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Augsburg

21.04.2017

Auflehnung gegen die schnöde Realität

In meist selbst geschneiderten farbenprächtigen Kostümen verkörpern die Teilnehmer beliebte Figuren aus Comics, Fantasy- oder Zeichentrickfilmen.
Bild: Thomas Hack

Massen von Comic- und Fantasyhelden bevölkerten den Wittelsbacher Park. Was sie zu ihrer ungewöhnlichen Freizeitbeschäftigung bewegt.  

Spaziergänger im Wittelsbacher Park werden sich gewundert haben, welch farbenfrohe Gestalten sich dort tummelten: Elfenwesen mit Hörnern auf den Häuptern, japanische Samuraikrieger mit blinkenden Schwertern, mittelalterliche Burgfräulein in wallenden Gewändern. Und dazwischen flanierten aufwendig gekleidete Zeitgenossen, die direkt einem Roman von Jules Verne oder aus H.G. Wells’ Zeitmaschine entstiegen zu sein schienen. Doch hier wurde nicht etwa ein Fantasyfilm gedreht, sondern es ging allein ums Sehen und Gesehenwerden.

Die Augsburger Fotografen, eine neue Interessengemeinschaft in der Fuggerstadt, hatte das erste sogenannte Cosplay-Treffen der Stadt organisiert. Und keineswegs nur Augsburger waren gekommen, wie Mitorganisator Robert Hagstotz berichtete: „Wir haben ein solches Treffen zum ersten Mal organisiert“, erzählte er mit einem zufriedenen Lächeln, „und der Zulauf ist enorm!“

In Fell gehüllte Schamanen

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Keine Übertreibung, wie man unschwer an den Nummernschildern auf dem Parkplatz erkennen konnte. Immer wieder erschienen neue Besuchergruppen, die zum Teil bis von München, Passau oder Regensburg angereist waren. Und zu bestaunen gab es wahrlich einiges: geheimnisvolle Feenwesen auf Pferdehufen, rosarote Plüschhäschen, in Fell gehüllte Schamanen mit leuchtenden Zauberstäben. Dass sich an einem lauschigen Schattenplätzchen die Filmheldin Lara Croft mit den lebendig gewordenen Zeichentrickfiguren Sakura und Sasori unterhielt, wunderte an diesem sonnigen Nachmittag bald niemanden mehr.

Eine der begeisterten Besucherinnen war Vanessa Engelhardt, die in einem selbstgeschneiderten Blütenkostüm reges Interesse der Fotografen auf sich zog: „Ich verkörpere Poison Ivy, eine Bösewichtin aus den Comics“, meinte sie souverän und erklärte, weshalb sie an diesen ganz besonderen Maskenbällen Gefallen findet: „Man kann seine Kreativität ausleben, dem tristen Alltag entfliehen und in ganz neue Welten eintauchen. Mittlerweile hab ich 80 Kostüme zu Hause.“

Ähnlich leidenschaftlich zeigte sich ihre düster gewandete Freundin Olga, im echten Leben Grafikerin: „Ich laufe auch privat so rum“, gestand sie grinsend, „es ist einfach die Verweigerung der schnöden Realität.“ Scherzhaft ergänzte sie: „Eine schwarze Fee muss halt nun mal keine Steuern zahlen.“ Ihr zufolge ist die Liebhabergemeinde größer als man denken mag. Sie ist über das Internet bestens vernetzt.

Neue Freunde gefunden

Die 45-jährige Besucherin Daniela Ziegler gesellte sich ungeniert zu den beiden Damen dazu und war ihrerseits als elegante Steampunkerin unterwegs, eine relativ junge Stilrichtung, die die Mode des viktorianischen Zeitalters mit den technischen Zukunftsvorstellungen des 19. Jahrhunderts verbindet. Schnell hat sie auf dem Treffen neue Freunde gefunden und Erfahrungen ausgetauscht.

Mitveranstalter Thorsten Strunz von den Augsburger Fotografen freute sich über die große Resonanz der Veranstaltung und würde das bunte Festival am liebsten fest in Augsburg etablieren. Doch dann müsste eine ausreichende Versorgung gewährleistet und ab einer bestimmten Besucherzahl ein Erste-Hilfe-Wagen bereitgestellt werden. Ein solcher war jedoch an jenem Nachmittag nicht nötig.

Neue Models für die Fotografen

So unterschiedlich die zahllosen Charaktere äußerlich auch gewesen sein mögen, herrschte eine rundum friedliche Atmosphäre unter den Teilnehmern. Die Fans knüpften neue Bekanntschaften, die Augsburger Fotografen fanden neue Models, und die Fantasie in den Köpfen wurde um farbenfrohe Facetten bereichert.

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