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Geschichte

28.06.2011

Augsburg kämpft um zweites Landesmuseum

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Das künftige Landesmuseum für Bayerns Geschichte könnte auf einer Wiese in der Nähe des Glaspalasts entstehen.

Am Donnerstag entscheidet der Stadtrat über zwei mögliche Standorte für das bayerische „Leuchtturmprojekt“. Im Oktober wählt die Staatsregierung unter 28 Städten aus.

Am Donnerstag entscheidet der Stadtrat darüber, mit welchem Standortkonzept sich Augsburg für das neue „Museum für Bayerische Geschichte” bewirbt. Es wäre nach dem Textilmuseum (tim) das zweite Landesmuseum in Augsburg.

Die Staatsregierung hat sich noch nicht festgelegt, ob neu gebaut oder ein vorhandenes Gebäude saniert werden soll. Daher erwartet das Kunstministerium von Wolfgang Heubisch (FDP) von den Bewerberstädten zwei Vorschläge: ein unbebautes und ein bereits bebautes Grundstück.

Kulturbürgermeister Peter Grab hat mit Experten zwei Vorschläge erarbeitet, die den Vorgaben der Staatsregierung entsprechen sollen. Wie gestern berichtet, empfiehlt Grab dem Stadtrat folgende Standorte: eine unbebaute Wiese an der Schleifenstraße gegenüber dem Glaspalast und als bebautes Gelände das Oberhauser Gaswerk. Bereits im Dezember 2009 hatte der Stadtrat eine Bewerbung der Stadt für das Museum grundsätzlich befürwortet.

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Zehn Fragen und Antworten zu der Augsburger Bewerbung um das Landesmuseum:

Warum ist das Museum so wichtig für Augsburg?

Die drittgrößte bayerische Stadt ist schon heute ein bedeutender Museumsstandort. Das Textilmuseum (tim) ist das erste Landesmuseum in Augsburg.

Seit der Eröffnung Anfang 2010 strömten etwa 200000 Besucher in die Ausstellungen. Darunter zahlreiche Touristen, die Augsburg bereicherten. Wechselausstellungen – derzeit die historische Unterwäsche-Ausstellung „Reiz und Scham” – lockten die Besucher und vermittelten ein Bild der reichen Augsburger Textilgeschichte.

Zudem gibt es in Augsburg weitere wichtige Museen: Römisches Museum, Schaezlerpalais, Maximilianmuseum, Fuggerei, Mozart- und Brechthaus oder die Kunstmuseen im Glaspalast. Mit dem „Museum für Bayerische Geschichte” würde Augsburg zu einer bayerischen Museumshochburg und damit noch attraktiver für viele weitere Gäste aus aller Welt. Das ist eine große Chance für die Entwicklung der Fugger-, Mozart-, Brecht-, Renaissance- und Friedensstadt.

Wie lauten die Vorgaben der Staatsregierung?

Es gibt einen Anforderungskatalog. Grundvoraussetzung sind rund 11000 Quadratmeter Nutzfläche zuzüglich Freiflächen, um Ausstellungsräume, Depots, Verwaltung und Gastronomie unterzubringen. Der Standort soll ein symbolträchtiger Ort für die Geschichte Bayerns sein und für die Demokratiegeschichte oder den Strukturwandel stehen.

Wichtig sind eine gute Verkehrsanbindung innerhalb des Freistaates und eine gute Erreichbarkeit für Schulklassen. Gewünscht ist auch eine exponierte Lage für das Museum innerhalb der Stadt, möglichst eingebettet in ein lebendiges kulturelles Umfeld. Bevorzugt werde außerdem, so Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch, ein „touristischer Standort“. Viel Wert wird – im Zuge der neuen Debatte um Atomstrom und regenerative Energien – auch auf die Wärmeeffizienz des Hauses gelegt.

Was spricht für die vorgeschlagenen Augsburger Standorte?

Die unbebaute Wiese an der Schleifenstraße hat den Charme der Nähe zu den Kunstmuseen im Glaspalast und dem tim. Im Falle eines Neubaus entstünde neben den Innenstadt-Museen eine zweite Augsburger Museumsmeile.

Das Gaswerk ist auf den ersten Blick „weit ab vom Schuss”. Die Vorgabe ,exponierte Lage im Ort‘ erfüllt es nicht. Auf der anderen Seite ist es ein bestehendes historisches Ensemble, das sich für ein Museumskonzept eignet. Eigentümer sind die Stadtwerke, die seit Langem nach einem Nutzungskonzept suchen.

Auch ein Einkaufs- und Erlebniszentrum war schon im Gespräch. Bei der Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr müssten die Stadtwerke nachlegen.

Welches Konzept soll in dem neuen Geschichtshaus verfolgt werden?

Die innovativen Ausstellungsideen sind vom in Augsburg ansässigen „Haus der Bayerischen Geschichte” unter Federführung von Chef Richard Loibl entwickelt worden. Die Rede ist von einem „Leuchtturmprojekt” und einem „Touristen-Magneten”. Kunstminister Heubisch stellte die Leitlinien Mitte Mai 2011 dem bayerischen Kabinett vor: „Das Museum soll die Geschichte Bayerns in lebendiger und abwechslungsreicher Form vermitteln”, versprach der Minister.

Im Vordergrund der Ausstellung sollen die Geschichte des Freistaats Bayern seit 1918, die Entwicklung des modernen Bayern im 19. Jahrhundert sowie die vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart reichenden Traditionslinien stehen.

Laut Heubisch wird das Museum als moderner Informations- und Kommunikationsort angelegt, der in Ergänzung der bereits bestehenden Museumslandschaft die für Bayern typische Verbindung von Tradition und Moderne zeigt. Es soll ein „Mitmach”-Museum von Bürgern für Bürger entstehen. Eine Mediathek mit 3-D-Animationen soll einen zentralen Zugang zur medialen Überlieferung der bayerischen Geschichte bieten.

Wie stehen die Augsburger Chancen?

Die Bewerbung ist aussichtsreich. Als älteste Stadt Bayerns ist Augsburg einer der ersten Anwärter auf das neue Geschichtsmuseum. Augsburg erfüllt auch die wichtige Vorgabe, ein symbolträchtiger Ort für den Strukturwandel in Bayern zu sein.

Der Niedergang der noch im 20. Jahrhundert florierenden Augsburger Textilindustrie und der Abzug der amerikanischen Soldaten sind gelebte Beispiele für den Wandel seit der Gründung des Freistaats. Mit der Neuausrichtung der Wirtschaft zu modernen Technologien wie die Verarbeitung von Faserverbundwerkstoffen und Mechatronik symbolisiert Augsburg auch die Verbindung von Tradition und Moderne.

Bislang stehen die meisten Landesmuseen in München. Ministerpräsident Horst Seehofer hat daher anklingen lassen, dass München als Standort nicht erste Wahl sei. Seehofer favorisiert „Regensburg oder eine andere historische Stadt“ als Standort für das Landesmuseum.

Zum Beispiel Augsburg. Bereits in einem Schreiben vom Mai 2010 hatte OB Kurt Gribl sich direkt an Seehofer gewandt und auf die Vorzüge Augsburgs verwiesen: „Selbstbewusst, jedoch ohne überheblich zu sein, meine ich, dass sich Augsburg als Standort geradezu anbieten würde: Augsburg kann auf eine über 2000 Jahre alte Geschichte zurückblicken.“

Wer sind die aussichtsreichsten Mitbewerber?

Insgesamt 28 bayerische Städte haben sich beworben. Neben Regensburg (Oberpfalz) und Augsburg rechnen sich vor allem Würzburg (Unterfranken) und Nürnberg (Mittelfranken) gute Chancen aus. Im traditionell sehr eigenständigen Franken gibt es allerdings schon Stimmen, die ein bayerisches Landesmuseum ablehnen. Kleinere Bewerberstädte wie Viechtach oder Eggenfelden in Niederbayern haben nur Außenseiterchancen.

Wer finanziert das neue Museum?

Das neue Landesmuseum wird als staatliche Einrichtung vom Freistaat Bayern finanziert. In welcher Form sich die Stadt und der Bezirk einbringen müssen, ist derzeit noch offen. Es gibt auch noch keine Schätzung der Gesamtkosten.

Was kann Augsburg tun, um die Bewerbung zu stärken?

Die Vorgaben des Kunstministeriums sind klar definiert (siehe oben). Politisch wäre für den Erfolg der Bewerbung eine große, überparteiliche Mehrheit im Stadtrat wichtig.

Die Staatsregierung wird anerkennen, wenn zudem die ganze Stadt mit ihren Wirtschafts- und Kulturverbänden hinter der Bewerbung stünde. Die Chancen dafür stehen gut.

Zudem wäre es von Bedeutung, wenn es gelänge, die bayerisch-schwäbischen Landtagsabgeordneten aller Parteien für die Bewerbung der Bezirkshauptstadt zu begeistern. Das ist eine Aufgabe für Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl.

Wann fällt die Standortentscheidung?

Die bayerische Staatsregierung will im Oktober 2011 entscheiden. Bis dahin sollen die Unterlagen aller Bewerber-Städte auf ihre Eignung überprüft werden.

Wann wird das Museum eröffnet?

Im Jahr 2018 wird der Freistaat Bayern 100 Jahre alt. Zu diesem Anlass soll das neue Museum eröffnet werden. In Augsburg?

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