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Augsburg
21.12.2020

Mord in Gögginger Asylheim: Das Drama begann mit der Eheschließung

Rechtsanwalt Jörg Seubert (rechts) vertritt den Angeklagten. Der hat ein Teilgeständnis abgelegt, bestreitet aber, dass er jemanden töten wollte.
Foto: Stefan Puchner

Wegen Mordes an seinem Schwager und wegen vierfachem Mordversuchs steht ein Afghane vor Gericht. Der Prozess beleuchtet ein Drama, das viel früher begann.

Der Vater sitzt nahezu gebückt im Zeugenstand. Nur wenige Meter von ihm entfernt ist der Mann, der seinen einzigen Sohn ermordet haben soll. Als der 41-Jährige dem Gericht schildert, wie der Angeklagte mit einem Messer auf seinen 15-jährigen Sohn losging und dem Jungen die Kehle durchschnitt, verliert er die Fassung. Er versucht, seine Schreie zu unterdrücken. Sie sind erfüllt von Wut und unsagbarem Schmerz. Dann weint er laut, zittert am ganzen Körper. Für einen kurzen Moment wird es still im Saal 101 des Augsburger Landgerichts. Dort fand am Montag der zweite Verhandlungstag im Mordprozess gegen einen 30-jährigen Afghanen statt.

Im April kam es zu dem Tötungsdelikt im Gögginger Asylheim.
Foto: Peter Fastl

Dieser soll Anfang April im Gögginger Asylheim "Haus Noah" nicht nur seinen jungen Schwager umgebracht haben. Dem Angeklagten (Verteidiger Jörg Seubert) wird neben dem Mord auch versuchter Mord in vier Fällen vorgeworfen. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Mann nicht nur seinen Schwager, sondern auch seine Ehefrau und deren gesamte Familie auslöschen wollte, nachdem die Frau sich von ihm getrennt hatte. Der Prozess dreht sich natürlich in erster Linie um die blutige Tat in der Unterkunft der Caritas. Er beleuchtet aber auch ein Drama innerhalb eines fremden Kulturkreises, das wie berichtet schon viel früher begann. Nämlich als vor rund elf Jahren die damals zwölfjährige Tochter der afghanischen Familie mit dem Afghanen verheiratet wurde, der Jahre später zum mutmaßlichen Mörder werden sollte.
 

Heirat, um die Feindschaft zwischen Familien zu begraben

Was beim Prozessauftakt vor zwei Wochen schon deutlich wurde, bestätigt sich am zweiten Verhandlungstag mit den Aussagen des Vaters: Für die junge Frau muss die Ehe eine Hölle gewesen sein. Die älteste der drei Töchter wurde mit dem Afghanen im Mädchenalter offenbar aus nur einem Grund verheiratet. "Ich habe ihm meine Tochter zur Frau gegeben, damit die Feindschaft, die zwischen unseren beiden Familien herrschte, begraben wird", erklärt der Vater der Vorsitzenden Richterin Sabine Konnerth, die nochmal nachfragte, ob dies tatsächlich der Grund für die Eheschließung war. Doch die Heirat habe nicht für Entspannung zwischen den beiden afghanischen Familien gesorgt, die zu diesem Zeitpunkt noch im Iran lebten.

"Mit diesem Mann hatten wir von Anfang an Streit." Mithilfe eines Dolmetschers erzählt der Vater (Opferanwalt Roland Aigner), dass der Angeklagte seine Tochter immer wieder 'gefoltert' und geschlagen habe. Auch als das junge Ehepaar zunächst nach Schweden und dann nach Deutschland flüchtete, während er, der Vater, mit der restlichen Familie in Deutschland Asyl suchte.

Vater vor Augsburger Landgericht: "Mann folterte unsere Tochter"

Immer wieder hätten er und seine Frau über Dritte erfahren, dass die Tochter von ihrem Ehemann misshandelt werde. Doch offenbar wollten sich die Eltern mit der Not ihrer Ältesten nicht weiter auseinandersetzen, das wird am zweiten Prozesstag deutlich. "Wir sagten, okay. Es wird die Zeit kommen, in der sie sich wieder vertragen", erzählt der Vater. Und, dass der Angeklagte ein undankbarer Mensch sei. Schließlich habe er als Vater die Feierlichkeiten für die Eheschließung übernommen und den Schwiegersohn auch finanziell unterstützt.

"Als es hieß, er habe die Haare unserer Tochter abgeschnitten, haben wir das auch ignoriert." Die Misshandlungen hätten aber nicht aufgehört. "Wir hatten immer die Hoffnung, dass er ein besserer Mensch wird." Dann aber kam es zu jenem Abend, als der Angeklagte nach einem neuerlichen Gewaltausbruch in der Wohnung im Großraum München seiner Ehefrau gedroht haben soll, sie umzubringen. Die Polizei rückte an, die Frau floh mit dem gemeinsamen Kind zu ihrer Familie ins Asylheim nach Göggingen. Laut Richterin Konnerth erwirkte sie sogar ein gerichtliches Kontaktverbot nach dem Gewaltschutzgesetz gegen ihren Mann.

Zeuge: Er schnitt dem Jungen die Kehle durch

Doch trotz des Verbots und trotz Drohungen in der Vergangenheit, haben die Eltern nach wenigen Monaten den Bitten ihres Schwiegersohnes nachgegeben. Er wollte nach Göggingen zu Besuch kommen, angeblich um seinen kleinen Sohn zu sehen. Aus dem Besuch wurde ein Blutbad. Wie der Zeuge schildert, hat der Schwiegersohn plötzlich ein Messer hervorgezogen, auf die Mutter eingestochen, ihn verletzt, als er dazwischen ging, wie auch zwei Töchter. Die Älteste, die Ehefrau des Angeklagten, hielt sich zu dem Zeitpunkt in der Anlage bei Nachbarn auf. Als der 15 Jahre alte Sohn aus einem Zimmer kam und seinem Vater helfen wollte, habe ihn der Afghane zu Boden gebracht und die Kehle durchgeschnitten. Was sich genau in der kleinen Wohnung abspielte, da haben Gericht, Staatsanwalt Michael Nißl und die Anwälte an dem Verhandlungstag noch viele Fragen. Zwar hat der Angeklagte bereits in einem Teilgeständnis zugegeben, für die tödlichen Verletzungen verantwortlich zu sein. Aber er sagte aus, er habe niemanden töten wollen. Die Verletzungen seien aus einem Tumult heraus entstanden. Der Prozess wird im Januar fortgesetzt.

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Im Podcast berichtet der langjährige Polizeireporter Klaus Utzni über schwere Kriminalfälle in Augsburg:

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Die Diskussion ist geschlossen.

23.12.2020

Ganz einfach. Unsere Kultur und Ethik ist mit der mittelalterlichen Denkweise von vielen Zuwanderern aus Ländern des Mittleren Ostens nicht vereinbar. Wenn sie nicht bereit sind sich unseren Regeln anzupassen, sollten ihnen das Aufenthaltsrecht hier entzogen werden und sie in ihre Heimatländer zurück verbracht werden ohne wenn und aber. Insb die Behandlung von Frauen wie eine Sache/Ware und die daraus resultierende geringschätzige Behandlung sticht hervor.

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22.12.2020

Für mich sehe ich nur Abgründe.
Auf allen Seiten.
Die damals 12 jährige Tochter wurde verschachert, misshandelt, gefoltert 11 Jahre lang alle wussten es , sahen zu..
Jetzt wurde der Sohn getötet und der Vater ist erfüllt von Wut und Schmerz.
Alle gehören zurück in ihr Heimatland.Ich bin der Meinung diese Kultur und soziale Prägung, diese Verachtung von Frauen, bekommt keiner aus diesen Köpfen heraus, die Gelegenheit sich an westlichen Werten zu orientieren war gegeben.
Ich denke, wenn es die Tochter getroffen hätte, wäre da nicht so viel Wut und Schmerz , er hatte nur den einen Sohn der ja in diesen Kulturen einen höheren Stellenwert hat als Mädchen.
Aber sicherlich wird in einem Urteil die Kultur berücksichtigt die ich diesbezüglich verabscheuungswürdig finde.

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22.12.2020

Ich kann Ihnen da nur teilweise zustimmen. Angekommen sind die hier in unseren Kulturkreis nicht. Und ein erwachsener Mensch wird auch nicht ankommen. So wie niemand von uns dort ankommen würde. Moral und Ethik wird in der Kindheit und Jugend, insbesondere durch das Vorleben der Erwachsenen, geprägt.
Änderung der Prägung geht über Generationen und nicht von heute auf morgen. Die Tat gehört hart bestraft und auch soweit nachweisbar die Mißhandlungen an der Ehefrau.
Aber würde eine Abschiebung den Töchtern beispielweise helfen?

Ethik, Moral und Kultur gehören auch nicht unbedingt zusammen.

Mädchen wurden vor 200 Jahren, hier in der christlich abendländischen Kultur, und später oft noch von den Eltern verheiratet. Teilweise regelrecht verkauft.

http://www.goethe-weimar-wetzlar.de/index-Dateien/Die%20allgemeine%20Sittenlage%20bezueglich%20Liebe%20Heiraten%20Familie%20Kinder%20um%201800.pdf
https://www.hausarbeiten.de/document/497910

Das Dienstmädchen und Mägde in Deutschland (christlich-abendländische Kultur) praktisch rechtlose Lustobjekte und Arbeistsklaven Ihrer Herren waren - ähnlich wie heute in einigen arabischen Länder- , ist beispielweise ebenfalls gerade 100 Jahre her.

https://www.watson.ch/wissen/history/654510825-frauenleben-im-herrschaftsdienst-so-hart-war-der-alltag-der-dienstmaedchen
https://www.planet-wissen.de/geschichte/adel/geschichte_des_hauspersonals/index.html

Die Rechte der Frauen sind bei uns noch realtiv neu, auch wenn wir vieles für selbstverständlich nehmen.

https://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/76102/8-maerz-weltfrauentag-07-03-2012

Und in einigen Köpfen ist es auch scheinbar auch noch nicht angekommen. Oder wie soll man Kommentare von Westlern hinsichtlich dem Catcalling verstehen, wie das die Frauen doch froh sein sollen, wenn jemand (fremdes) ihnen hinterpfeift oder sie auf ihre weibliche Körperteile "anspricht".
Da ist noch viel "unwestliches" in nicht wenigen westlichen Köpfen, gerade bei vielen "Verteidigern des Abendlandes".

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