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Augsburg

06.02.2015

Augsburg bekommt wohl keine Windräder

In Augsburg wird es wohl so schnell keine Windräder geben.
Bild: Stefan Sauer, dpa

Im Stadtgebiet gibt es keine Flächen für Windkraft – auch wegen der neuen Abstandsregel. Nun will die Stadt bei den Nachbarkommunen vorfühlen. Ein schwieriges Unterfangen.

In Augsburg wird es weiterhin keine Windräder zur Stromerzeugung geben. Eine Prüfung des städtischen Umweltamtes hat ergeben, dass es für den wirtschaftlichen Betrieb von Windrädern im Prinzip keinen geeigneten Standort im gesamten Stadtgebiet gibt. Hintergrund ist die neue Abstandsregel für Windkraftanlagen in Bayern. Seit November vergangenen Jahres gilt die sogenannte „10-H-Regelung“. Windräder müssen im Freistaat nun zehnmal so weit von Wohngebieten entfernt sein, wie sie hoch sind – das sind zwei Kilometer für ein modernes Windrad. Kritiker der neuen Regelung sagen, das sei übertrieben und bremse zu viele Projekte aus.

10-H-Regel: Keine Windräder für Augsburg

Wie der städtische Umweltamtsleiter Hans Peter Koch erläuterte, sind Ausnahmen von dieser Regel möglich. Die Stadt Augsburg müsste dann aber ein Bauleitplanverfahren einleiten und auch die Zustimmung der Nachbarkommunen für eine Windkraftanlage einholen. Das gilt als schwieriges Unterfangen. Als einziger möglicher Standort käme dann ein Areal zwischen Inningen, Bobingen und Königsbrunn infrage. Und auch dort gibt es Fragezeichen bei der Wirtschaftlichkeit. Die Windgeschwindigkeiten liegen in 140 Metern Höhe (so hoch sind große Windräder) im Durchschnitt bei maximal 5,5 Metern pro Sekunde. Das gilt als absolutes Minimum für den rentablen Betrieb eines Windrades.

Ganz aufgeben wollten die Stadträte noch nicht. Auf Antrag der ÖDP beauftragte der Umweltausschuss die Verwaltung, Kontakt zu den Nachbarkommunen aufzunehmen, ob sie einer Windkraftanlage bei Inningen zustimmen würden. Stadträtin und Richterin Beate Schabert-Zeidler (Pro Augsburg) schätzt die Chancen für Windräder auf Augsburger Flur aber gleich Null ein. Erfahrungsgemäß werde gegen jedes Projekt geklagt – auch andere Windräder in der Region sind heftig umstritten. Es gibt mehrere Bürgerinitiativen, die gegen die großen Räder kämpfen.

Erneuerbare Energie ohne Windräder

Die neue Abstandsregelung für Windräder in Bayern hat für die Region auch noch weitere Folgen. Das gemeinsame Klimaschutzkonzept der Stadt Augsburg und der beiden Landkreise Augsburg und Aichach-Friedberg werde zwar nicht komplett außer Kraft gesetzt, sagte Koch. Die Ziele für die Energiewende in der Region seien nun aber ohne den Ausbau der Windkraft deutlich schwieriger zu erreichen. Ziel des regionalen Konzeptes ist es, bis 2030 rund 55 Prozent des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid einzusparen.

Das Problem: Die erneuerbare Energie aus Wasserkraft gilt als weitgehend ausgereizt, ebenso aus Biomasse. Im Klimaschutz-Konzept aus dem Jahr 2011 waren auch 77 Windräder im Wirtschaftsraum vorgesehen. Damals gab es noch einen Boom in diesem Sektor. Wenn nun der Ausbau der Windkraft ausfällt, bleibt nur noch der Strom aus Sonnenenergie. Die Photovoltaik-Anlagen haben nach Einschätzung von Experten aber nicht das Potenzial, um Defizite bei der Windkraft auszugleichen.

Zuletzt wurden rund zehn Prozent der verbrauchten Energie in der Stadt Augsburg aus erneuerbaren Quellen produziert– vor allem aus Wasser, Sonne und Biomasse. Was die Windkraft angeht, setzen Stadt und Stadtwerke schon seit einiger Zeit darauf, Windräder außerhalb des Stadtgebiets, aber auf Waldbesitz der Stadt zu errichten. Außerdem sind die Stadtwerke auch an anderen Windkraftanlagen, etwa in Thüringen, beteiligt.

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