Konzert

14.05.2013

Auf nach Wien

Das 21. Projekt „Mozart-Sinfonien“

Trennung von Salzburg, Abnabelung vom Vater – diese Stationen ließ das Leopold-Mozart-Kammerorchester unter Heinz Schwamm in Teil 21 des Projekts „Mozart Sinfonien“ anklingen. Im Kleinen Goldenen Saal war das Kapitel „Zu neuen Ufern – Wien“ vor allem ein Konzerterlebnis.

Rezitator Christoph Grube umrahmte die dramatische Zeit. Der Schatz der biografisch so unendlich wertvollen Mozart-Briefe lässt die Situationen bildstark vor Augen treten: von der drastisch erzählten Anreise („tat mir der Arsch weh“) im Anschluss an die Münchner „Idomeneo“-Premiere nach Wien 1781, wo ein Auftrag des Erzbischofs Colloredo wartete, über die spöttische Schilderungen der Salzburger Kollegen Brunetti (Violine) und Ceccarelli (Kastrat), den Rauswurf aus Salzburger Diensten durch Colloredo („Pursch, Lump, Lausbub“) samt Fußtritt von Colloredo-Intimus Graf Arco, bis zur harten Tour, mit der Mozart dem Vater seine Entscheidung für Wien beibrachte.

Das Konzert fasste eingangs noch einmal Fuß in Salzburg, mit der dort 1775 entstandenen Sinfonie KV 204: Heinz Schwamm kostete mit dem Orchester Effekte und genial integrierte Raffinements aus. Vibrierende Eingangsakkorde, die feinen Juchzer der Flöte im Andante, die wiederkehrenden kräftigen Unisono-Triolen, die das klingende Verzierungsgelichter immer wieder einzufangen scheinen. Noch prachtvoller in der vorangepeitschten Motorik, den jäh zurückgefahrenen filigranen Elementen ging die Haffner-Sinfonie KV 385 über die Bühne. Hier ließ Schwamm Reminiszenzen an die türkisch schmetternden Valeurs der eben in Wien entstandenen „Entführung“ anklingen. In Wien schuf Mozart bald auch Rezitativ und Arie „A questo seno deh vieni / Or che il cielo a me ti rende“. Sopranistin Cathrin Lange (Theater Augsburg) formte wunderschön diese Szene des „Lucio Silla“-Librettisten Gamerra mit all den dramatischen Wandlungen einer verzeihenden Liebe.

Neben der Frische und Farbigkeit des Schwamm’schen Orchesters war der Auftritt zweier Solisten in einem Stück von Mozarts Wiener Zeitgenossen Anton Wranitzky sensationell. Teresa Schwamm, ARD-Siegerin mit ihrem Armida-Quartett, und Manuel Hofer machten aus dem Konzert für zwei Bratschen ein kammermusikalisch-virtuoses Prunkstück – mit nahtlosen solistischen Verschlingungen, Noblesse der Romance, dem geradezu übermütigen Überspringen des Dreiertakts durch gerade metrische Verläufe. Stürmische Bravorufe.

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