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Centerville-Schule

22.05.2009

Auf Segelbooten durch das Schuljahr

Ein berühmtes Gespenst wird wieder zum Leben erweckt. Mit der Premiere des Popicals "The Ghost of Centerville", frei nach Oscar Wilde, feiert die Centerville-Schule am 26. Mai ihr zehnjähriges Bestehen.

In Oscar Wildes Erzählung hat sich eine Familie von einem Gespenst nicht abschrecken lassen, das Schloss Canterville zu kaufen und dort einzuziehen. Ähnlich war es bei der Volksschule Centerville-Süd in Pfersee: Es hatte anfangs in der Öffentlichkeit Skepsis gegeben. Wie konnte es gelingen, in diesem ehemals amerikanischen Viertel, in dem sich eine völlig neue Bevölkerung ansiedeln sollte, eine Schule aufzubauen? "Es ist gut geworden", sagt die Schulleiterin Carmen Jaud jetzt, nach zehn Jahren. Mehr noch - die Schule wurde zum Erfolgsmodell, das weit über Augsburg hinaus Beachtung findet.

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Mit fünf Lehrern und 72 Schülern in einer ersten und zwei fünften Klassen hat alles im Schuljahr 1999/2000 angefangen. Inzwischen sind es 630 Schüler und 50 Lehrer. Auch baulich hat sich die Schule vergrößert und erneuert. Vor fünf Jahren startete die Volksschule Centerville-Süd als erste Schule in Augsburg in der Hauptschule mit Ganztagsklassen.

In der Eingangshalle fällt der Blick auf eine Tafel mit Segelbooten auf einem blauen Fluss. Dies ist ein Bild dafür, wie die Kinder hier in ihren "Booten" durch den Lauf ihrer Schuljahre begleitet und schließlich fit fürs Leben und ihren Beruf gemacht werden. "Segel setzen - das Lernen der Kinder individualisieren" steht als Motto auf der Tafel. Die intensive Förderung jedes einzelnen Schülers bildet das Herzstück der Pädagogik an der Volksschule Centerville-Süd. Praktisch heißt das beispielsweise, dass gerade in den ersten Klassen mit vielen Montessori-Elementen gearbeitet wird. Für das Modell "Lernentwicklungsgespräche" hat die Schule im Jahr 2006 den Augsburger Zukunftspreis gewonnen. Die Idee: Die Klasslehrer sprechen über jeden einzelnen Schüler - nicht nur über die Problemfälle - und überlegen, ob und wo noch besondere Förderung nötig ist. Besonders hochgehalten werden an der Volksschule Centerville-Süd Kunst, Sport, Musik, Theater und Tanz. "Wir setzen einen ästhetischen und kulturellen Schwerpunkt", so die Schulleiterin. Fächer- und klassenübergreifende Projekte tragen dazu bei, dass bei den Kindern Talente gehoben werden. Ein Beispiel dafür war vor zwei Jahren das Denkmalschutz-Projekt "Ein Kirchenführer von Kindern für Kinder". Schüler unterschiedlicher Konfessionen gestalteten einen Kirchenführer für die katholische Kirche St. Thaddäus. Das ist übrigens nur eines von mehreren Modellprojekten, mit denen sich die Schule einen Namen gemacht hat. Mit dem sie auch ganz sichtbar in der Stadt und im Stadtteil Präsenz zeigt. Aktuell läuft das Modellprojekt "Mehr Musik"; das 'Popical' zum Jubiläum mit 200 mitwirkenden Schülern wird die "Früchte" daraus zeigen.

Auf Segelbooten durch das Schuljahr

Die Centerville-Schule liegt in einem Viertel, in dem sich vor allem Familien türkischer und russischer Herkunft niedergelassen haben. Familien, die sich, so Carmen Jaud, "etabliert haben", wo beide Eltern oft arbeiten. "Total gut" sei die Nachfrage nach den Ganztagsklassen. Die Kinder erhalten hier nicht nur ein warmes Mittagessen, sie lernen länger und intensiver durch Unterricht oder Arbeitsgemeinschaften am Nachmittag. "Man lässt Kinder oft zu wenig arbeiten", meint Carmen Jaud.

Gut vorbereitet fürs Leben

Sie berichtet vom Arbeitskreis Gastronomie, der einen Catering-Service ins Leben gerufen hat oder auch davon, mit welcher Begeisterung Schüler jüngst im Schulgarten "die Löcher für die Weinstöcke ausgegraben haben".

All diese Erfahrungen will Carmen Jaud und ihr Kollegium den Schülern als "Kapital" mitgeben. "Die Schule hat einen Bildungsauftrag", sagt sie, "sie ist nicht nur ein Ort, der auf den Beruf vorbereitet, sondern auf ein Leben, das nicht nur vom Brot alleine bestimmt wird."

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