aus Briefen. Euphorie und Resignation wechselten sich in dieser Zeit bei Mozart ab, zwischen „Titus“ (Prag), „Zauberflöte“ (Wien) und Missachtung (Paris). Doch entscheidend triumphierte die Musik.

Markus Poschner, GMD in Bremen, ist Chef der „Svizzera Italiana“, eines virtuosen Klangkörpers. Der Dirigent, ebenso als brillanter Jazzpianist geschätzt, inszeniert Mozart mit bildhafter Inbrunst. Und das bedeutet nicht, dass er sich in rasende Tempi und die Manierismen eines falsch verstandenen historischen Musizierens wirft. Vielmehr scheint für ihn jeder Takt eine faszinierende Entdeckungsreise zu sein. Das machen alle Großen, doch wie Poschner innere Pausen und Spannkraft disponiert, ist ungewöhnlich.

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Schon in der „Don Giovanni“-Ouvertüre machte er so aus den changierenden Stimmungen ein Ereignis. Das Orchester spielte einen kräftigen, fast physisch präsenten Ton, der sich nicht sinnlos aufbäumte, sondern verhallte und auf neue Ausbrüche wartete. Nach der Einstimmung trat der Tenor Benjamin Bruns auf den Plan. Seine Arien-Folge verkörperte den Bühnenzauberer Mozart. Taminos „Dies Bildnis ist bezaubernd schön“ aus der „Zauberflöte“ ließ er mit fast heldenhafter Stimmkraft strömen. Nicht nur: Besonders Ottavios „Dalla sua Pace“ aus „Don Giovanni“ zeigte ihn konform mit Poschners Orchestersprache: Kraft und geschmeidig eingewechselte Lyrik wurden mit zwei eigenständigen Arien lebendig. „Müsst ich auch durch tausend Drachen“ (KV 435) aus einer nicht realisierten deutschen Oper, besonders die expressiven Effekte von „Miserio“ (KV 431) bescherten Bruns großen Applaus.

Was in der „Don Giovanni“-Ouvertüre anklang, wurde in der Jupitersinfonie zum Mozart’schen Welttheater, in dem es um Leben und Tod zu gehen schien. Auch hier trieb Poschner die Tempi nicht mit schwitzendem Drama-Eifer voran. Er ließ die kräftigen Auftaktgesten verklingen, lauschte den zarten Verästelungen nach – Mozart in einem Zwischenreich von Leben und Todesnähe. Wie Mozart im Finale das schlichte, vierteilige gregorianische Motiv beleuchtet, sprengt, variiert, mit magnetischer Kraft schließlich zusammenführt, das gestalteten Poschner und sein Orchester zum triumphalen Ereignis. Es war ein Spiel der Präzision und der gefühlvoll pointierten Metrik mit einer hinreißend gezündeten Schluss-Szene. Frenetischer Beifall.

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