Newsticker
Ämter melden 15.974 Corona-Neuinfektionen und 1148 neue Todesfälle in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Augsburg als Corona-Hotspot: Wieso steigen die Zahlen gerade so stark an?

Augsburg

20.10.2020

Augsburg als Corona-Hotspot: Wieso steigen die Zahlen gerade so stark an?

Augsburg hat sich zum Corona-Hotspot entwickelt, weshalb in der Innenstadt nun auch eine Maskenpflicht gilt.
Bild: Annette Zoepf

Plus Die Zahl der Infektionen in Augsburg nimmt zu, auch die Zahl der Patienten an der Uniklinik steigt. Der Ärztliche Direktor warnt, die zweite Welle werde wuchtiger.

Nicht nur bundesweit, wo mittlerweile mehr als 100 Landkreise und Städte als Risikogebiete gelten, hat sich die Corona-Lage übers Wochenende verschärft. Mit 155 Neuinfektionen von Samstag- bis Dienstagmorgen und einem Sieben-Tage-Wert von 124,5 zählt Augsburg in Deutschland aktuell sogar zu den 20 Gebieten, in denen die Infektionen am stärksten steigen.

Vor einer Woche lag Augsburg noch unter der Grenze von 50 Infektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen, jetzt liegt dieser Inzidenzwert bei 124,5. Wie erklärt sich die Stadt den starken Anstieg?

Im städtischen Gesundheitsreferat heißt es, man halte die Augsburger nicht für besonders leichtsinnig oder sorglos. Im Gegenteil: Im Vergleich mit anderen ähnlich großen Städten lag der Wert in Augsburg bis vor Kurzem unter dem Durchschnitt. Seit August habe man darauf hingewiesen, dass einzelne größere Ansteckungsquellen zusammen mit generell steigenden Fallzahlen auch in Augsburg die Infektionszahlen schnell deutlich über den Corona-Grenzwert treiben könnten, sagt der städtische Umwelt- und Gesundheitsreferent Reiner Erben (Grüne). Genau dies ist jetzt geschehen. Im Zusammenspiel bundes- und bayernweit steigender Infektionszahlen – vor allem mit unbekanntem Infektionshintergrund – und einem gehäufteren Auftreten von Infektionen ist die Sieben-Tages-Inzidenz in Augsburg stark angestiegen. Neuinfektionen breiteten sich dann wellenartig aus, so das Gesundheitsamt. In einer solchen Phase befinde sich die Stadt momentan.

Inwiefern sind die aktuellen Zahlen mit denen im Frühjahr vergleichbar – oder auch nicht?

Die Entwicklung ist nach Einschätzung des Gesundheitsamtes durchaus ähnlich wie im Frühjahr. Damals gab es viele Infizierte mit unbekannten Infektionsquellen, das ist auch jetzt wieder der Fall. Im Sommer waren die Infektionsquellen und -ketten überwiegend gut nachvollziehbar - etwa bei den Reiserückkehrern.

Welche Rolle spielen die Tests?

Es wird derzeit viel mehr getestet als in den ersten Monaten der Pandemie. Dadurch werden mehr Infektionen entdeckt. Allein im Testzentrum an der Messe wurden vergangene Woche 4700 Abstriche gemacht. Mehr geht dort nicht. Wie viele Personen über ihre Hausärzte, die Kassenärztliche Vereinigung (KVB) oder andere Testzentren in Bayern oder Privat direkt bei den Laboren getestet wurden, weiß die Stadt nicht. Zusammengerechnet dürfte dabei aber nochmals eine hohe Zahl zustande kommen. Wichtig ist die sogenannte Positivquote. Das ist der Anteil der positiven Testergebnisse an allen Tests. In der Kalenderwoche 38 gab es im Testzentrum an der Messe 0,77 Prozent positive Tests bei insgesamt 2334 Tests. Drei Wochen später, in der KW 41, waren es bereits 1,52 Prozent positive Tests bei insgesamt 3093 Tests. Damit hat sich die Positivrate in diesem Zeitraum in etwa verdoppelt. Das ist ein wichtiger Hinweis darauf, dass das Infektionsgeschehen zunimmt.

Aktuell haben wir sehr hohe Infektionszahlen. Ist der Eindruck richtig, dass viele Betroffene keine oder nur sehr leichte Symptome zeigen? Worauf ist dies zurückzuführen?

Tatsächlich gibt es momentan viele leichte Verläufe. Das niedrige Durchschnittsalter der Infizierten in den vergangenen Wochen und das aufgrund der Jahreszeit noch starke Immunsystem spielen da nach Einschätzung der Stadt mit rein. Die Experten warnen dennoch davor, sich in Sicherheit zu wiegen. Zum einen könnten auch Infizierte ohne oder mit leichten Symptomen von Langzeitfolgen betroffen sein, zum anderen steige aktuell auch das Durchschnittsalter der Infizierten wieder an.

Einige Seniorenheime in Augsburg melden Infektionen. Ist auch deswegen mit schwereren Krankheitsverläufe zu rechnen?

Es bleibt abzuwarten, ob deswegen mehr Infizierte schwerer erkranken. Die Stadt Augsburg hat hier keine stichhaltige Prognose. Referent Reiner Erben appelliert deshalb an alle Bürgerinnen und Bürger, im privaten und beruflichen Umfeld sowie im öffentlichen Raum die gültigen Abstands- und Hygieneregeln umzusetzen, regelmäßig zu lüften und die Empfehlungen der Bundes- und Landesregierung zu befolgen.

In der Augsburger Innenstadt gilt seit Mittwoch Maskenpflicht. Das Ordnungsamt kontrollierte bereits am ersten Tag, ob sich Passanten daran halten.
9 Bilder
Maskenpflicht in Augsburg: Das Ordnungsamt kontrolliert in der Stadt
Bild: Silvio Wyszengrad

Wie ist aktuell die Situation am Augsburger Uniklinikum?

Die Zahl der Corona-Patienten am Uniklinikum in Augsburg ist in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen. Stand Montagnachmittag wurden an der Uniklinik Augsburg insgesamt 39 Covid-19-Patienten behandelt. Davon mussten acht Patienten intensivmedizinisch versorgt werden, sieben wurden beatmet. Hinzu kamen fünf Verdachtsfälle, die noch abgeklärt werden müssen, sowie drei Personen in der Kinderklinik. Zum Vergleich: Während der ersten Corona-Welle im Frühjahr lag die Höchstzahl an Covid-19-Patienten an der Uniklinik bei 43. "Da waren wir aber schon mittendrin in der Welle", sagt der Ärztliche Direktor Professor Michael Beyer, "jetzt stehen wir erst am Anfang." Die Verantwortlichen sehen die Entwicklung durchaus mit Sorge. Beyer erklärt: "Man muss kein Hellseher sein, um vorhersagen zu können, dass uns die zweite Corona-Welle weit wuchtiger treffen wird als die erste Welle."

Der Ansturm auf das Testzentrum an der Messe war zuletzt sehr groß. Wie sieht es derzeit aus?

Das Testzentrum ist weiter voll ausgelastet - und es gibt inzwischen Wartezeiten von mehreren Tagen. Für Dienstag und Mittwoch waren bereits am Montagnachmittag keine Termine mehr frei. Erst am Donnerstag gab es wieder freie Plätze für einen Corona-Test. Was in dieser Woche dazukommt: Das Testzentrum muss von der Messe weg, weil dort Aufbauarbeiten für die Schleiftechnik-Messe Grindtec beginnen. Die Teststation zieht ins ehemalige Depot des Abfallwirtschaftsbetriebs in der Isarstraße in Haunstetten um. Am Freitag ist das Testzentrum deshalb geschlossen, ab Montag, 26. Oktober, soll es dann am neuen Standort weitergehen. Für die Teststation des Landkreises im Gersthofer Ortsteil Hirblingen waren am Montagabend noch Termine für Dienstag und Mittwoch verfügbar. Auch Bürger aus der Stadt Augsburg können sich hier testen lassen.

Alle aktuellen Informationen zur Corona-Lage in Augsburg finden Sie bei uns im News-Blog.

Das könnte Sie auch interessieren:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

20.10.2020

Ich wäre dankbar, wenn eine Zeitung mal den Begriff 'Reiserückkehrer' etwas genauer durchleuchten könnte. Wer, wie viele, wohin?

Permalink
20.10.2020

Reiserückkehrer sind allgemein nicht mehr ausschlaggebend, außer sie kommen von Bayerns südöstlichem Winkel

Permalink
20.10.2020

Jetzt hört doch endlich auf mit diesen nicht aussagekräftigen Zahlen der positiv Getesteten. Was wirklich wichtig wäre, sind die tatsächlich Erkrankten und tatsächlich Beatmeten und tatsächlich Toten. Wo soll das denn alles noch hingehen? (edit/mod/NUB 7.2/7.3)

Permalink
20.10.2020

Die Anzahl der in Augsburg beatmeten Covid-19-Patienten finden Sie in der Graphik, die im Artikel eingebunden ist.
Die Anzahl der Todesfälle finden Sie für die jeweilige Region in unserer interaktiven Karte zu Corona. https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Alle-Coronavirus-Faelle-in-Bayern-in-unserer-interaktiven-Karte-id57159491.html

Permalink
20.10.2020

Da die tatsächlichen Erkrankten, Beatmeten und Verstorbenen durch oder wegen Corona verzögert auftreten, wären die Maßnahmen grundsätzlich zu spät, also brauch man Fakten um vorher reagieren zu können.

Permalink
20.10.2020

Es wäre von den Medien fairer, die Positivraten der Tests zu kommunizieren. Die Anzahl der Neuinfektionen hat keinerlei Aussagekraft. Wen man zehnmal so viel Augsburger testen würde, bekäme man Horrorzahlen mit 1000 Infizierten pro 100000 Einwohner, so knallrot kann die Corona- Ampel gar nicht werden.
Na gut der prozentuale Wert der Positivtestungen hat sich gegenüber dem Sommer verdoppelt, wie man es bei einem kurzzeitigen Kälteeinbruch im Oktober auch nicht anders erwartet hätte. Ich sehe keinen Grund zur Panik.

Permalink
20.10.2020

Hier ein aktueller Artikel zu der Problematik:

https://www.augsburger-allgemeine.de/politik/Mehr-Tests-oder-zweite-Welle-Darum-steigt-die-Corona-Infektionszahl-so-steil-id58376971.html

Freundliche Grüße!

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren