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Augsburg
17.11.2020

Corona-Wirrwarr: Stadt Augsburg will verärgerte Kita-Mitarbeiter ins Boot holen

Der Unmut über städtische und staatliche Verordnungen ist in Augsburger Kitas weiterhin groß.
Foto: Silvio Wyszengrad (Symbolbild)

Augsburgs Bildungsbürgermeisterin Martina Wild kann den Unmut der Kitas über ständig wechselnde Corona-Vorgaben verstehen. So sollen die Wogen geglättet werden.

Bei der Gewerkschaft Verdi häufen sich derzeit Anfragen und Beschwerden ihrer Mitglieder über deren Arbeitsbedingungen in den städtischen Kitas, sagt Aline Gottschalk, die bei Verdi für den Sozial- und Erziehungsdienst zuständig ist. So wären die Vorgaben der Stadt oft nicht ausreichend durchdacht und trügen zwar den vermeintlichen Bedürfnissen der Eltern Rechnung, nicht aber denen der Beschäftigten. "Die Stadt Augsburg hat für einen Großteil ihrer Mitarbeiter eine gute Covid-Strategie gefunden, aber die Fürsorgepflicht als Arbeitgeber endet anscheinend vor den Türen der Kindertagesstätten", prangert Aline Gottschalk in einer Mitteilung an.

Kita-Mitarbeiter wären dem Infektionsrisiko ausgesetzt

Schon die Entscheidung, dass Kinder unabhängig von der Infektionslage mit leichtem Schnupfen und gelegentlichem Husten - allerdings ohne Fieber - die Kita besuchen dürfen, ohne ein ärztliches Attest oder einen negativen Corona-Test vorzulegen, stieß auf Entrüstung. Die Gewerkschaft Verdi kritisiert, dass durch die Personalknappheit in den Einrichtungen Mitarbeiter nicht geschützt würden und dem Infektionsrisiko voll ausgesetzt seien. Sie nimmt aber auch die Eltern in die Pflicht. "Es sollte auch dem Interesse der Eltern entsprechen, die Beschäftigten nicht nur im Moment, sondern auch auf mittel- und langfristige Sicht arbeitsfähig zu halten", so Aline Gottschalk.

 

Stadt Augsburg versucht, so schnell wie möglich zu kommunizieren

Bildungsbürgermeisterin Martina Wild (Grüne) betont, dass die Corona-Pandemie es im Bereich der Kitas und Schulen immer wieder erforderlich mache, flexibel auf neue Entwicklungen und auf das Infektionsgeschehen vor Ort zu reagieren. "Dass es bei den vielen, von unterschiedlichen politischen Ebenen herausgegebenen Schreiben zu Verwirrung und dadurch auch zu Verärgerung kommen kann, ist durchaus nachvollziehbar", sagt sie. Umso wichtiger sei es, bei städtischen Angelegenheiten transparent und so schnell als für die Stadt möglich zu kommunizieren. Änderungen würden auf verschiedenen Wegen kommuniziert, etwa über die städtische Homepage, mit Schreiben und Hilfestellungen des Amtes für Kindertagesbetreuung an sämtliche Einrichtungen sowie an Tagespflegepersonen, durch die Kita-Hotline oder über den Runden Tisch "Corona und Kita". Wild: "Unser Ziel ist es, dass unsere Kinder so lange wie möglich in die Kita gehen können und gleichzeitig Kinder wie Mitarbeiter bestmöglich vor einer Ansteckung geschützt sind."

 

Nicht alle Änderungen kommen allerdings beim Personal der Kitas gut an. Die Änderung für Erzieher, die der Freistaat am Freitag mitteilte, wonach Kita-Mitarbeiter nun bei leichten Krankheitssymptomen zu Hause bleiben müssen und 24 Stunden abwarten sollen, ob Fieber auftritt, rief etliche Augsburger Erzieher auf den Plan, die sich über die Praktikabilität dieser Anordnung beschwerten. Schließlich müssen die Erzieher auch ein ärztliches Attest oder einen negativen Corona-Test vorweisen, wenn sie wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren. Die Mitarbeiter der Einrichtungen befürchten nun, dass Kitas so zeitweise schließen müssten, da sich aufgrund der Regelung die Personalsituation erschweren und eine Betreuung unmöglich machen würde.

Kommunikationsleitfaden soll erklären, wie der Betrieb weitergeht

Die Stadt Augsburg habe basierend auf dem vom Sozialministerium neu erschienen Rahmenhygieneplan einen Kommunikationsleitfaden herausgegeben, wie der Betrieb in den städtischen Kitas in der nächsten Zeit aufrechterhalten werden soll. Darin wird auch erklärt, warum es eine Diskrepanz zwischen den Bestimmungen des Ministeriums und den städtischen Vorgaben gibt. "Ziel ist es auch hier, mit Blick auf das Augsburger Infektionsgeschehen, Kitas weiterhin geöffnet zu halten und für Kinder wie Mitarbeiter Infektionsschutzmaßnahmen konsequent umzusetzen", so Wild.

Durch Quarantäneanweisungen komme es zu Engpässen, auch beim Personal. Wild: "Im Fall des Falles kann dies dazu führen, dass Öffnungszeiten eingeschränkt werden oder auch Eltern gebeten werden müssen, ihre Kinder ausnahmsweise zu Hause zu lassen." Um Engpässen vorzubauen und Kinder und Mitarbeiter zu schützen, wurden in den städtischen Kitas bereits im Oktober die Öffnungszeiten auf 8 bis 16 Uhr reduziert und damit den Früh- und Spätdienst eingeschränkt. Dies sei auch den anderen Trägern empfohlen worden. Beim nächsten Treffen des Runden Tisches am Mittwoch soll es erneut um die Belange der Kitas gehen.

So oder so würde es Aline Gottschalk von Verdi begrüßen, wenn die Stadt ein "ordentliches Gesamtkonzept" vorlege, das auch dem Gesundheitsschutz der Beschäftigten in den Kitas Rechnung trage, dieses mit den Personalvertretungen abgesprochen und rechtzeitig vor Einführung den Einrichtung vorgelegt würde.

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