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Augsburg

23.08.2017

Auf dieser Dachterrasse ist man selten allein

140 Quadratmeter bietet diese Dachterrasse in Augsburg.
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140 Quadratmeter bietet diese Dachterrasse in Augsburg.
Bild: Michael Hochgemuth

Auf der 140 Quadratmeter großen Dachterrasse im Augsburger Domviertel gibt es ein besonderes Konzept. Es ist so besonders wie die Wohngemeinschaft in der gesamten Anlage.

Auf dieser riesigen Dachterrasse ist man selten nur für sich. Das wäre bei rund 140 Quadratmetern vielleicht auch etwas dekadent. Der großzügige Freisitz gehört zu einem Gebäudekomplex in der Kohlergasse mit 37 Wohneinheiten. Alle Bewohner können die Terrasse nutzen. Wer hier an mögliche Komplikationen denkt, liegt falsch. Warum die Bewohner gerade die Gesellschaft auf ihrer Dachterrasse im Domviertel schätzen.

Zehn Frauen und Männer sitzen an diesem heißen Nachmittag um den großen Tisch im Schatten des ausladenden Sonnenschirmes. Sie unterhalten sich. Manche haben sich ein Getränk mitgebracht. Es wird untereinander gesiezt und geduzt. Der acht Jahre alte Hans kühlt sich kurz im aufgebauten Kinderplanschbecken ab. Dann setzt sich der Junge wieder an den Tisch dazu und führt mit seinem Vater die Schachpartie fort. Bewohnerin Renate Thies spricht aus, was hier alle denken. „Die Terrasse ist ein wichtiger Treffpunkt, um sich auszutauschen. Es gibt ja auch alleinstehende Menschen unter uns.“ Das Zusammentreffen auf der Terrasse spiegelt das Konzept des Hauses wider.

Sieben Häuser sind miteinander verbunden

Bei den sieben Häusern, die miteinander verbunden sind, handelt es sich um das Mehrgenerationenhaus „Beim alten Römertor“. Hier leben etwa junge Familien, Alleinstehende, Ehepaare mittleren Alters und Senioren zusammen. Gemeinschaft und Toleranz wird geschätzt. Das gilt auch für die Nutzung der Dachterrasse. Jeder aus dem Haus kann sich hier entspannen und den Ausblick genießen. Die Dachterrasse ist von Augsburger Sehenswürdigkeiten umgeben: Im Osten ist der Dom zu sehen, im Süden etwas weiter entfernt das Rathaus, auf der Westseite ganz nahe die katholische und die evangelische Heilig-Kreuz-Kirche. Die gemeinsame Nutzung funktioniert natürlich nicht ganz ohne Regeln.

Auf dieser Dachterrasse ist man selten allein
Ein Planschbecken für Hans hoch über Augsburg. Was kann man sich mehr wünschen?
Bild: Michael Hochgemuth

Dass jeder seine Sachen aufräumt, ist ein ungeschriebenes Gesetz. „Bitte nicht gießen“ steht hingegen auf kleinen Schildern, die in ein paar Blumentöpfen stecken. „Die Blumen gehören einer Dame. Sie kümmert sich lieber selber um sie“, erklärt Bewohner Manfred Götze. Der Großteil der Dachterrasse wurde aber gemeinschaftlich bepflanzt. Dazu gab es einen Aufruf am schwarzen Brett im Flur. Dort werden immer die neuesten Informationen angebracht. Das kann etwa die Ankündigung eines nächsten Grillfestes oder eines Sonntags-Brunches sein. Auch dazu treffen sich die Bewohner gerne. Dann bringt jeder etwas Leckeres mit.

Der Gießplan hängt am Schwarzen Brett

Am Schwarzen Brett hängt auch der Gießplan. Den hat Bewohner Hans Seebach erstellt. „Damit vermeiden wir, dass doppelt gegossen wird“, sagt Seebach, der mit seiner Frau in dem Haus im Domviertel lebt. Er und Manfred Götze gelten in dem Mehrgenerationenhaus als Organisatoren sämtlicher Aktivitäten. „Das ist unser Glück, dass sich die beiden Herren kümmern“, meint eine ältere Dame am Tisch.

Benjamin Hiemer und sein Sohn Hans unterbrechen ihr Schachspiel. Die Familie Hiemer hat eine der drei obersten Wohnungen, die neben einem allgemeinen Treppenhauszugang, auf die Gemeinschafts-Terrasse führen. Auch sie schätzen die Gemeinschaft hier oben, können sich aber auch auf ihren eigenen kleinen Terrassenanteil zurückziehen. „Es gibt solche und solche Tage. Manchmal sitzen meine Frau und ich auch gerne alleine beisammen“, sagt Hiemer und deutet mit dem Finger zu einem Eck des Freisitzes, das besonders schön angepflanzt ist. Dort baut die Familie unter anderem Tomaten und verschiedene Beeren an. Der kleine Hans pflückt hier für sein morgendliches Müsli Himbeeren, Blau- und Johannisbeeren. Die Terrasse ist groß genug, dass jeder sein Plätzchen findet. Und auch seine Ruhe.

Eine junge Frau mit Laptop

Neulich, so erzählt eine ältere Dame, habe sie vormittags eine junge Frau hier oben sitzen sehen. „Sie saß mit einem Laptop und vielen Unterlagen am Tisch.“ Das sei wohl die Studentin aus dem Haus, merkt eine Bewohnerin an. Es gibt eben auch Bewohner, die sich nicht so oft hier oben sehen lassen. Der „harte Kern“ aber, der freut sich auf die nächsten Highlights. Eines davon wird Silvester sein. Dann genießt die Gemeinschaft wie jedes Jahr den Ausblick auf das Feuerwerk über der Stadt. Hans Seebach hofft, dass es dieses Mal genügend Schnee für eine Schneebar gibt.

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