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Asyl

11.01.2018

Augsburger Anwalt will Flüchtlingen nach Suizidversuch helfen

Eine Demo des Flüchtlingsrats gegen Abschiebungen in Augsburg.
Bild: Bernd Hohlen (Archiv)

Eine Mutter floh mit ihren Kindern vor dem gewalttätigen Familienvater aus dem Kosovo. Als sie abgeschoben wurden, wollten sie sich das Leben nehmen. Nun bekommen sie Hilfe.

Eine Familie hatte im Herbst nach der Abschiebung in den Kosovo aus Verzweiflung über die Situation einen gemeinsamen Selbstmordversuch unternommen. Nun will ein Rechtsanwalt deren Rückkehr nach Augsburg durchsetzen. Der Anwalt Eberhard Bofinger sagte auf Anfrage unserer Redaktion, er bereite derzeit entsprechende Klagen vor. Spätestens Anfang der nächsten Woche werde er die Klagen einreichen. Er könne nicht nachvollziehen, warum die Behörden die Abschiebung ausgerechnet in diesem Fall „mit voller Härte“ betrieben hätten.

Der Fall gilt als erledigt - für eine Seite

Es geht in dem Fall um eine Mutter, Xhevrije R., die mit ihren drei Kindern aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen war. Sie flohen aber nicht aus politischen Gründen, sondern wegen ihres gewalttätigen Ehemanns und Vaters. Nach Angaben des Augsburger Flüchtlingsrats, einem Zusammenschluss von ehrenamtlichen Asyl-Unterstützern, waren die Mutter und ihre Kinder im Kosovo „extremer häuslicher Gewalt“ ausgesetzt. Häusliche Gewalt ist aber kein Asylgrund. Deshalb lehnten die Behörden die Asylanträge ab und sorgten nun für Abschiebung. Zuständig für die Abschiebung der Familie war die Regierung von Schwaben.

Dort gilt der Fall jetzt als erledigt. Es sind vier weitere Abschiebungen nach Ex-Jugoslawien, die der bayerische Innenminister als Erfolg vermelden kann, wenn er Bilanz zieht. Anwalt Eberhardt Bofinger spricht dagegen von einem „Härtefall“ und ist der Ansicht, dass man die Familie nicht hätte abschieben dürfen. Laut Flüchtlingsrat litten Mutter und Kinder unter einer enormen psychischen Belastung. Gutachten bestätigten schwere psychische Erkrankungen, darunter Depressionen und Psychosen. Besonders betroffen ist demnach die älteste Tochter, Elbasana D., 27. Sie habe bereits in Deutschland einen Suizidversuch unternommen und sei deshalb mehrere Monate im Bezirkskrankenhaus behandelt worden.

Behörden stufen Situation im Kosovo als gut ein

Ausgerechnet Elbasana D. wurde von den Behörden am 10. Oktober vorigen Jahres alleine abgeschoben. Erst neun Tage später wurde dann auch Xhevrije R. und die beiden Söhne Muhamet, 27, und Migjen, 14, in den Kosovo geflogen. Migjen besucht in Augsburg die Schule. Er habe sich gut in der Schule eingebracht und sei sogar als Vermittler bei Streitereien aufgetreten, steht in einem Brief einer Lehrerin.

Abgeschoben wurde die Familie auf der Basis eines Gutachtens, welches allen Betroffenen attestierte, dass ihr Gesundheitszustand die Reise in den Kosovo zulasse. In dem Gutachten wurde aber die Frage aufgeworfen, ob die Familie im Kosovo angesichts der Probleme lebensfähig ist.

Kurz nach der Rückkehr in den Kosovo sollen die Mutter und die beiden erwachsenen Kinder versucht haben, sich mit einer Überdosis Tabletten das Leben zu nehmen. Sie wurden deswegen in einer Klinik in der Stadt Gjakovo behandelt. Inzwischen sind sie alle wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden und vorläufig bei Verwandten untergekommen. An der psychischen Situation der Betroffenen habe sich aber nichts geändert – das bescheinigt nach Angaben von Anwalt Eberhard Bofinger auch der Entlassbrief der Klinik.

Die Behörden hätten die Familie auch deshalb abgeschoben, weil sie die medizinische Versorgung von psychisch kranken Menschen im Kosovo als gut einstuften. Der Rechtsanwalt bewertet das als Fehleinschätzung. Er ist zuversichtlich, dass er eine Rückkehr von Mutter und Kindern vor Gericht durchsetzen kann.

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