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Augsburg

16.05.2016

Augsburg braucht mehr Wohnraum - Was das für die Natur bedeutet

Wertvolle Naturflächen in Augsburg leiden zunehmend unter neuen Bauvorhaben. Unser Bild zeigt die alte Flugplatzheide in Haunstetten, wo es sogar noch Feldhasen gibt.
Bild: Eberhard Pfeuffer

Augsburg steht vor einer großen Urbanisierungswelle. Das gewohnte Grün in der Stadt wird immer mehr beschnitten. Dabei sind schon jetzt wertvolle Bäume und Biotope in Gefahr.

Augsburg ist, alles in allem, eine grüne Stadt. Selbst hinter hohen Mauern versteckt sich manchmal ein Naturidyll mit alten Bäumen und Wasserläufen. Ein Beispiel dafür ist der Martinipark im Textilviertel. Das Areal mit seinen Büro- und Gewerbebauten ist für Besucher bislang nur über eine „bewachte“ Pforte zugänglich und deshalb wenig im öffentlichen Bewusstsein. Dennoch ist es städtebaulich ein wichtiger Grünbereich. Es ist der letzte große Park im Textilviertel und bietet nicht nur Menschen ein lebenswertes Umfeld, sondern auch vielen Tierarten.

Neuer Wohnraum wird dringend gebraucht

Am Martinipark zeigt sich nun auch, unter welchem Druck zentral gelegene Flächen mit viel Grün in Augsburg heute stehen. Die Bevölkerung wächst, neuer Wohnraum wird dringend gebraucht. Im Textilviertel herrscht seit Jahren ein Bauboom. Nun sind auch im Martinipark Hunderte Wohnungen geplant. Mindestens 58 große Bäume, die unter die Baumschutzverordnung fallen, sollen dafür gefällt werden. Zwar greift die Planung Elemente der Natur auf. Hier wäre aber ein runder Tisch mit allen Beteiligten angebracht, um Verluste so gering wie möglich zu halten.

Augsburg braucht dringend neue Wohnbebauung. Aber je mehr der Siedlungsdruck wächst, desto wichtiger werden Wächter über die Natur. Wichtige Grünbereiche, die nicht unter besonderem Schutz stehen, schrumpfen immer weiter, wenn Investoren Baurecht geltend machen. Die Natur stirbt leise.

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Probleme gibt es aber nicht nur mit privaten Bauträgern. Selbst der Freistaat beschneidet in Augsburg auf eigenen Grundstücken bedenklich natürliche Lebensräume. Ein dramatisches Beispiel ist die alte Flugplatzheide in Haunstetten direkt neben dem Bayerischen Landesamt für Umwelt. Dort leben ungewöhnlich viele bedrohte Arten. Das Stück Natur zählt mit Blick auf Artenschutz und biologische Vielfalt zum Wertvollsten, was Augsburg zu bieten hat. Leider wurde bislang versäumt, es ausreichend zu schützen. Nun soll der letzte Rest der Heideflächen teilweise bebaut werden, weil auf die Schnelle angeblich kein anderes passendes Grundstück zu finden ist. Pikant in diesem Zusammenhang: Der Freistaat genehmigt sich die Planungen selber. Die Stadt kann das Vorhaben in diesem Fall nur abnicken.

Bürger verteidigen die Belange der Natur

Früher gab es im Stadtrat noch eine starke und öffentlich sichtbare Lobby für ökologische Themen. Seit die Grünen aus der „Opposition“ ins Regierungslager mit CSU und SPD wechselten, sind die früher sehr munteren Kritiker im Rathaus ziemlich leise geworden. Zwar gibt es den einen oder anderen Antrag für mehr Grün und weniger Beton im Stadtrat. Man muss jedoch froh sein, dass es in Augsburg auch Bürger gibt, die selbstbewusst die Belange der Natur verteidigen. Es sind Vereine und Verbände wie der renommierte Naturwissenschaftliche Verein für Schwaben oder auch der Bund Naturschutz. Sie verfügen über großes Fachwissen und scheuen sich nicht, Streitfälle politisch zum Thema zu machen.

Schaut man in die Zukunft, wird der Interessenausgleich zwischen Bauen und Natur immer wichtiger. Augsburg steht vor einer großen Urbanisierungswelle. Im Zusammenhang mit der wachsenden Einwohnerzahl sind Konflikte vorprogrammiert, um mehr Wohnraum zu schaffen. Dabei wird es nicht nur um verdichtetes Bauen gehen. Auch ein enormer weiterer Flächenverbrauch zeichnet sich ab. Ein Beispiel dafür sind die Planungen für das neue Stadtviertel in Haun-stetten-Südwest. Es ist das letzte Flächenreservoir in dieser Größenordnung in Augsburg. Hier fordern die Grünen „hochwertige Grünstrukturen“. Abzuwarten bleibt, was realisiert wird. Jedenfalls wird ein gut durchgrüntes und sozial ausgewogenes Wohnumfeld unverzichtbar sein, damit keine Siedlung mit Brennpunkten entsteht. Nur so werden sich 30.000 neue Einwohner wohl fühlen und ein Gefühl von Heimat entwickeln.

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