1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Aufruf 1916: „Heraus mit dem Golde!“

Augsburger Geschichten

12.04.2018

Aufruf 1916: „Heraus mit dem Golde!“

Copy%20of%20Goldablieferung_5.tif
4 Bilder
Im Januar 1918 kamen diese 50-Pfennig-Scheine (Bild: Vorder- und Rückseite) „made in Augsburg“ in den Umlauf, um dem Kleingeldmangel abzuhelfen.

Das klamme Kaiserreich schöpfte Edelmetalle aus der Schmuckschatulle ab. Augsburg musste Notgeld drucken.

Das ab 1914 kriegführende deutsche Kaiserreich benötigte dringend Gold. Mit diesem Edelmetall konnte es in neutralen Ländern Rohstoffe einkaufen, als die Deutsche Mark dort nicht mehr akzeptiert war. Um die Goldreserven der Reichsbank zu erhöhen, mussten bereits ab Juli 1914 Banken eingezahlte 10- und 20-Mark-Goldmünzen einbehalten. Das 20-Mark-Stück wiegt 7,96 Gramm und enthält 7,169 Gramm reines Gold. Die Goldstücke mit dem Porträt von Kaiser Wilhelm II. wurden ebenso eingeschmolzen wie die goldenen Zwanziger mit dem Konterfei von Bayern-König Ludwig III. Sie verschwanden aus dem Zahlungsverkehr, noch bevor die beiden Abgebildeten ihren Thron verloren.

Diese Goldquelle versiegte rasch, denn nach Kriegsbeginn hortete jedermann Gold und Silber. Damit wurde werthaltiges Hartgeld dem Geldkreislauf entzogen und die Reichsbank ging beim Goldeinzug leer aus. Die bayerische Regierung versuchte, mit verdeckten propagandistischen Mitteln an Goldmünzen zu kommen. Sie versandte im Dezember 1914 Schreiben an königlich-bayerische Amtsstellen, Lehrer und Pfarrer mit der Anweisung, bei der Bevölkerung an den Patriotismus zu appellieren und alle Schichten zur Herausgabe von Goldmünzen zu bewegen. Edelmetallmünzen konnten selbst in Postämtern gegen Papiergeld getauscht werden. Die deutsche Presse stellte sich ebenfalls in diesem Sinne in den „vaterländischen Dienst“.

Der Staat benötigte viel mehr als nur Münzgold

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Die Umtauschaufrufe „Goldmünzen gegen Papiergeld“ zeigten zwar Wirkung, doch der Staat benötigte viel mehr als nur Münzgold als international akzeptiertes Zahlungsmittel. Er hatte es deshalb nicht nur auf die Sparstrümpfe seiner Bürger abgesehen, sondern auch auf das Gold in Schmuckkassetten. Um an den Familienschmuck zu kommen, zog ab Juli 1916 die Regierung alle propagandistischen Register. Sie forderte: „Heraus mit dem Golde, dem Tand eiserner Zeit!“ und „Bringt Eure Gold- und Schmucksachen!“ So lauteten in Zeitungen und auf Plakaten die massiven Aufforderungen.

In Augsburg wurde eine Goldsammelstelle eingerichtet, dem ein „Ehrenausschuss“ vorstand. Den Goldwert der Schmuckstücke errechnete ein Goldschmied. Die Abgabe von Schmuck gegen Vergütung des reinen Goldwertes wurde mit einer Urkunde bestätigt. Darauf hieß es, der Einlieferer habe „den Goldschatz der Reichsbank und damit die finanzielle Wehrkraft unseres deutschen Vaterlandes gestärkt“. Als „Orden“ erhielt der Einlieferer eine Medaille in geschwärztem Eisenguss mit der Aufschrift „Gold gab ich zur Wehr, Eisen nahm ich zur Ehr“.

Auf der Gegenseite der Medaille bietet eine junge Frau ein Schmuckstück in halb knieender Haltung an. „In eiserner Zeit“ steht über der Darstellung. Nachdem Gold vom Volk „abgeschöpft“ war, forderte ab Dezember 1917 die Reichsbank zum Umtausch gehorteter Silbermünzen gegen Papiergeld auf. Der Silberpreis war auf dem Weltmarkt stark gestiegen, und das Deutsche Reich konnte mit Silberbarren in manchen Staaten noch Rohstoffe einkaufen!

50-Pfennig-Scheine waren in Bündeln zu 100 Stück erhältlich

Goldmünzen sowie kupfer- und nickelhaltiges Kleingeld wurden ab 1914 systematisch dem Zahlungsverkehr entzogen. Es mangelte bald auch an Ein-, Zwei- und Fünf-Mark-Scheinen, die die Reichsbank als Ersatz für eingezogene Silbermünzen drucken ließ. Deshalb beschloss am 24. Mai 1917 der Magistrat der Stadt Augsburg, Papier-Notgeld herzustellen. In der Bekanntmachung hieß es: „Um dem herrschenden großen Mangel an Kleingeld abzuhelfen und die dadurch hervorgetretenen Hemmungen im Münzumlaufe zu beseitigen, haben die städtischen Kollegien beschlossen, durch die J. P. Himmer’sche Buchdruckerei dahier 200000 Gutscheine zu je einer halben Mark herstellen zu lassen.“

Nur 45 mal 72 Millimeter groß seien die Gutscheine, „damit sie in jeder Geldbörse Platz finden können“. Das eingeprägte und aufgedruckte Stadtwappen weise sie als Zahlungsmittel im Wirtschaftsgebiet Augsburg aus. Darunter seien die „Nachbarorte Gersthofen, Göggingen und Haunstetten, dann die besonders belebten nächst gelegenen Ausflugsorte zu verstehen“. Gegen „normales“ Geld waren die 50-Pfennig-Scheine mit dem Ausgabedatum „1. Juni 1917“ in Bündeln zu 100 Stück in der Stadtkämmerei erhältlich. Die Gültigkeit der Erstauflage war zunächst bis 31. Dezember 1917 beschränkt. Bereits zum 1. Januar 1918 ließ die Stadt neue, nun größere und schönere 50-Pfennig-Gutscheine drucken. Die 67 mal 106 Millimeter großen Scheine tragen den Spruch „Steht unsre Mark im Kurs auch schlecht, das Mark im deutschen Arm ist echt.“

Die Kleingeldscheine „made in Augsburg“ waren noch im Umlauf, als die Stadt weitere „Gutscheine“ über fünf, zehn und zwanzig Mark drucken ließ. Als Ausgabedatum steht darauf der 15. Oktober 1918. Bis 1. Februar 1919 sollten sie gültig sein. Es kamen nicht alle „Gutscheine“ in Umlauf, denn es waren bald höhere Werte nötig. Die Inflation endete 1923 mit Milliardenscheinen. Das 1918 nicht mehr zur Ausgabe gekommene „Stadtgeld“ wurde mit dem Stempel „Nur für Sammler“ verkauft, um wenigstens die Druckkosten zu decken.

Frühere Folgen des Augsburg-Albums zum Nachlesen finden Sie im Online- Angebot unserer Zeitung unter www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-album

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Marina3
Adam sucht Eva 2018

Augsburgerin Marina lässt bei Adam sucht Eva 2018 die Hüllen fallen

ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket