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Augsburg

25.02.2018

Augsburger Forscher helfen der Polizei beim Verbrecherfang

Der Augsburger Hochschulforscher Peter Schulik zeigt, wie man selbst aus einem zerstörten Smartphone den Speicherchip retten und daraus Daten rekonstruieren kann.
Bild: Michael Hochgemuth

Die Hochschule Augsburg und das Polizeipräsidium arbeiten nun zusammen - um Tätern durch die Auswertung digitaler Spuren auf die Schliche zu kommen. Wie läuft das ab?

Es war Mord. Am Tatort treffen die ersten Teams der Polizei ein, um die üblichen Spuren zu sichern: Mordwaffe, DNA oder verräterische Fasern, die vom Täter stammen. Klassische Ermittlungsarbeit eben. Dann wird neben dem Opfer ein Smartphone gefunden. Doch es ist zertrümmert, die Schnittstellen zum Auslesen von Daten sind zerstört. Was könnte dieses kaputte Handy noch über Verbindungen zwischen Täter und Opfer verraten? Hier beginnt die Arbeit der Cyber-Ermittler im Polizeipräsidium Schwaben Nord. Die Kommissare bekommen nun Unterstützung von Wissenschaftlern. Am Freitag wurde ein Kooperationsvertrag zwischen dem Präsidium und der Hochschule Augsburg unterzeichnet.

Kriminelle finden immer wieder Sicherheitslücken

In der Polizeiarbeit wird die Auswertung digitaler Spuren – die IT-Forensik – immer wichtiger. Studien zufolge nutzen rund 80 Prozent der Deutschen ein Smartphone. Auch insgesamt steigt Zahl von Geräten, die an das Internet angeschlossen sind, permanent an. Lampen, Steckdosen, Bewegungsmelder an Fenstern und Türen oder Haushaltsgeräte sind miteinander vernetzt und sammeln nebenbei Daten über den Nutzer.

Das sind Informationen, die bei der Aufklärung von Verbrechen helfen können. Doch es gibt auch ein Problem. „Die Entwicklungen gerade im Bereich der IT-Forensik sind enorm und entfalten eine unheimliche Dynamik und Geschwindigkeit“, sagt der Präsident der Hochschule Augsburg, Gordon Thomas Rohrmair. Kriminelle finden immer neue Wege, um Sicherheitslücken zu nutzen.

Digitalisierung steht an der Hochschule Augsburg schon länger im Fokus

An der Hochschule spielt das Thema Digitalisierung in Forschung und Lehre schon länger eine große Rolle. Am hochschuleigenen Institut für innovative Sicherheit (HSA innos) werden auch Unternehmen in Sachen Datensicherheit beraten. Deshalb ist es für die Forscher wichtig, aktuelle Entwicklungen zu analysieren. Als ein Beispiel nennt Rohrmair Erpressungen im Internet, bei denen Daten im Computer blockiert und nur gegen Lösegeld wieder freigegeben werden. Ein anderes Beispiel ist das Internet der Dinge, in dem Nutzer viele digitale Spuren hinterlassen – Daten, die von Kriminellen missbraucht werden können.

Die neuesten Erkenntnisse der IT-Forensiker an der Hochschule will wiederum das Polizeipräsidium Schwaben Nord stärker nutzen. Präsident Michael Schwald sagt: „Wir wollen mit der Kooperation den Wissenstransfer zwischen Polizei und Hochschule intensivieren. So haben wir die Möglichkeit, an innovativen Entwicklungen teilzuhaben und diese für die kriminalistische Ermittlungsarbeit zu nutzen.“

Die Polizei will mit der Kooperation digitale Spuren besser auswerten können

Es gehe darum, festgestelltes Täterverhalten anonymisiert in Bekämpfungsstrategien einzubringen, um es Straftätern möglichst schwer zu machen. Das große Ziel des neuen Kooperationsvertrages ist es, die Zusammenarbeit von Hochschule und Polizeipräsidium in der Forschung, Entwicklung und Ausbildung im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik zu formalisieren und zu koordinieren. Die Kooperation sieht vor, dass sich die Experten der Polizei Schwaben Nord regelmäßig mit den Innos-Informatikern über aktuelle Entwicklungen in der IT-Forensik austauschen.

Darüber hinaus sollen neue Möglichkeiten für Hospitanzen und Praktika von Hochschulstudenten bei der Polizei geschaffen werden. Ein weiteres Thema ist, passgenaue Weiterbildungsmöglichkeiten zur Cybersicherheit und IT-Forensik zu entwickeln. Schwald betont, dass es bei der Zusammenarbeit um grundsätzliche Fragen gehe, wie digitale Spuren in der Polizeiarbeit noch besser ausgewertet werden können. Bei der täglichen Ermittlungsarbeit sollen die Hochschulforscher die Kommissare nicht unterstützen. Wichtig ist dem Präsidenten des Polizeipräsidiums auch, dass es nicht vorgesehen sei, mit Hilfe von Wissenschaftlern große Datenmengen ohne Anlass zu sammeln. Vielmehr gehe es um fallbezogene Informationen. Leitender Kriminaldirektor Marco Böck sagt, dass für die Ermittler gerade auch Erkenntnisse über Verhaltensweisen von Tätern immer wichtiger werden, die sich über digitale Spuren nachvollziehen lassen. Das erweitere die Aufklärungsmöglichkeiten bei Verbrechen erheblich.

Hochschulforscher können Daten aus kaputten Smartphones auslesen

Wie das konkret aussehen kann, demonstrierte am Freitag ein Forscher der Hochschule. Peter Schulik arbeitet mit seinem Team an fortgeschrittenen Techniken, die helfen, Daten von vernetzten Geräten auszulesen und zu rekonstruieren. Das funktioniert selbst bei einem zerstörten Smartphone, bei dem die normalen Schnittstellen zur Datenübertragung nicht mehr vorhanden sind (Bluetooth oder USB), oder in dem zuvor problemtische Daten gelöscht wurden. Beispielsweise kann Schulik den wärmeempfindlichen Speicherchip im Handy mit Fräse und Schleifmaschine vorsichtig aus dem Smartphone lösen und dann den Inhalt auslesen.

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