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Pfersee

29.05.2015

Auf dem Friedhof wuchert das Unkraut

Der Löwenzahn auf dem Westfriedhof – inzwischen schon verblüht – ist vielen Grabbesitzern ein Dorn im Auge. Es sehe ungepflegt aus, weil zu selten gemäht wird, und die Pflanzen breiten sich über Wege und Gräber aus, beschweren sie sich. Das Grünamt kennt die Klagen. Dort heißt es, das Problem sei unter anderem, dass Mitarbeiter bei Regen nicht mähen können.
Bild: Petra Rißler

Außerdem gibt es Beschwerden über überfüllte Abfallbehälter und ungepflegte Wege. Das Grünamt kennt das Problem. Warum passiert trotzdem nicht viel?

Mancher mag sie, mancher weniger: die teils romantische, teils morbide Atmosphäre eines Friedhofs. Den Augsburger Westfriedhof kann man wie einen Park zu Spaziergängen nutzen. Bürger, die dort ein Grab pflegen, haben jedoch einen ganz anderen Blick auf diese Stätte. Kürzlich gingen gleich zwei massive Beschwerden über untragbare Zustände auf dem Pferseer Friedhof bei unserer Zeitung ein.

Petra Rißler aus Stadtbergen kritisiert in ihrem Brief, die Friedhofsverwaltung halte nicht einmal ein Mindestmaß an Pflege ein. Michael Feldner aus Oberhausen schreibt: „Es ist eine Schande, wie der Friedhof aussieht!“ Beide monieren übereinstimmend, auf dem Westfriedhof wachse überall Löwenzahn und anderes Unkraut ungebremst. Rißler meint, das Gras stehe mitunter kniehoch zwischen den Gräbern und auf den Wegen. Mit Briefschreiber Feldner ist sie sich wiederum einig, dass die Verwaltung das auf Personalmangel schiebt – für beide nicht akzeptabel.

Die Stadtbergerin hat noch einen weiteren Kritikpunkt: Die Abfallbehälter seien häufig überfüllt; Laub werde dann einfach neben den Tonnen aufgehäuft. Trotzdem seien auch die Wege mangelhaft gesäubert. Das habe sie besonders an Allerheiligen festgestellt, dem Tag, an dem viele Menschen die Gräber besuchen. An diesem Feiertag, schreibt sie, „sollte die Friedhofsverwaltung darauf bedacht sein, einen ordentlichen Eindruck zu hinterlassen.“

Bei einem Besuch auf dem Westfriedhof haben wir die Vorwürfe überprüft. Er machte keinen völlig ungepflegten Eindruck. Am westlichen Ende Richtung Schumannstraße fielen zwei Gräberfelder auf, die tatsächlich mit hohem Gras und Unkraut überwachsen waren. Auf den beiden Feldern fehlten die sonst üblichen Kieswege, so dass die Gräber nicht ganz einfach zu erreichen waren. Aber im Wesentlichen waren die Areale gemäht und in Ordnung gehalten. Es gab sogar idyllische Momente: Zweimal kreuzten nicht gerade scheue Eichhörnchen den Weg, einmal hoppelte in geringer Entfernung ein Hase vorbei.

Grabbesitzer werden freilich dem Löwenzahn um ihre Parzelle herum mehr Beachtung schenken, weil sie die Pusteblumen nicht immer wieder aus der eigenen Erde ausstechen wollen. Rißler mahnt, sie zahle Friedhofsgebühren, müsse einen Pachtvertrag auf 15 Jahre abschließen und habe im Übrigen eine Menge Grabvorschriften zu beachten.

Die Leiterin des städtischen Amts für Grünordnung, Anette Vedder, weist die Vorwürfe unserer Leser nicht zurück: Man sei mit Mähen und Unkrautbekämpfung im Rückstand. Der Westfriedhof sei 17 Hektar groß und damit der größte in der Stadt. Hier fänden mit Abstand die meisten Beisetzungen statt. „Da uns dieser Missstand sehr wohl bekannt ist“, sagte sie, „versuchen wir, durch zusätzliche Überstunden sowie organisatorische und personalwirtschaftliche Maßnahmen dem entgegenzuwirken.“ An Allerheiligen, so Vedder weiter, sei der Friedhof besonders stark besucht. Im vergangenen Jahr habe es unmittelbar vorher gestürmt. Helmut Riedl, der im Amt für das Friedhofswesen verantwortlich ist, sind die Klagen wohlbekannt. Sie kämen meist zur Blütezeit und vor allem bei anhaltendem Regenwetter; dann können seine Mitarbeiter nämlich nicht mähen. Er erklärt auch, wie sich die häufigen Trauerfeiern auswirken: Dann sind seine Mitarbeiter mit der Vorbereitung des Grabs, Dekorieren der Leichenhalle und Sargtragen beschäftigt und können sich nicht um die Friedhofspflege kümmern.

Teerwege könnten gegen zu viel Unkraut helfen, auch Unkrautvernichtungsmittel. Befestigte Wege müssten aber die Grabbesitzer über höhere Gebühren zahlen, gibt Riedl zu bedenken. Auch begnüge man sich bewusst mit mechanischer Unkrautbekämpfung, denn der Westfriedhof sei eben auch ein naturnaher Park.

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