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Bild: Christoph Schmidt, dpa (Symbolbild)
Bild: Christoph Schmidt, dpa (Symbolbild)

"Wir können keine Filme mehr sehen." Man könne sich noch so gern haben, irgendwann sei er einfach da, der Lagerkoller, sagt Carola P.*.

Augsburg
26.03.2020

Augsburger Corona-Patientin berichtet von der Zeit in Quarantäne

Von Ina Marks

Plus Eine Augsburger Familie ist an Corona erkrankt. Die Mutter erzählt, dass in der Quarantäne sogar die Müllentsorgung zum Thema wurde. Über was sie sich freute und ärgerte.

Nachts schleicht sich Carola P.* durch das Treppenhaus des Mehrfamilienhauses. Mit Handschuhen bringt sie den Müll zu den Tonnen hinunter. Ansonsten bleiben sie und die Familie seit über zwei Wochen strikt in ihrer Wohnung. Mutter, Vater und Tochter sind am Coronavirus erkrankt und in Quarantäne.

Corona-Patientin aus Augsburg: "Das war total verrückt"

Sie stehen kurz vor der Genesung, hinter ihnen liegt keine einfache Zeit. Eine Zeit, die mit Anspannung verbunden war, aber auch mit positiven Erfahrungen. Carola P.* (Name geändert) hustet noch am Telefon, auch ihren Mann hört man im Hintergrund. Doch die Familie, die sich auf einer Israelreise in den Faschingsferien mit dem Coronavirus infiziert hatte, ist auf dem Weg der Besserung. Zum Glück, wie die 46-Jährige sagt. „Wir können keine Filme mehr sehen.“ Man könne sich noch so gern haben, irgendwann sei er einfach da, der Lagerkoller.

Erst waren nur Ehemann und Tochter an Covid-19 erkrankt, dann erwischte es auch die Mutter. Letztendlich hatten sich etliche Teilnehmer der Israelreise, bei der 17 Menschen aus Augsburg stammten, angesteckt, berichtet Carola P. Sie beschreibt ihre eigenen Symptome. „Ich hatte starken Husten, aber Nase und Nebenhöhlen waren völlig frei.“ Trotzdem habe sie nichts gerochen. „Das war total verrückt. Ich konnte nicht einmal Shampoo oder Waschmittel wahrnehmen.“ Auch der Geschmackssinn sei plötzlich weg gewesen.

Ihr Mann hatte anfangs Fieber. Sie alle seien sehr abgeschlagen gewesen. Umso mehr freute sich Carola P., dass Menschen für sie da waren. Das sei eine schöne Erfahrung. „Wir haben liebe Nachbarn und Arbeitskollegen, die für uns einkauften und die Sachen vor die Tür stellten.“ Das Geld für die Einkäufe überwiesen sie. Kopfzerbrechen allerdings bereitete der erkrankten Familie eine Bestellung von 30 Kilogramm Katzenstreu – und Futter. Das schwere Paket wurde in einem Paketshop hinterlegt. Doch wer sollte es abholen?

Corona: Nachts mit dem Hausmüll durchs Treppenhaus

Carola P. entdeckte auf Facebook eine Gemeinschaft, die derzeit ihre Hilfe anbietet. Sie nahm darüber Kontakt zu einem jungen Mann auf, schickte dem Fremden per Whats-app das Bild vom ausgefüllten Paketschein. Der freiwillige Helfer holte das Paket ab und stellte es Familie P. vor die Tür. „Das war so toll“, freut sich die Mutter. Sie übt aber auch Kritik. Ärzte, Behörden – jeder sage etwas anderes. „Der eine Arzt sagt, man könnte trotz Erkrankung mit Mundschutz spazieren gehen, der andere meint, man soll daheim bleiben.“ Eine Frau vom Gesundheitsamt habe grünes Licht gegeben, dass die Familie ihren Hausmüll entsorgen könne. Carola P. macht das nachts mit Handschuhen. Sie will im Treppenhaus keinen Nachbarn begegnen.

 

In den nächsten Tagen soll Familie P. erneut getestet werden. Dann müssen Mutter, Vater und Tochter beim Corona-Drive-in in Haunstetten vorfahren. Man will überprüfen, ob sie wieder vollkommen gesund sind. Carola P. kann es kaum erwarten. "Denn zuhause gehen wir uns allmählich auf die Nerven."

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