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Arbeitsmarkt

26.08.2013

Augsburg wird zur Pendlerzentrale

Der Fugger-Express
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Der Fugger-Express
Bild: Michael Hochgemuth

Augsburg wirbt aktiv um von steigenden Mieten geplagte Münchener und befeuert so die Pendlerstatistik Bayerns. Dabei lässt die gute wirtschaftliche Entwicklung Augsburg selbst zum Pendlerziel werden.

In Augsburg sorgen günstige Rahmenbedingungen derzeit dafür, dass die kleinen und mittelgroßen Unternehmen der Region ihre aktuelle Geschäftslage und zukünftige Entwicklungen als sehr gut einschätzen. Die Bereitschaft zu investieren, neue Mitarbeiter einzustellen und diese weiterzubilden wächst in Augsburg und im Umland. Viele Arbeitnehmer sind daher auch bereit, für einen guten Job längere Fahrtwege auf sich zu nehmen.

Bayern ist Pendlerland

Daher pendeln immer mehr Menschen in Bayern zwischen Wohnort und Arbeitsplatz. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und der Bundesagentur für Arbeit fahren etwa 337.000 Menschen täglich nach München, knapp 20.000 mehr als zwei Jahre zuvor. Um 4.000 auf 144.000 ist die Zahl der Pendler in Nürnberg gestiegen, nach Augsburg fahren circa 68.000 Personen, um hier zu arbeiten. Für ganz Bayern hat das IAB eine Zahl von zwei Millionen Pendlern errechnet.

Die Gründe für das Pendeln liegen sowohl im Arbeits- als auch im Immobilienmarkt. Arbeiten Paare in verschiedenen Städten, ist die gemeinsame Wohnung häufig der Grund für das Pendeln. Doch es gibt auch wirtschaftliche Gründe. So ziehen beispielsweise etliche Münchener nach Augsburg, weil die Mieten in der Landeshauptstadt inzwischen zu teuer geworden sind. Für günstigere Wohnungen nehmen die Pendler längeren Fahrtwege und hohe Fahrtkosten auf sich. Der negative Effekt: Die Pendler sorgen für eine höhere Nachfrage auf dem Immobilienmarkt und ziehen damit die steigenden Preise mit.

Augsburg wird zur Pendlerzentrale

Dass von Augsburg aus immer mehr Menschen nach München pendeln, lässt sich gut an den Zahlen der Bayerischen Eisenbahngesellschaft ablesen. Berichten zufolge ist die Zahl der Fahrgäste auf dieser Strecke seit 2003 um 65 Prozent gestiegen. Die S-Bahn München bringt auf jeder ihrer Linien an einem durchschnittlichen Werktag zwischen 20.000 und 40.000 Fahrgästen nach München.

Aufstrebende Städte wollen Fachkräfte halten

Doch nicht alle Städte befinden sich in einer so komfortablen Situation wie München als wirtschaftlicher Mittelpunkt Bayerns. Das unterfränkische Würzburg beispielsweise bietet zwar einen regional gut aufgestellten Stellenmarkt und eine optimale Infrastruktur, verfügt jedoch nicht über eine überregionale Strahlkraft wie München. Verändern sich Standortfaktoren wie Mieten hier zum Nachteil für die Arbeitnehmer, ist die Wahrscheinlichkeit der permanenten Abwanderung von Fachkräften deutlich höher. Die Stadt will mit der Allianz „Fachkräfte für Mainfranken“ junge Erwachsene ohne Berufsabschluss noch zum Ausbildungsstart 2013 in eine betriebliche Ausbildung bringen. Damit soll verhindert werden, dass immer mehr Fachkräfte von außerhalb benötigt werden. Die Stadt will ihre eigenen Fachkräfte ausbilden und qualifizieren und dem drohenden Fachkräftemangel mit dieser Initiative entgegen wirken.

Das Ruhrgebiet kämpft um gut ausgebildete Zuzügler

Was für mittelgroße, wirtschaftlich dennoch starke Städte bereits schwierig ist, wird in strukturschwächeren Gebieten noch komplizierter. Das Ruhrgebiet steckt noch immer in einem Strukturwandel von einer Industrieregion zum Wissens- und Dienstleistungszentrum. Die Umwälzungen haben auf dem Arbeitsmarkt Spuren hinterlassen, noch immer leiden viele Städte unter anhaltend großer Arbeitslosigkeit. Dennoch gibt es im Ruhrgebiet viele Jobs für qualifizierte Fachkräfte, eine gute Infrastruktur und vielerorts günstigen Wohnraum – nur zieht es viele Deutsche in die starken Wirtschaftszentren statt nach Dortmund oder Bochum.

Zugute kommen könnte der Region nun die Krise in anderen europäischen Ländern. Aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamtes Nordrhein-Westfalen zufolge steigt die Zahl der Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft im Ruhrgebiet seit einiger Zeit deutlich an. Fast jeder zehnte Bewohner NRWs besitzt keinen deutschen Pass, erhofft sich in Deutschland jedoch bessere Perspektiven. Dass den Zahlen zufolge knapp die Hälfte der Zuwanderer einen hohen Bildungsabschluss besitzt, kann der Region einen wirtschaftlichen Schub geben.

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