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Stadtentwicklung

30.12.2016

Augsburg wächst – Fluch oder Segen?

In dem Neubaugebiet auf dem Areal der ehemaligen Sheridan-Kaserne in Pfersee ist viel neuer Wohnraum entstanden. 
Bild: Ulrich Wagner

Immer mehr Menschen leben in Augsburg. Für Oberbürgermeister Kurt Gribl ist das Thema Wohnen eine große Herausforderung.

Augsburg wächst seit Jahren. Voraussichtlich im Jahr 2019 wird die drittgrößte Stadt Bayerns die Marke von 300000 Einwohnern übertreffen. Wie reagiert die Stadt auf diese Entwicklung? Was sind die Herausforderungen? Ist das Wachstum der Bevölkerung ein Fluch oder ein Segen? Oberbürgermeister Kurt Gribl sagt im Interview mit unserer Zeitung: „Das Entscheidende ist, was wir daraus machen.“ Bei der Bevölkerungsentwicklung handle es sich noch um ein organisches Wachstum.

„Ich vertrete nicht die Auffassung, dass Bevölkerungszunahme um jeden Preis stattfinden sollte. Wir müssen mit unseren Strukturen mitkommen“, sagt der CSU-Politiker. Die Stadt habe sich auf die Entwicklung, die sich in den letzten Jahren abgezeichnet hat, eingestellt. Neue Wohngebiete würden entwickelt. Die Infrastruktur mit der Verkehrsanbindung müsse folgen. Die Stadt müsse für alle Bevölkerungsgruppen Möglichkeiten schaffen, betont Gribl: „Darum haben wir den Fokus auch auf den Innovationspark gelegt und auch die Uniklinik ist in diesem Zusammenhang zu sehen.“

Wohnen für alle Schichten

Wohnraum ist bereits jetzt begehrt. Mit den Wünschen könne das bestehende Angebot kaum mithalten, heißt es vom Immobilienmarkt. Viele Mieter klagen über steigende Kosten. Gribl sagt: „Wir brauchen Wohnmöglichkeiten für alle Bevölkerungsschichten. Ich störe mich daran, dass wir immer nur über den Begriff bezahlbares Wohnen sprechen und damit sozialgefördertes Wohnen meinen.“ Um die Gesellschaftsstruktur zu halten, „brauchen wir Wohnen für alle Schichten“. Das gehe über die Themen Mietpreisspiegel, Mietpreisbremse und geförderter Wohnungsbau hinaus. Nur wenn man es so formuliere, „kann es richtig sein für die Stadt“. Ansonsten würde Augsburg womöglich ein Ort für soziales Wohnen sein und der Platz für sonstiges Wohnen wäre das Umland. Gribl: „Das ist nicht die richtige Entwicklung.“

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Geht es nach dem Rathauschef, muss die Stadtregierung einen aktiven Part übernehmen: „Wir müssen neben den laufenden Projekten in die Ausweisung von Baugebieten kommen.“ Beispiel sei Haunstetten Süd-West, wobei es hier keine kurzfristige Lösung sei. Man muss es jetzt angreifen, wenn es in fünf oder zehn Jahren kommen soll. Gedacht ist an ein Wohngebiet für mehrere tausend Menschen. Allerdings befindet sich die Stadt in einem Anfangsstadium. Es muss eine Einigung mit den Grundstückseigentümern erzielt werden. Gribl: „Wir haben mehrere kleinere Bauflächen, die in der politischen Diskussion sind, konkret etwa in Bergheim. Wir werden innerstädtische Flächen in die Überplanung nehmen.“ Die Stadt sei auf der Suche danach, wo gezielt Wohnbauflächen ausgewiesen werden können. Wunderdinge erwarte er nicht: „Mehr als jetzt tatsächlich gebaut wird, kann auch gar nicht gebaut werden. Wir haben eine hohe Bautätigkeit, durch freie Wohnungsbauunternehmen und durch unsere Wohnungsbaugesellschaft.“

Soziale Spannungen programmiert

In der Debatte kommt die Frage auf, ob Hochhäuser oder eine Lockerung der Geschossflächenzahl eine Lösung wären. Gribl hält davon wenig: „Man muss bedenken, welche Strukturen man schafft und welche Probleme damit verbunden sind. Soziale Spannungen wären womöglich programmiert, wenn sich in diesen Gebieten viele hilfsbedürftige Menschen ansiedeln.

Gribl will verhindern, dass Augsburg als vergleichsweise arme Stadt sich weitere finanzielle Lasten aufbürdet: „Ich wäre sehr dafür, wenn es eine abgestimmte Wohnbaupolitik mit Nachbarstädten gäbe, und zwar nicht nur nach der Rosinentheorie – wer macht gehobenen und wer macht sozialen Wohnbau –, sondern dass alles als gemeinsamer Raum begriffen wird. Arbeitsplätze sind ein gemeinsames Gut, Wohnen ist eine gemeinsame Aufgabe und Tragen von Soziallasten eine gemeinsame Verpflichtung.“

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