Newsticker

Rekord bei Corona-Zahlen: 14.714 Neuinfektionen in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Auftauchen aus der Vergangenheit

Ausstellung

23.05.2015

Auftauchen aus der Vergangenheit

Martin Paulus in der Atelier-Galerie Oberländer vor seiner großformatigen Malerei „Kreuze über der Stadt“ (hier im Ausschnitt).
Bild: hks

Martin Paulus betreibt auch eine Art malerischer Wiederbelebung

Es liegt wie Pulverdampf auf der Leinwand. Vorder- und Hintergrund verschwimmen und dazwischen auch die sechs Soldaten mit ihrem Feldgeschütz. Der Erste Weltkrieg lässt grüßen – mit einer Feldpostkarte, die Martin Paulus tropfnass einem fotografischen Fixierbad entnommen haben könnte. Der 53-jährige Künstler zitiert in einem Text Cioran mit dem Satz „Alle Gewässer haben die Farbe des Ertrinkens“ und erkennt darin „vielleicht eine Erklärung, warum meine Bilder aquatisch und dunkel sind. Sie möchten Orte des Auftauchens aus der Vergangenheit sein.“

Diese Selbstaussage erleichtert den Zugang zu den 55 Bildern, Zeichnungen und Objekten in der Galerie Oberländer. Aus der Vergangenheit taucht bei Paulus eine Realität auf, die, „fotomechanisch in tausendstel Sekunden dem Kosmos der Zeit entrissen“, durch ihn malerisch wiederbelebt werde. Das kann ein „Paar im Schnee“ sein, das können zwei Männer bei der „Messung des Windes“ sein, und das kann und muss bei Paulus und seinem Engagement für Geschichtsaufklärung diese Geschichte selbst sein. Dafür steht auch die 2011 mit dem Ellinor-Holland-Preis geehrte Arbeit „Vor den Toren einer Stadt“, eine dreiteilige Mischtechnik, kombiniert mit zwei bemalten Holzkästchen.

Wieder liegt Fotomaterial zugrunde. Bei der Mischtechnik ist es eine anonyme Aufnahme aus den frühen 1930er Jahren; sie zeigt das Landsberger Bayertor mit der Aufschrift „Juden sind hier unerwünscht“. Bei den Holzkästchen ist es das bekannte Foto von Hitler mit Auto vor nämlichem Bayertor. Heinrich Hoffmann hat es gemacht, als der Putschist Hitler 1924 seine Landsberger Festungshaft vorzeitig verlassen konnte. Bei dem Landsberger Paulus setzt das kombinatorische Kräfte frei. So benutzt er für „Vor den Toren“ Papiere aus Leitz-Monatsregistern, um auf Bürokratie als Instrument von Staatsterror und Vernichtung zu verweisen. Seine vierfach gestaffelte Malerei „Kreuze über der Stadt“ benennt unheilvoll das Turmkreuz der Landsberger Stadtpfarrkirche und das Hakenkreuz auf dem Zeppelin daneben.

Das Luftschiff erweist sich als ein Zentralmotiv von Martin Paulus. Mit ihm überwölbte er 2010 seine poetische Familienbiografie, mit ihm füllte er 2013 das Stadtmuseum Landsberg. Der Titel für Kunstbuch wie Ausstellung: „Silber am Himmel“. Auch in der Galerie Oberländer vermittelt das Luftschiff in fast jedem dritten Exponat einen Eindruck von Transzendenz. Nicht viel anders verhält es sich mit dem Wasserschiff, sei es „Dampfer in blauer Nacht“, „Grüner Kahn“ oder „Fernes Schiff“.

Reisen, unterwegs sein zwischen Damals und Heute und dem Horizont der Zukunft, unterwegs in Schiffen zu Luft und zu Wasser, unterwegs auch in Gemälden als „wundersamen Transportmitteln“. So ungefähr umschreibt Paulus die gedankliche Grundierung dieser Bilder. In ihrem meist fahlen Licht ist das eindrucksvoll nachzuvollziehen.

in der Galerie Oberländer (Färbergäßchen 5, Nähe Königsplatz) bis 26. Juni, Mi, Do, Fr 16-19 Uhr.

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren