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Kriminalität

07.04.2018

Augsburg: Einbrecher schlagen deutlich seltener zu

Oft genügt es zum Abschrecken von Einbrechern, die Tipps der Polizei zu befolgen. Sicherheitstechnik wie Rollläden, die sich nicht einfach hochschieben lassen, erschweren zum Beispiel den Weg ins Haus.

Die Zahl der Delikte ist in der Region im Vergleich zu 2015 um mehr als die Hälfte gesunken. Diese Entwicklung führt die Polizei nicht nur auf eine neue Organisation zurück.

Der Mann für die Türschlösser muss lange ins Gefängnis. Zu sechs Jahren Haft hat die 3. Strafkammer des Augsburger Landgerichtes kürzlich Marian P. verurteilt, einen 29-jährigen Rumänen, der als Experte galt, wenn es darum ging, Türen mit Spezialwerkzeugen zu knacken. Ein Serieneinbrecher, der für mehrere Taten in der Region verantwortlich war.

Drei seiner Landsleute waren bereits 2017 verurteilt worden, teils ebenfalls zu mehrjährigen Haftstrafe. Es ging insgesamt um rund 20 Wohnungen im Stadtgebiet und in Königsbrunn, die zwischen April und September 2016 ausgeräumt worden waren. Die Täter hatten unter anderem Schmuck, Uhren, Münzen und Bargeld im Wert von über 70000 erbeutet.

In der Vergangenheit war die Zahl solcher Delikte in der Region stark gestiegen. 641 dieser Einbrüche verzeichnete die Polizei etwa 2015 im gesamten Gebiet des Polizeipräsidiums, zu dem neben der Region Augsburg auch die Landkreise Dillingen und Donau-Ries gehören. Eine hohe Zahl, hinter der vielfach auch menschliches Leid von den Opfern stand.

Wer sich die aktuelle Statistik der Polizei anschaut, sieht allerdings einen erstaunlich Wert: 332 „Wohnungseinbruchdiebstähle“ gab es hier im Jahr 2017. Gegenüber 2015 hat sich die Anzahl dieser Straftaten also nahezu halbiert. In der Region Augsburg ist der Rückgang sogar noch deutlicher: In Augsburg stehen 228 dieser Delikte in 2015 nur 105 im vergangenen Jahr gegenüber. Im Landkreis Augsburg sind es statt 225 solcher Einbrüche in 2015 lediglich 92 in 2017. Und im Kreis Aichach-Friedberg, wo die Täter 2015 noch in 104 Fällen in Wohnungen einsteigen wollten, um etwas zu stehlen, gab es im vergangenen Jahr noch 55 solcher Fälle.

Der Gesamtwert im Gebiet des Präsidiums ist der niedrigste in sieben Jahren. Eine Entwicklung, die die Polizei unter anderem darauf zurückführt, dass sie die Ermittlungsarbeit bei Wohnungseinbrüchen anders organisiert hat. Einbrüche im Raum Augsburg werden inzwischen zentral von der Kriminalpolizei untersucht; seit Oktober 2015 ist hier eine spezielle Arbeitsgruppe angegliedert. Man habe dadurch eine „breitere Sicht auf einzelne Delikte“, sagt Andreas Rohrmair, stellvertretender Leiter der Augsburger Kripo. Man könne auf diesem Wege Einbruchsserien leichter erkennen.

Zudem habe man einige „Bezugspersonen“ der Täter ermitteln können. Und damit Unterschlüpfe, die den Einbrechern nun nicht mehr zur Verfügung stehen.

Oft stehen nach Erkenntnissen der Ermittler Gruppierungen aus Osteuropa hinter ganzen Reihen von Delikten: 19 Wohnungseinbrüche im südlichen Landkreis Augsburg sowie im Raum Dachau etwa, die von der Polizei Männern aus Moldawien zugeordnet werden; zwei Albaner, die 2016 und 2017 möglicherweise für insgesamt 15 Wohnungseinbrüche in der Region verantwortlich sind. Dazu die Rumänen um den „Türschlossexperten“ Marian P., die im Laufe der vergangenen Monate bereits verurteilt wurden. Ein Drittel der ermittelten Täter seien Deutsche, ansonsten stammten sie aus insgesamt 28 Nationen mit Schwerpunkt Osteuropa, sagt Andreas Rohrmair.

Trotz der neuen Organisationsstruktur blieben die Ermittlungen Puzzlearbeit, sagt Rohrmair, zudem erforderten sie oft die Unterstützung von Behörden im Ausland. Das klappe mit einigen Ländern gut, zum Beispiel mit Rumänien. Die Zusammenarbeit etwa mit türkischen Behörden hingegen ist für deutsche Beamte derzeit schwierig, nicht nur, wenn es um mögliche Einbrecher oder Hintermänner geht. Rohrmair sieht auch noch einen anderen Punkt, der für die Entwicklung eine Rolle spielen dürfte: Einbrecher haben es offenbar in der Region tendenziell schwerer als früher, weil Häuser und Wohnungen besser gesichert sind. 2017 scheiterten die Einbrecher im Bereich des Präsidiums in 50 Prozent der Fälle. Andreas Rohrmair sagt, bei der Polizei bemerke man auch ein großes Interesse an dem Thema Prävention.

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