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Augsburg

01.11.2019

Augsburg schrieb wieder Ökumene-Geschichte

Der frühere evangelische Regionalbischof Ernst Öffner erinnerte in St. Anna an die Gemeinsame Erklräung vor 20 Jahren.
Bild: Annette Zoepf

Was hat die Gemeinsame Erklärung von Lutheranern und Katholiken gebracht? Bei der Reformationsfeier in St. Anna bewerten vier Zeitzeugen, was seit 1999 geschah

Hochgespannt waren die Erwartungen, als vor zwanzig Jahren das erste bahnbrechende Dokument katholisch-lutherischer Übersteinstimmung in Augsburg unterzeichnet wurde. „Wir konnten das Wehen des Heiligen Geistes geradezu spüren. Er verband uns“, erinnerte sich der damalige evangelische Regionalbischof Ernst Öffner bei der Reformationsfeier in St. Anna an die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre. Aber hat sie zu weiteren Fortschritten im ökumenischen Miteinander der Kirchen geführt? Öffner bilanzierte nüchtern: Die von vielen erhofften Verbesserungen seien kaum gekommen. Trotzdem wollte er ebenso wenig wie drei andere Zeitzeugen am Donnerstagabend in St. Anna von einem Endpunkt sprechen.

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Augsburgs Ökumenereferent hält Zeit der Reifung für nötig

„Es ist viel erreicht, aber noch nicht alles gelöst“, meinte etwa Prälat Bertram Meier, der derzeitige Augsburger Diözesanadministrator und Ökumenereferent des Bistums. Es brauche noch eine Zeit der Reifung, vorschnell möge niemand die noch bestehenden konfessionellen Unterschiede verwischen. Meier bremste den Vorstoß, jetzt schon eine allgemeine Einladung zur wechselseitigen Kommunion auszusprechen. Für konfessionsverbindende Paare freilich könne dies dem eigenen Gewissen frei gestellt werden, wie Papst Franziskus andeutete. Ein Meilenstein der Ökumene sei die Erklärung aber allemal; das hatte er schon 1999 Papst Johannes Paul II. ins vatikanische Statement geschrieben.

Hoffnungsvoll äußerte sich der evangelische Ökumeniker Prof. Bernd Oberdorfer von der Uni Augsburg. „Die Erklärung ist keineswegs folgenlos geblieben“, bekräftigte der Theologe. Sie führte zu einer „Heilung der Erinnerung“, wechselseitiges Vertrauen sei gewachsen. In der strittigen Lehre vom Abendmahl könnte ein weiterer „differenzierter Konsens“ bereits formuliert werden. Allerdings hätte dieser in der Praxis kaum Auswirkungen, solange nicht in weiteren Streitfragen Einigung besteht. Eine neue Studie, an der Oberdorfer mitgeschrieben hat, halte freilich einen Brückenschlag für möglich, seit 2007 elf Kirchen wechselseitig ihre Taufe anerkannt haben.

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Alt-OB Menacher beschwor "Geist von Augsburg"

Zum Weltkulturerbe Wasser in Augsburg würde der Taufgedanke gut passen, befand Alt-Oberbürgermeister Peter Menacher. In der Rückschau auf 1999 beschwor er den „Geist von Augsburg“ und nannte Religionsfreiheit und Toleranz der Friedensstadt einen „geistigen Klimaschutz“. Am 31. Oktober 1999 sei vielen das Herz aufgegangen. Warum solle das nicht wieder geschehen? In St. Anna bekam Menacher dafür herzlichen Applaus.

Lesen Sie dazu auch: Ein Jubiläum, das die Ökumene stärkte

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