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Müll

02.02.2018

Augsburg will Flut an Kaffee-Bechern eindämmen

Augsburg sagt Einwegbechern den Kampf an. Eine Initiative zeigt, welche Cafés Becher befüllen. Die Stadt führt das totgeglaubte Pfandsystem ein. Ob Starbucks mitzieht?

Der Kaffee unterwegs ist schnell getrunken. Was bleibt, ist der Müll. Jeden Tag werden in Augsburg geschätzt 27.000 Einweg-Getränkebecher weggeworfen. Noch im Sommer vergangenen Jahres hat die Stadt im Bemühen, die Abfallflut einzudämmen, einen herben Dämpfer erlitten. Bei der Vorstellung eines einheitlichen Mehrwegsystems zeigten Bäckereien und Cafés kein Interesse. Nun gibt es eine überraschende Wende. Und darüberhinaus eine weitere Kampagne, die von den Ausschankbetrieben gut angenommen wird.

Das Projekt schien gescheitert, nun soll es in diesem Jahr doch eingeführt werden: Augsburg bekommt ein einheitliches Mehrwegsystem in Kooperation mit der Münchner Firma Recup. Laut Umweltreferent Reiner Erben haben sich bislang sechs Augsburger Kaffeehäuser und Bäckereien bereit erklärt mitzumachen. „Auch eine große Kette ist dabei.“ Bei dem einheitlichen Pfandsystem verkaufen die teilnehmenden Betriebe den Kaffee in recycelbaren Kunststoffbechern gegen ein geringes Pfand.

Mehrweg-Becher mit Stadtsilhouette

Die Becher werden von der Firma Recup gestellt. Sie können nach Gebrauch bei jedem Unternehmen, das bei dem System mitmacht, wieder zurückgegeben werden. In anderen Städten, wie Rosenheim oder München, gibt es dies bereits. „Letztes Jahr dachte ich nicht mehr daran, dass es klappt. Jetzt bin ich heilfroh“, sagt Umweltreferent Reiner Erben. Er und sein Team hätten in den vergangenen Monaten dafür viel Überzeugungsarbeit geleistet. Dabei ging es vor allem um folgenden Knackpunkt.

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Viele Gastro-Betriebe wollen nämlich am eigenen Werbeaufdruck auf ihren eigenen Bechern festhalten. Ein Argument, das Erben nachvollziehen kann, wie er sagt. Doch angesichts öffentlicher Diskussionen über Vermüllung und Nachhaltigkeit setze bei Verbrauchern und Anbietern ein Umdenken ein, beobachtet er. „Inzwischen ist es für die Kaffeehäuser und Bäckereien auch ein Marketing-Aspekt, bei einem einheitlichen Pfandsystem dabei zu sein. Das ist gut fürs Image.“

Anfang März werde den Teilnehmern, die bislang zugesagt haben, das Pfandsystem präsentiert. Der Umweltreferent rechnet damit, dass weitere Gastrobetriebe dazustoßen. „Wir sind dabei, weitere zu gewinnen.“ 10.000 Becher seien schon mal vom städtischen Abfallwirtschaftsund Stadtreinigungsbetrieb bei Recup in Auftrag gegeben worden. Auf ihnen wird Augsburgs Stadtsilhouette mit Perlachturm und Rathaus zu sehen sein. „Leute, die mit so einem Kaffeebecher in Augsburg in den Zug nach München steigen, können ihn auch dort dann abgeben.“ Auch an anderer Stelle rührt sich etwas im Kampf gegen den Kaffeebecher-Müll.

In vielen Cafés kann ein eigener Becher mitgebracht werden

Die Initiative „Forum Plastikfreies Augsburg“ hat eine Kampagne ins Leben gerufen mit dem Namen: „Bring your own cup“, also „bring deine eigene Tasse mit“. Die grünen Aufkleber mit dem Slogan kleben inzwischen an Fenstern, Türen oder Kaffeemaschinen von rund 25 Cafés und Bäckereien in der Stadt. Sie signalisieren dem Kunden, dass er hier den Kaffee oder Tee in seinem eigenen mitgebrachten Becher ausgeschenkt bekommt. Bei manchen gibt es dafür sogar ein paar Cent Rabatt. „Bei vielen Coffee-to-go-Ausschankstellen rennen wir mit den Aufklebern offene Türen ein,“ erzählt Sylvia Schaab, Sprecherin der Initiative.

Dieser Aufkleber signalisiert den Kunden: Hier kann ich meinen eigenen Kaffeebecher befüllen lassen. Häufig gibt es dafür sogar Rabatt.
Bild: Sarah Schützenberger (Archiv)

Stefan Wolf, Geschäftsführer der gleichnamigen Bäckerei, habe sogar versprochen, die Aufkleber eigenhändig an die Türen seiner 31 Filialen zu kleben. Schaab berichtet, dass die Mitarbeiter zeitgleich geschult wurden, wie sie die Hygiene hinter der Theke einhalten. Eine Übersicht über die teilnehmenden Betriebe gibt es auf der Internetseite des Forums. Dort erfährt man auch, wie hoch der Rabatt jeweils ausfällt. Im Kitzenmarkt am Ulrich etwa spart sich der Kunde mit einem eigenen Becher 20 Cent, bei der Bio Bäckerei Schubert zehn Cent. „Bring your own cup“ – Schaab erklärt, warum sie einen englischen Slogan wählten.

Was bringt Starbucks?

„Wir haben lange darüber diskutiert, ob deutsch oder englisch. Aber Coffee-to-go ist nun mal englisch und die Leute, die das nutzen, sind mit diesen Begriffen vertraut.“ Auch bei Starbucks, das bald nach Augsburg kommt, wolle man für die Kampagne werben. Die Kaffeehauskette zieht, wie berichtet, nach dem Umbau in das ehemalige K&L-Gebäude am Königsplatz ein. Diese Nachricht sorgte bei etlichen Augsburgern bereits für Freude. Manche aber befürchten, dass der Müll nur noch weiter zunehme.

Starbucks allerdings bietet seinen Kunden nach eigenen Angaben bereits seit 16 Jahren an, eigene Tassen und Becher mitbringen zu können. Man lege sehr großen Wert auf Nachhaltigkeit, betont Annick Eichinger, PR-Managerin Starbucks Europe . Durch das Angebot „Bring your own tumbler“ wolle man den Abfall reduzieren. „Als kleines Dankeschön erhalten die Gäste 30 Cent Nachlass auf das Getränk.“ Sylvia Schaab vom „Forum Plastikfreies Augsburg“ sieht Starbucks gelassen entgegen. „Ich finde es gut, dass im Starbucks selber die Getränke in Porzellan ausgeschenkt werden. Das macht auch nicht jeder.“ Ob in Augsburg dann mehr Kaffee-to-go konsumiert werde, müsse sich erst zeigen. „Vielleicht verlagert sich das Geschäft auch nur.“

Info: Interessenten am Recup-Merhwegsystem können sich an die Abfallberatung beim aws wenden unter 0821/324 4890 oder abfallberatung@augsburg.de. Aufkleber für die Kampagne „Bring your own cup“ u.a. über info@plastikfreies-augsburg.de.

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