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Augsburg

17.07.2019

Augsburg im Friedberger Schloss

Hof des Wittelsbacher Schlosses Friedberg. In einigen Räumen dieses gewaltigen Baus wurden von 1754 bis 1768 Fayencen gefertigt. Etliche davon sind hier im Museum zu sehen.
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Hof des Wittelsbacher Schlosses Friedberg. In einigen Räumen dieses gewaltigen Baus wurden von 1754 bis 1768 Fayencen gefertigt. Etliche davon sind hier im Museum zu sehen.
Bild: Franz Häußler

Das Museum im Wittelsbacher Schloss beleuchtet auch Augsburg-Geschichte. Die ausgestellten Fayencen belegen künstlerische Verbindungen zwischen den Nachbarstädten.

Am 10. Mai wurde das neu gestaltete Museum im Wittelsbacher Schloss Friedberg eröffnet. Dort bereiten Exponate zuvörderst Friedberger Geschichte auf. Handwerk und Kunst in Friedberg bilden zwei Schwerpunkte: Uhren und Fayencen „made in Friedberg“ sind international bekannt und geschätzt. In Museen in Deutschland und Europa sind diese Erzeugnisse aus Friedberg zu sehen.

Im stilvoll konzipierten Museum wird die einstige Bedeutung als Uhrmacherstadt vom 16. bis Anfang des 19. Jahrhunderts nahegebracht. Von der Taschenuhr über die Satteluhr bis zur Standuhr reichen die kostbaren Originale. Die Herstellung wird in einer historischen Uhrmacherwerkstatt demonstriert. Ein reicher Bestand an Fayencen demonstriert einen sehr kurzen Abschnitt aus Friedbergs Geschichte: Nur 14 Jahre lang wurden hier die auf weißer Glasur fantasievoll bemalten Tonwaren hergestellt.

Enge Beziehungen zwischen Augsburg und Friedberg

Bei den im Museum gezeigten Fayencen „made in Friedberg“ scheinen die engen Beziehungen zwischen der altbayerischen Herzogstadt und der benachbarten kaiserlichen Freien Reichsstadt Augsburg auf. Diese Verbindung wird im Maximilian-Museum in Augsburg und seit 2010 im „Museum Deutscher Fayencen“ im Pfalzgrafen-Schloss in Höchstädt an der Donau aufgezeigt. Zu den über 1000 Exponaten in Höchstädt zählen drei Augsburger, 15 Gögginger und zwölf Friedberger Fayencen.

Augsburg im Friedberger Schloss

Die Präsentation im Museum im Wittelsbacher Schloss ist einzigartig: Diese Tonwaren entstanden im Friedberger Schloss. Darin ließ der Hausherr Kurfürst Maximilian III. Joseph von 1754 bis 1768 eine „Porcelain Fabrique“ betreiben. Das Erkennungszeichen dort gefertigter Fayencen ist „CB“ („Chur-Baiern“) – teils mit, teils ohne Kurhut.

Die kurfürstlich-bayerische Manufaktur Friedberg hat eine schwäbische Vorgeschichte. Um 1735 richtete der Augsburger Apotheker, Chemiker und Destillateur Johann Caspar Schaur in seinem großen Garten vor dem Schwibbogentor eine Fayence-Manufaktur ein. Im Jahr 1748 folgte der Augsburger Fürstbischof als Fayencen-Produzent: Er ließ ab 1748 eine „Majolika Fabrique“ in Göggingen betreiben. Sie bestand kaum fünf Jahre. Anfang 1753 wurde dort letztmals ein Brennofen beschickt.

Augsburger Fürstbischof wollte mit edlem Geschirr glänzen

Mit edlem Geschirr aus Eigenproduktion auf der Hoftafel wollte der Augsburger Fürstbischof Joseph Ignaz Philipp Prinz von Hessen-Darmstadt glänzen und zudem mit dem Verkauf von Gebrauchsware Gewinn machen. Das hochadelige Diözesanoberhaupt – Regierungszeit: 1740 bis 1768 – benötigte für seine Residenzen in Augsburg, Dillingen, Oberdorf und Füssen Tafelgeschirr und hatte zudem seine Amtshäuser mit Bedarfsartikeln vom Schreibzeug bis zum Nachttopf auszustatten. Das ließ er von 1748 bis 1753 in Göggingen produzieren.

Die Leitung der fürstbischöflichen Manufaktur oblag dem Augsburger Bildhauer und Modelleur Joseph Hackl. Dreher, Maler und Taglöhner bildeten das Produktionsteam. Die Gögginger Manufaktur fertigte neben Tellern, Krügen, Speiseplatten, Kännchen, Tassen auch dekorative Nippes für die Tafel. Die kostbarsten Erzeugnisse mit der Marke „gögg“, „gögging“ oder „göggingen“ auf der Unterseite sind plastische Werke: Gehäuse für Tischuhren, Leuchter, Vasen, Figürchen im chinesischen Stil, Heilige, Kruzifixe und Tiere aus gebranntem und glasiertem Ton. Da die Bilanz der Manufaktur in Göggingen überwiegend mit roten Zahlen schloss, ordnete am 19. Oktober 1752 der Fürstbischof die Schließung seiner „Majolika Fabrique“ an.

Manufaktur im Friedberger Schloss wurde 1768 geschlossen

Ihr Leiter Joseph Hackl trat im März 1753 in die von dem Augsburger Kaufmann Christian Georg von Köpf gepachtete und wiederbelebte Schaur’sche „Porcelain Fabrique“ ein. Dort blieb Joseph Hackl nur kurz: 1754 übernahm er die Leitung der im Wittelsbacher Schloss in Friedberg eingerichteten kurfürstlich-bayerischen Fayence-Manufaktur. Im April 1758 schied er aus kurfürstlichen Diensten aus, am 21. Juli 1760 starb er in Augsburg. 1768 schloss der Kurfürst die Manufaktur in seinem Schloss zu Friedberg. Es ist nicht verwunderlich, dass die dort gebrannten Fayencen in Form und Dekor vielfach die Fortführung der Gögginger und der Augsburger Produktion darstellen.

Das Museum im Wittelsbacher Schloss Friedberg erweist zwei hochadeligen Manufaktur-Besitzern die Ehre: Sowohl Joseph Hackls „Chef“ in Göggingen (Fürstbischof Joseph Ignaz Philipp Prinz von Hessen-Darmstadt) als auch sein Arbeitgeber in Friedberg (Kurfürst Maximilian III. Joseph) sind mit Porträts präsent.

Frühere Folgen des Augsburg-Album finden Sie unter
augsburger-allgemeine.de/ augsburg-album

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