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Augsburg
14.10.2021

Gräfin und Künstler veröffentlichen veganes Kochbuch "Magic Food"

Besuch bei Franziska Gräfin Fugger von Babenhausen und ihrem Mann dem Künstler Mauro Bergonzoli wegen ihres neuen veganen Kochbuchs.
Foto: Silvio Wyszengrad

Plus Franziska Gräfin Fugger von Babenhausen und ihr Mann, der Künstler Mauro Bergonzoli, haben ihre Ernährung umgestellt. Daraus ist ein besonderes Projekt geworden.

Im Atelier von Mauro Bergonzoli geht es treppauf und treppab – vorbei an Werken mit Wasserlilien, die an Monet erinnern, die aber einen kräftigeren Anstrich haben. Es geht vorbei an detailreichen Ansichten aus Venedig und an kleinen und großen knuffigen Hasen – seine Magic Bunnies – die als Bild, Skulpturen oder Installation im Atelier zu finden sind und teils auch in die Werke des Künstlers integriert sind. Der Maestro bleibt mit seiner Muse, Franziska Gräfin Fugger von Babenhausen, vor einem Arrangement kleinformatiger Bilder stehen. Jedes zeigt eine andere Sorte Obst oder Gemüse – Kartoffeln oder Reis, eine Nuss oder ein Gewürz. 88 sind es, Bergonzoli hat sie mit kräftigen Farben auf schwarzem Grund geschaffen – zum Reinbeißen schön. Aprikosen, Brokkoli, Salbei oder Zimt sind für Gräfin Fugger von Babenhausen "die Stars". Sie hat sie in ihrem gemeinsamen Kunst-Kochbuch "Magic Food" verarbeitet. Darin stellt das Paar 77 vegane Rezepte vor. Warum sie sich samt ihrer beiden Töchter Blue Aurora und Victoria Gunilla seit einigen Jahren vollkommen ohne tierische Produkte ernähren, hat natürlich Grund. Und der entbehrt nicht einer gewissen Dramatik.

Nach dem Krankenhausaufenthalt stellt die Familie ihre Ernährung um

2016 kommt der gebürtige Italiener Bergonzoli mit einer schweren koronaren Herzerkrankung in die Notaufnahme eines Münchner Krankenhauses. Ihm werden zwei lebensrettende Stents gesetzt - zusätzlich werden ihm eine Vielzahl von Medikamenten verschrieben, die sein Leben retten, ihm aber auch zusetzen. Seine Magic Contessa ist beunruhigt ob seiner körperlichen Verfassung. Nach Rücksprache mit seinen Ärzten wagen sie einen radikalen Schritt: Sie essen kein Fleisch und keinen Fisch mehr. "Milchprodukte hatten wir sowieso nicht verwendet, weil mein Mann dagegen allergisch ist."

Künstler Mauro Bergonzoli und einer seiner Szenen aus Venedig. Seine Werke werden im Februar im Schaezlerpalais ausgestellt.
Foto: Silvio Wyszengrad

Die Kunstexpertin, die an der Georgetown University in Washington D.C. Kunstgeschichte, Italienisch und Spanisch studierte, bewies deshalb in den vergangenen Jahren in der Küche ohnehin Kreativität. "Anstatt Milch und Rahm verwenden wir beispielsweise Kokosmilch. Statt Butter kommen unter anderem Olivenöl, Avocado oder Hummus aufs Brot", erzählt sie. Und der Pfannkuchenteig wird dank der Zugabe einer reifen Banane geschmeidig und benötigt so keine Eier mehr. Möglichkeiten gebe es viele, Franziska Gräfin Fugger von Babenhausen hält sich selbst nicht so gerne an Rezepte, sondern probiert immer wieder etwas Neues aus. Sehr zur Freude ihrer Familie und vor allem ihres Maestros, der seit der Ernährungsumstellung gute Blutwerte hat und auf alle Medikamente verzichten kann.

Das Power-Paar lernt sich vor 13-Jahren in Buenos Aires kennen

Die Gräfin und er lernten sich vor 13 Jahren in Buenos Aires in Argentinien kennen. Davon erzählt sie auch in ihrem Buch: "Die magische Reise in unsere Welt der puren Passion, Kunst des Lebens und der Liebe füreinander beginnt." Magie ist ein Wort, das das Power-Paar, das in Tiefenried, einem Ortsteil der Marktgemeinde Kirchheim in Schwaben im Landkreis Unterallgäu wohnt, oft verwendet. Es ist zu einem Begleiter geworden. In den vergangenen Jahren kümmerte sich die 42-Jährige um Bergonzolis Ausstellungen, Termine und Kunstkataloge. Gemeinsam organisieren sie Konzerte und andere Events, versprühen auf gesellschaftlichen Anlässen ihre Herzlichkeit. "Ich kümmere mich um die Kunst", sagt Mauro Bergonzoli auf Englisch und lacht verschmitzt.

In ihrer Familie wird in ein Mix aus Deutsch, Englisch und Italienisch gesprochen. Bergonzoli stammt aus Mailand. Seine akkurate Linienführung lernte er bereits als junger Bub von seinem Vater, der als Graveur arbeitete. Schon bald malte der heute 56-Jährige, der schließlich von seinen Eltern auf die Kunstschule geschickt wurde. Der Künstler arbeitete viele Jahre auch in der Werbebranche, drehte etwa Werbefilme für Ferrero, bevor er sich ausschließlich seiner Kunst widmete. Er stellte im Museo del Tigre in Buenos Aires aus, wo sich das Paar kennenlernte, genauso wie auf der Art Basel in Hongkong und im Bayerischen Nationalmuseum in München. Ab kommenden Februar wird eine Ausstellung seiner Werke auch zwei Monate lang im Schaezlerpalais in Augsburg für die Öffentlichkeit zu sehen sein.

Wie viele Deutsche ernähren sich vegetarisch/vegan?

Die Zahl der Vegetarier und Veganer in Deutschland steigt. Täglich kommen demnach laut Schätzungen etwa 2000 Vegetarier sowie 200 Veganer hinzu. Derzeit ernährt sich rund eine Million vegan.

Schon vor Jahren planten die beiden ein gemeinsames Kochbuch. Doch zur Umsetzung kam es zunächst nicht. Es gab so viele andere Projekte. Dann kam Corona, Kundentermine, Ausstellungen und Events wurden reihenweise abgesagt. "Wir wollten die freie Zeit sinnvoll nutzen", sagt die 42-Jährige, die aus einer der drei noch existierenden Linien der Fuggerfamilie stammt. Verschiedene Rezepte hatte Franziska Gräfin Fugger von Babenhausen schon zuvor aufgeschrieben, weil sie immer wieder von Freunden und Familienmitgliedern danach gefragt wurde. Suppen und Salate, Pasta, Risotto und Gemüsegerichte finden sich in dem Buch nun genauso wieder wie Speisen für Frühstück und Brunch, Kuchen und Eiscreme.

Die Gräfin ließ sich von ihren "Stars" inspirieren, den 88 Zutaten, die ihr Mann einzeln gemalt hat. Mal ist es Rosenkohl, mal Aubergine oder ein Blumenkohl, den sie so in den Mittelpunkt stellt. Ein Braten wird auch an Sonn- und Feiertagen nicht vermisst. "Da gibt es bei uns etwa einen geschmolzenen Blumenkohl aus dem Ofen oder unsere magische Lasagne." Die basiert freilich nicht auf einer Bolognese-Soße, sondern enthält neben unter anderem Fenchel, Spinat und Pinienkernen auch einige Schöpfer Linsensuppe. "Wenn es meinen Kindern schmeckt, dann koche ich es immer wieder und schreibe die Zutaten auf", sagt sie.

Das Buch ist für sie der Beweis, dass vegane Küche schmeckt und satt macht

Das Paar will mit seiner Ernährungsweise niemanden missionieren. Aufgrund der Herzprobleme ihres Mannes hätten sie sich selber erst mit der veganen Ernährung auseinandergesetzt, nach und nach weiter umgestellt und verzichten heute beispielsweise auch auf glutenhaltige Produkte.

Im September ist das Kochbuch "Magic Food" im Handel erschienen.
Foto: Verlag Callwey

"Wir wollen eher die Angst nehmen und zeigen, wie vielfältig und gut vegane Ernährung sein kann. Dass es schmeckt und man nicht verhungern muss", sagt sie lachend. Neben persönlichen Informationen zu ihren Biografien, ihren Gedanken zu ihrer Ernährungsumstellung und Tipps zu den einzelnen Rezepten verfügt das Kochbuch auch über ein Gesundheitslexikon, in dem die positiven Eigenschaften der "Stars" aufgelistet sind. Das Glossar sei allerdings kein Ersatz für die Rücksprache mit Ärzten oder professionellen Gesundheitsexperten, betont die Autorin.

Im September ist das Kochbuch erschienen – 20 weitere, unveröffentlichte Rezepte hat die passionierte Gräfin seither schon wieder gesammelt. Möglicherweise kommt davon ein Teil in die zweite Auflage. Die erste Auflage ist schon bald vergriffen. Ununterbrochen piepst während des Gesprächs ihr Handy. Es gibt viele Anfragen, das Paar gibt Interviews und präsentiert das Buch auf Veranstaltungen. "Wir wollen es auch ins Englische übersetzen", sagt sie. Pläne und Projekte gehen den beiden nicht aus - das sei gerade alles eine besondere Zeit. Magisch eben.

Info: Magic Food Vegan, 2021, 208 Seiten, Verlag Callwey, 39,95 Euro

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