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Augsburg
24.11.2020

Händlerin erzählt, wie der Stadtmarkt zu ihrer zweiten Heimat wurde

Der Stand von Philomena Schlegel und ihrer Familie ist bekannt für seine Tomaten-Vielfalt. Die Familie Schlegel ist seit 90 Jahren auf dem Stadtmarkt vertreten.
Foto: Michael Hochgemuth

Die Familie Schlegel hat seit 90 Jahren einen Stand auf dem Stadtmarkt. Philomena Schlegel erzählt, wie die Kunden ihr Einkaufsverhalten geändert haben.

Es wird kein Tag auf dem Stadtmarkt vergehen, an dem Philomena Schlegel nicht ihre grüne Schürze am Stand umgebunden hat. "Zum Stadtmarkt gehört auch Nostalgie dazu. Die Gärtnerschürze muss sein", findet die Gemüsehändlerin. Der Augsburger Stadtmarkt ist in diesem Oktober 90 Jahre alt geworden. Die Schlegels sind eine der wenigen Familien, die dort von Anfang an mit einem Stand vertreten sind. In der Zeit hat sich viel verändert, erzählt die Händlerin. Das habe auch etwas mit dem Einkaufsverhalten der Frauen zu tun.

Der Augsburger Stadtmarkt ist ihr zweites Zuhause

Dass der Stadtmarkt mal ihre zweite Heimat wird, hätte sich Philomena Schlegel einst wohl nicht vorstellen können. 1964 hat sie in die Gärtnerei-Familie Schlegel aus Oberhausen eingeheiratet und stieg dann in das Geschäft mit ein. "Bei der Gründung des Stadtmarktes vor 90 Jahren hatten meine Schwiegereltern einen festen Stand zugeteilt bekommen. Die Gärtnerei ist seit den ersten Stunden mit dabei", sagt Schlegel mit einem gewissen Stolz. Als Schwiegertochter packte sie freilich mit an. "Mit der Zeit wurde der Stadtmarkt eine Sucht für mich", verrät die Frau, die bei der Frage nach ihrem Alter einfach nur lächelt und schweigt.

Händlerin erzählt, wie der Stadtmarkt zu ihrer zweiten Heimat wurde
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90 Jahre: Die Geschichte des Augsburger Stadtmarktes in Bildern

Auf eines will Schlegel nicht verzichten: den persönlichen Kontakt zu den Kunden. Ein Teil sei mit den Schlegels sogar groß geworden. "Von den Kunden, die früher bei meinen Schwiegereltern einkauften, kommen jetzt die Kinder und Enkel zu uns." Für die Händlerin ist das etwas Besonderes. Philomena Schlegel hat über die vielen Jahre einige Veränderungen auf dem Stadtmarkt miterlebt. Das betrifft etwa das Einkaufsverhalten der Kunden – vor allem der Frauen.

Warum der Rosenkohl schon fertig geputzt ist

Früher noch sei der Stadtmarkt vor allem an den Vormittagen unter der Woche stark frequentiert gewesen, erinnert sie sich. "Seit zehn bis 20 Jahren aber findet der Hauptverkauf am Freitag und Samstag statt, weil viele Frauen längst berufstätig sind", berichtet Schlegel. Aus diesem Grund bietet die Familie an ihrem Stand zur Winterzeit fertig geputzten Rosenkohl an. "Die Frauen haben durch ihre Berufstätigkeit einfach nicht mehr so viel Zeit in der Küche", ist ihre Erfahrung. Auch das Angebot des Stadtmarktes habe sich über die Jahrzehnte verändert.

Seit 1930 ist der Augsburger Stadtmarkt ein beliebter Einkaufs-Treffpunkt in der Innenstadt.
Video: Ecki Diehl, ELANfilm

"Mit dem aufkommenden Wohlstand ab den 60er Jahren wurde der Stadtmarkt bunter", erzählt Schlegel. "Exotische Früchte kamen bei den Obstständen hinzu, Gärtnereien zogen außer Gemüse auch Blumen auf ihren Feldern und in den Treibhäusern, um sie dort zu verkaufen. Das war auch bei uns so." Um bei dem immer breiter werdenden Angebot auf dem Stadtmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben, beschloss die Familie irgendwann sich zu spezialisieren.

Helmut Kolper von der Allgäuer Käsehütte hat seinen Stand in der Viktualienhalle auf dem Augsburger Stadtmarkt schon über 22 Jahre. Neben Käsesorten aus der Region bieten er und seine Mitarbeiter, wie Astrid Adrovic, vor allem Käse aus Frankreich an. Daneben auch Butter, Milch und Joghurt. Am Stadtmarkt schätzt Kolper vor allem die Vielfalt der Angebote auf engstem Raum und den engen Kontakt zu den Kunden. Einige melden sich bei uns sogar ab, wenn sie in Urlaub fahren, erzählt er. Jubiläum, 90 Jahre Stadtmarkt, Händler
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Das sind die Händler des Augsburger Stadtmarktes
Foto: Lea Binzer, Bernd Hohlen

An ihrem Stand verkaufen sie neben Gurken, Paprika, Feldsalat und Co. über 60 verschiedene Sorten Tomaten, wie Philomena Schlegel berichtet. Beratung gibt es freilich dazu. Denn jede Sorte habe ihren eigenen Geschmack. Der persönliche Kundenkontakt ist für Philomena Schlegel mit das Wichtigste. "Auf dem Stadtmarkt wird auf fast schon familiäre Weise gehandelt." Die nächste Kundin steht am Stand an. Nun hat sie keine Zeit mehr, weiter zu erzählen. Philomena Schlegel streicht mit den Händen ihre grüne Schürze glatt und wendet sich der Dame zu.

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