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Augsburg

23.08.2014

Augsburg hat plötzlich einen Wasserturm mehr

Dieser Turm an der Stadtmauer nahe dem Vogeltor diente einst als Wasserturm. Lange wusste man nichts von dieser Funktion des ehemaligen Wehrturms.
Bild: Silvio Wyszengrad

Experten haben einen historischen Wasserturm identifiziert, von dem bislang keiner wusste. Der "neue" Wasserturm ist Teil der Stadtmauer nahe des Vogeltors.

Neun Wassertürme versorgten einst die Augsburger Bevölkerung mit frischem Trinkwasser. Zumindest glaubten das die Experten bislang. Der Historiker Franz Häußler und der Autor Martin Kluger haben nun einen zehnten identifiziert: Er ist Teil der Stadtmauer nahe des Vogeltors und sehr gut erhalten.

Glücksfall für die Welterbe-Bewerbung

Für die Welterbe-Bewerbung ist dieser Fund ein Glücksfall: Sie hat die historische Wasserwirtschaft zum Thema, der neu entdeckte Turm ist ein weiteres Denkmal, mit dem Augsburg punkten kann. Immerhin würdigt die Unesco mit dem Titel Ensembles, die ihr als erhaltenswert erscheinen. Je mehr Substanz also vorhanden ist, desto besser. Augsburg hat die erste Runde gemeistert. Im nächsten Schritt kann es sich direkt bei der Unesco bewerben. Das könnte 2019 sein.

Turm mit den unterschiedlichsten Funktionen

Obwohl der „neue“ Wasserturm an einem Ort steht, den viele kennen, war er selbst Experten bislang nicht ins Auge gestochen. Das liegt laut Kluger auch daran, dass er 130 Jahre lang gar keine Funktion hatte. Davor und danach diente er mal als Wehrturm, mal als Notunterkunft (nach dem Zweiten Weltkrieg) und von 1720 bis 1879 eben als Wasserturm. Heute nisten dort Tauben.

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Lange Knobeleien bis zur endgültigen Identifizierung

Bis Häußler und Kluger den Bau als Wasserturm identifiziert hatten, verging viel Zeit. Sie stöberten in historischen Dokumenten und glichen Angaben über Rohrlängen mit den heute noch nachvollziehbaren Entfernungen zwischen Turm und Pumpwerk ab. Auch alte Fotos lieferten Hinweise. Und ein bisschen wurde geknobelt: Die Stadtmauer zwischen Mauerberg und der Bastion am Roten Tor war komplett abgebrochen worden, nachdem sie als Festung ausgedient hatte – nicht aber das Stück am Vogeltor. „Es musste irgendeinen funktionalen Grund geben, warum man gerade diesen kurzen Abschnitt stehen ließ“, sagt Kluger. Ohne die Unesco-Bewerbung hätte man die historische Bedeutung des Baus aber wohl noch viele Jahre nicht erkannt.

Ablösung durch das Wasserwerk am Hochablass

Der Wasserturm gehörte zum Brunnenwerk am Vogeltor, das 1538 gebaut worden war. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts versorgte es die städtische Eichanstalt und einige Privathaushalte. 1879 wurde die Anlage stillgelegt. Ihre Aufgabe übernahm das leistungsfähigere Wasserwerk am Hochablass.

Sechs der Wassertürme bis heute erhalten

Wer durch Augsburg schlendert, kann heute sechs historische Wassertürme entdecken: den großen und kleinen Wasserturm sowie den Kastenturm beim Roten Tor, den Unteren Brunnenturm am Mauerberg, den Unteren St-Jakobs-Wasserturm am Gänsbühl sowie den neu entdeckten am Vogeltor. Wer durch das Tor hindurch stadtauswärts (Süden) läuft, sieht ihn rechts, jenseits des Stadtgrabens, hinter Bäumen. Die vier anderen historischen Wassertürme Augsburgs wurden abgebrochen oder im Krieg zerstört.

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