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Augsburg
30.08.2019

Die Uniklinik Augsburg soll weiter wachsen

Die Uniklinik ist baulich gewachsen: Hinter dem 35 Jahre alten sanierungsbedürftigen Hauptgebäude steht die neue Kinderklinik, das weiße Gebäude vorne ist der Anbau-West, der 2021 voll in Betrieb gehen soll. Das Foto zeigt den Stand vom vergangenen Mai.
Foto: Ulrich Wagner

Zuletzt wurden pro Jahr rund 71.000 Patienten stationär behandelt. Diese Zahlen sollen nach oben gehen. Verbesserungen im Pflegesektor hätten die nötige Luft geschaffen.

Die Uniklinik ist seit Jahren eine Dauerbaustelle – am 35 Jahre alten Koloss an der Grenze zwischen Augsburg und Neusäß wird auf der Westseite aktuell ein Anbau von der Größe eines Kreiskrankenhauses hochgezogen, der 2021 voll in Betrieb gehen soll. Und auch sonst will das Krankenhaus auf Wachstumskurs gehen. In den kommenden Jahren sollen mehr ambulante und stationäre Patienten behandelt werden. Aktuell werde ein "medizinisches Zukunftskonzept" erstellt, das aufzeigen soll, wie die Zahl der Patienten gesteigert werden kann, so Michael Bungarten, der seit 1. Juni als Nachfolger von Alexander Schmidtke kaufmännischer Direktor der Uniklinik ist.

"Das Haus hat Potenzial für Wachstum", sagt Bungarten, 52, der vorher an der Würzburger Uniklinik das Controlling leitete. In den vergangenen Jahren sei die Zahl der stationären Patienten am Klinikum, das zum Jahreswechsel vom kommunalen Haus zur staatlichen Uniklinik wurde, gesunken. Zuletzt wurden 71.000 Patienten pro Jahr stationär im Klinikum behandelt.

M. Bungarten
Foto: C. Kölle

Uniklinik Augsburg: Es soll mehr Patienten mit höherem Schweregrad geben

Man wolle in den kommenden Jahren versuchen, mehr Patienten mit höherem Schweregrad zu gewinnen. Dafür sei man als Uniklinik schließlich da. "Aus Schwaben gehen viele Patienten nach München oder Ulm zu den dortigen Kliniken der Maximalversorgung, obwohl wir dasselbe Spektrum bieten", so Bungarten. Dazu soll der Dialog mit niedergelassenen Ärzten und anderen Krankenhäusern in der Region verstärkt werden.

Überlegungen in diese Richtung hatte auch Bungartens Vorgänger Schmidtke vor drei Jahren angestellt – und musste zurückrudern, als es Widerspruch aus der Politik gab und Unruhe im Haus entstand. Schmidtke war allerdings noch weitergegangen und hatte – womöglich etwas missverständlich – laut darüber nachgedacht, im Rahmen einer "Gesundheitsdrehscheibe" mittelfristig einfachere Eingriffe wie Blinddarmoperationen verstärkt an umliegende Kreiskrankenhäuser und die beiden Augsburger Belegkrankenhäuser abzugeben.

Allerdings wäre dies schwierig geworden, weil in der Ausbildung von Ärzten solche Standardbehandlungen zwingend vorkommen müssen. Zudem hätte es für viele Patienten auch längere Wege bedeutet. Kurz vor dem Trägerwechsel hatte auch die Pro-Augsburg-Fraktion im Augsburger Stadtrat befürchtet, dass die Grund- und Regelversorgung in Augsburg künftig zu kurz kommen könnte, wenn das Klinikum – das einzige Haus mit einer 24-Stunden-Notaufnahme für alle Krankheitsbilder in Augsburg – zur Uniklinik wird. In vielen anderen Städten mit Uniklinik gibt es noch Häuser in kommunaler oder freier Trägerschaft, die in der Grund- und Regelversorgung tätig sind. In Augsburg schlossen Stadt und Landkreis Augsburg mit dem Freistaat hingegen eine Vereinbarung, dass die Uniklinik die Grundversorgung abdecken soll.

Die Hälfte der Uniklinik-Patienten kommt über die Notaufnahme

Bungarten winkt bei der Befürchtung, dass in der Uniklinik künftig kein Platz mehr für Patienten mit einfacheren Leiden ist, ab. Es stehe außer Frage, dass die Uniklinik weiterhin alle Patienten behandeln werde. Das sei schon allein deshalb notwendig, weil für Forschung und Lehre das gesamte Spektrum an Erkrankungen – von einfachen bis schweren Fällen – nötig ist. Zudem komme die Hälfte der stationären Patienten über die Notaufnahme und sei somit kaum steuerbar.

Mehr Patienten auf den Stationen und in den Ambulanzen der einzelnen Kliniken werden aber auch mit einer Arbeitsverdichtung fürs Personal einhergehen. Das Thema sorgte in den vergangenen Jahren im Zuge diverser Restrukturierungs- und Sparmaßnahmen für Unruhe in der Belegschaft. Einsparungspläne, die es vor Jahren für den ärztlichen Dienst gab, sind in der Schublade verschwunden. Die Losung "Kosteneinsparung ist nicht der richtige Weg" gab zuletzt auch der ärztliche Direktor und Vorstandschef der Uniklinik, Prof. Michael Beyer, aus.

Man schaue grundsätzlich nach Einsparmöglichkeiten, sagt Bungarten, aber Vorrang habe, die Auslastung vorhandener Kapazitäten zu erhöhen. "Um die wirtschaftliche Logik hinter dieser Strategie besser nachvollziehen zu können, lohnt sich der Blick auf Unternehmen, die ebenfalls hochkomplexe Dienstleistungen anbieten. Beispielsweise verfolgt auch eine Fluglinie das gleiche Ziel – sie versucht, die Maschinen, die ohnehin fliegen, möglichst gut auszulasten. Auch wir haben Kapazitäten, die wir ohnehin vorhalten müssen und die noch nicht voll genutzt werden", so Bungarten.

Für kommendes Jahr wird ein kleines Plus erwartet

Vor der Übernahme hatte sich der Freistaat ausbedungen, ein Haus zu bekommen, das eine "schwarze Null" erwirtschaftet. Diese Erwartung besteht weiterhin. Im vergangenen Jahr stand ein Plus von vier Millionen Euro im Jahresabschluss (bei etwa 400 Millionen Euro Umsatz), auch für das laufende Jahr wird ein kleines Plus erwartet.

Beim Thema Arbeitsbelastung verweist Bungarten auf Gegenmaßnahmen des Hauses und die Vereinbarung mit Verdi, die nach Pflegewarnstreiks vergangenes Jahr zustande kam. "Die Arbeitsbedingungen in der Pflege haben sich zuletzt deutlich verbessert", sagt Bungarten. Die Botschaft ist auch von Schwestern und Pflegern selbst zu hören. Die Einigung sieht unter anderem Regelbesetzungen auf Stationen und die Einstellung 100 zusätzlicher Pflegekräfte vor.

Eine große Herausforderung werde es, künftig Personal zu gewinnen. Dies gelte besonders für den Pflegebereich. Allerdings sollen auch im Technik- und Verwaltungsbereich ab 2020 mehr Ausbildungsplätze geschaffen werden. Zudem sei es in einzelnen Disziplinen schwierig geworden, ausreichend Ärzte zu gewinnen. Dass in Augsburg ab Herbst Studenten Medizin studieren, könne Abhilfe schaffen. "Die Uniklinik bringt unserem Haus viele Vorteile, aber man braucht einen langen Atem, bis sie alle sichtbar werden."

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