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Corona-Krise

01.04.2020

Augsburg: 3500 Betriebe wollen wegen Corona in Kurzarbeit

Viele Firmen in Augsburg wollen Kurzarbeit beantragen.
Bild: Daniel Schvarcz, Magnet-Schultz (Symbol)

Plus Wegen der Corona-Krise wollen Unternehmen aus nahezu allen Branchen in Kurzarbeit. Wie viele Beschäftigte betroffen sein werden, ist bislang noch nicht bekannt.

Die Wucht der Kurzarbeit aufgrund der Coronakrise trifft den Wirtschaftsraum Augsburg massiv: Wie es am Dienstag vonseiten der zuständigen Agentur für Arbeit hieß, sind mittlerweile 3500 Anzeigen von heimischen Betrieben eingegangen. Sie alle wollen in Kurzarbeit. Es betrifft kleine Firmen und große Unternehmen, sagte Elsa Koller-Knedlik, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit in Augsburg, gegenüber unserer Redaktion am Dienstag.

Wie viele Mitarbeiter von Kurzarbeit betroffen sind, lässt sich derzeit noch nicht beziffern. Das hängt damit zusammen, dass sehr viele Firmen Kurzarbeit für 1. April angemeldet haben. Der Beginn der Kurzarbeit muss aber nicht zwingend auf einen Monatsbeginn fallen. Daher werde erst die April-Statistik belastbares Zahlenmaterial ausweisen, sagt Elsa Koller-Knedlik. Für den Monat März nennt die Agentur derzeit keine Kurzarbeiterzahlen. "Stichtag für die jetzige Statistik war der 12. März. Da würden diese Zahlen in der jetzigen Phase nur irritieren", so Elsa Koller-Knedlik.

Augsburg: Welche Firmen Kurzarbeit angemeldet haben, ist nicht bekannt

Welche Firmen Kurzarbeit angemeldet haben, wird von der Agentur nicht bekannt gegeben. "Das hat mit Diskretion zu tun", erläutert die Agenturchefin die Hintergründe. Es sei zudem zu berücksichtigen, dass Unternehmen, die in Kurzarbeit sind, teils sehr unterschiedliche Modelle anwenden. Es müssen nicht sämtliche Unternehmensbereiche davon betroffen sein. Dass einzelne Firmen trotz fehlender Aufträge keine Kurzarbeit angemeldet haben, hängt teils damit zusammen, dass zuvor Überstunden der Belegschaft abgebaut werden müssen. Teils kommen nun Arbeitszeitkonten, die in Firmen in unterschiedlicher Form geführt werden, zum Zug.

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Von Kurzarbeit sind im Wirtschaftsraum Augsburg nahezu alle Branchen betroffen. Die Liste derjenigen Branchen, die gegenwärtig noch mit Arbeit ausgelastet sind, ist wesentlich kürzer. Dazu zählen laut Koller-Knedlik der Gesundheitsbereich, der Onlinehandel, die Logistik und Firmen aus dem Lebensmittelbereich. Lieferdienste, die in erster Linie gastronomische Angebote zum Kunden bringen, boomen gerade ebenfalls.

 

Elsa Koller-Knedlik weiß um die großen Herausforderungen, vor denen jetzt viele Unternehmen stehen. Sie sehe darüber hinaus die Sorge der Beschäftigten wegen der Zukunft ihres Arbeitsplatzes. Sie sagt: "Natürlich sind wir besorgt, dass sich die Krise auch irgendwann auf dem Arbeitsmarkt niederschlägt, aber uns macht die Kreativität der Firmen Hoffnung." Die Chefin der Arbeitsagentur nennt Beispiele: Viele Betriebe gehen gegenwärtig dazu über, ihre Waren auszuliefern. Sie telefonieren ihren Kundenstamm ab und fragen nach Aufträgen – oder sie verkaufen Gutscheine, die später eingelöst werden können, wenn es wieder "normal" läuft.

Corona-Krise führt auch bei Augsburger Firmen zu finanzieller Not

Die finanzielle Not der Firmen führte jedenfalls zu einer großen Nachfrage nach Kurzarbeit. Darauf hat die Agentur für Arbeit reagiert. Das Personal für diesen Bereich wurde entsprechend aufgestockt. Interne Schulungen in der Behörde sollen dafür sorgen, dass kurzfristig weitere Mitarbeiter für das Aufgabenfeld Kurzarbeit gewonnen werden, heißt es. Wie groß der Informationsbedarf von Unternehmen ist, zeigt eine Zahl, die Elsa Koller-Knedlik ebenfalls parat hat: Allein am Montag gab es bei der telefonischen Hotline der Agentur in Augsburg 500 Anrufe von Firmen. Nicht jeder Anruf führe jedoch umgehend in die Kurzarbeit, heißt es weiter. Beratung gibt es nicht nur telefonisch. Nicht zum ersten Mal verweist die Geschäftsführerin der Arbeitsagentur auf die Informationen, die auch online zur Verfügung gestellt werden.

Bei der Dramatik, die die Entwicklung der Kurzarbeit gewinnt, gehen die Zahlen vom regionalen Arbeitsmarkt nahezu unter. Dabei gab es im März sogar wieder eine leichte Belebung im Wirtschaftsraum. Die Arbeitslosenquote steht jetzt bei 3,6 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen lag bei etwas mehr als 14.000 Erwerbslosen. Dies waren 175 Personen weniger als im Februar. Allerdings lag die Zahl der Arbeitslosen im März 2020 um 850 Personen höher als im März 2019. Diesen Zahlen dokumentieren, wie es aus der Behörde heißt, dass sich ein wirtschaftlicher Abschwung bereits vor der Coronakrise abgezeichnet habe.

Die Arbeitslosenzahlen im März für Augsburg und Umgebung:

  • Stadt Augsburg: Es gab 8800 Arbeitslose, die Quote stieg hier auf 5,3 Prozent.
  • Kreis Augsburg: Hier wurden etwas mehr als 3500 Erwerbslose registriert. Die Quote steht bei 2,5 Prozent. Sie sank gegenüber Februar.
  • Kreis Aichach-Friedberg: Hier sank die Arbeitslosenquote ebenfalls. Sie steht jetzt bei 2,2 Prozent. 1670 Erwerbslose tauchen in dieser März-Statistik auf.

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