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Augsburg

24.06.2019

Auf ein nächtliches Date mit dem Kaiser

Die Damen und Herren des Vereins Augsburger Geschlechtertanz eröffneten die Abendveranstaltung im Maxmuseum.
Bild: Peter Fastl

Maximilian I. kam nicht nur in die Reichsstadt, um sich Geld zu leihen und zu flirten. Was Besucher der Sonderschau über den Herrscher wissen.

Zweieinhalb Jahre hat sie mit Kaiser Maximilian verbracht, sagt Christina von Berlin. Seit einer Woche sind die Rechercheergebnisse der Projektmanagerin und ihrer Kollegen im Maximilianmuseum zu sehen. Eine Sonderausstellung zeigt den Herrscher und sein enges Verhältnis zu Augsburg – am Samstagabend in besonderem Ambiente: Eingang und Innenhof erstrahlen in kaiserlichem Rot, geöffnet ist bis 23 Uhr. Wer in Rot kommt, zahlt nur drei Euro Eintritt. Was tragen die Besucher, was wissen sie bereits vor dem Rundgang und was halten sie danach vom Kaiser?

Maximilian war 57 Mal in Augsburg

Was er heute zu sehen bekommt, weiß Hüseyin Kaan Yavuz noch nicht. Er interessiere sich einfach für Kultur, sagt der Jurastudent aus der Türkei, schwarze Locken, rotes T-Shirt, der für einen kurzen Studienaufenthalt in der Stadt ist. „Wer war Maximilian eigentlich?“, fragt er und betrachtet eine Texttafel, auf der steht, dass jener Mann 57 Mal in Augsburg war – nicht der bayerische König Maximilian II., nach dem das Museum benannt ist, sondern der Habsburger Kaiser Maximilian I. (1459-1519), der Ritter und „Bürger zu Augsburg“, wie der Name der Ausstellung verrät.

Über diesen Ritter weiß Eva Held schon ein bisschen mehr: „Er muss sehr lebenslustig gewesen und gern unters Volk gegangen sein“, sagt die Augsburgerin, die eine rote Hose, eine rot-schwarz gestreifte Bluse und rote Ballerinas trägt. Die 61-Jährige möchte die Exponate sehen, vor allem die berühmten Panzerhandschuhe. Ihren Lebensgefährten Michael Bergheim interessiert, ob sie wahr sind, „die wilden Geschichten, die vielen Kinder“, sagt er und lacht.

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Später werden die beiden und Student Yavuz erzählen, was sie nach dem Besuch der Ausstellung über den reisenden Kaiser denken, der in Innsbruck residierte. Nur in der österreichischen Stadt verbrachte Maximilian mehr Zeit als in Augsburg, wo er sich insgesamt mehr als 1000 Tage aufhielt.

Kaiser Maximilian war ein unterhaltsamer Mensch

„Die Stadt war ihm sympathisch“, sagt Christina von Berlin, die ein rotes Kleid mit roter Kette trägt. Hier habe er gefunden, was er suchte. Humanismus, Gelehrsamkeit, Kunst, das Geld der großen Familien wie der Fugger und Welser oder der Kaufmänner wie Philipp Adler. Und einen florierenden Buchdruck, der ihm half, „sein Gedächtnis zu tapezieren“, wie von Berlin erklärt. Sie beschreibt den Kaiser als offenen, unterhaltsamen Menschen, der ein untrügliches Gespür für andere Menschen hatte und wusste, wie er sie platzieren kann, damit er erreicht, was er möchte. Und der eine eigene Hofkapelle unterhielt, querfinanziert durch die Patrizier.

Die reichen Patrizier treten unterdessen im Innenhof des Museums auf, verkörpert von den Damen und Herren des Vereins „Augsburger Geschlechtertanz.“ In edlen Gewändern zeigen sie Choreografien aus der Zeit des Kaisers, sanft in rotes Scheinwerferlicht getaucht, während der Regen auf das Glasdach über ihren Köpfen prasselt. Kein Kaiserwetter heute beim „Flirttanz“: „Ein Partner läuft weg, der andere muss schauen, wie er hinterherkommt“, erklärt die Tänzerin des Ensembles, die in die Rolle der zweiten Ehefrau des Kaisers, Bianca Maria Sforza, geschlüpft ist. „Der Kaiser liebte es laut, er liebte es zu flirten, er liebte die bürgerlichen Tänze.“ Frauen habe er verehrt.

Kunstvermittler bei der Sonderschau zu Maximilian

In der Ausstellung geht es dann aber doch eher um den „Kaiser und seine Stadt“. Besucher erfahren, dass Augsburg unter der Herrschaft Maximilians boomte und die Stadt und der Kaiser voneinander profitierten. Aber auch Konflikte gab es, weiß Historikerin Katharina Dehner. Die 29-Jährige im roten Blazer ist als eine von vielen Kunstvermittlern im Einsatz und erzählt mit Begeisterung historische Anekdoten. Mehr Anekdoten gibt es in der Ausstellung, die Kunstvermittler sind bei den nächsten „Kaiserlichen Nächten“ am 27. Juli und 31. August wieder im Einsatz. Auch dann spart beim Eintritt, wer in Rot kommt, „und wenn’s nur ein Hütchen ist“, sagt Christina von Berlin mit einem Augenzwinkern. Wegen des Regens kamen am Samstag wenige Besucher, doch insgesamt haben laut der Projektkoordinatorin bereits mehr als 2500 Menschen die Ausstellung gesehen. Es laufe sehr gut.

Die Sonderschau „Maximilian I. (1459-1519) Kaiser. Ritter. Bürger zu Augsburg“ ist bis zum 15. September im Maximilianmuseum zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr.

Lesen Sie dazu auch: Zu Ehren Maximilians I.: Dem Kaiser, dem Ritter, dem Hallodri

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