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Augsburg

17.12.2019

Augsburger Friseure sind verärgert über Barber-Shops

Die Friseur-Innung beklagt, dass Barber-Shops in Augsburg mehr anbieten als Rasuren.
Bild: Daniel Karmann, dpa

Plus Ein Meister sagt, viele Barbiere verstießen gegen Auflagen und schadeten dem Friseurhandwerk. Die Kammer hält dagegen: Sie prüfe jeden, der einen Laden eröffnen will.

Barber-Shops, also Läden, die sich speziell um die Bartpflege beim Mann kümmern, liegen im Trend. Auch in Augsburg entstehen immer mehr solcher Betriebe. Zu finden sind sie ganz geballt in der Wertachstraße in Oberhausen, aber auch in allen anderen Stadtteilen.

Nimmt man die Definition eines Barber- ganz genau, dürften dort nur Bärte bearbeitet oder Augenbrauen, Nasen- und Ohrenhaare behandelt werden. Eine klassische Friseurdienstleistung, wie das Haareschneiden oder das Haarefärben, ist nicht erlaubt. Auch weil Barber kein geschützter Begriff ist und sich theoretisch jeder ohne Nachweis bestimmter Fähigkeiten auf diesem Gebiet selbstständig machen darf.

Barber-Shops bieten Haarschnitte ab zwölf Euro

De facto aber, so klagen Friseure in ganz Deutschland, halte sich kaum ein Barber-Shop-Betreiber an diese Vorgaben. „Ich kenne auch in Augsburg keinen solchen Laden, der tatsächlich nur Bärte schneidet“, beschwert sich Matteo Leggio, Obermeister der Augsburger Friseur-Innung und Sprecher der Innungsmitglieder. „Hier bieten Leute meist ohne jede Kenntnisse zusätzlich klassische Friseurdienstleistungen an, die ich und meine Mitarbeiter in einer dreijährigen Ausbildung erlernt und teils mit einer Meisterprüfung intensiviert haben“, ärgert er sich. Auch die oft sehr günstigen Preise – Haarschnitte werden laut Innung ab zwölf Euro angeboten – seien inakzeptabel, „Wenn unsere Meisterbetriebe diese Preise übernehmen würde, wären die Geschäfte innerhalb kürzester Zeit pleite.“ Barber-Shops, so argumentiert der Obermeister weiter, stünden zunehmend in Konkurrenz zu den Meister-Friseurbetrieben.

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Vor allem weil diese Betriebe laut Friseurinnung ihr Angebot weiter ausbauen wollen: „Immer mehr Barber-Shop-Betreiber wollen nun auch Dienste wie Haarefärben oder Dauerwelle anbieten. Das kann nicht sein“, schimpft Leggio. Zwar müssten die Interessenten einen entsprechenden Eignungstest ablegen, der ihnen die Fähigkeit für diese Dienste bescheinigt, aber das ist der Innung nicht genug. Immerhin muss bei diesen Arbeiten mit Gefahrstoffen gearbeitet werden. Werden Färbemittel falsch angewendet, könnten schlimme Verbrennungen oder Reizungen der Haut entstehen, warnt der Experte. Da brauche es mehr als einen Eignungstest.

Lesen Sie dazu auch: Wie in der Wertachstraße acht Friseure auf 400 Metern überleben

"Eine Abwertung des Ausbildungsberufs"

Auch ein anderer Punkt mache ihn und die Innungsmitglieder nachdenklich: Über die Eignungstests, so befürchten die Meisterbetriebe, könnten sich ungelernte Kräfte binnen kürzester Zeit die Erlaubnis für sämtliche Friseurdienstleistungen beschaffen, ohne je eine Ausbildung gemacht zu haben. „Das wertet die Ausbildung zum Friseur ab, und wir haben ohnehin schon wenig Nachwuchs“, argumentieren die Experten.

Wenig hilfreich sei vor allem die Handwerkskammer, die aus Sicht der Innung bei der Genehmigung entsprechender Betriebe nicht streng genug sei. Ihr ginge es vorrangig darum, die Zahl der eigenen Mitglieder zu erhöhen, nicht um die Qualität im Friseurhandwerk.

Ein Vorwurf, den die Handwerkskammer von sich weist. „Personen, die sich im Friseurhandwerk selbstständig machen möchten, benötigen grundsätzlich den Meisterbrief. Wenn dieser nicht vorhanden ist, kann zwar eine Ausnahmebewilligung beantragt werden. Dazu müssen jedoch triftige Gründe nachgewiesen werden“, erklärt HWK-Sprecherin Monika Treutler-Walle. Ein triftiger Grund liege nur vor, wenn die Erlangung eines Meisterbriefs dem Gewerbetreibenden nicht mehr zumutbar ist, beispielsweise aus Altersgründen. „Dann verpflichtet der Gesetzgeber die Kammern, die Fertigkeiten und Kenntnisse der Antragsteller exakt zu prüfen. Neben Zeugnissen und bisheriger beruflicher Tätigkeit, beispielsweise im Ausland, sieht das Gesetz auch fachpraktische und fachtheoretische Eignungstests vor“, so Treutler-Walle weiter.

In Augsburg gibt es 325 Friseure

Im vergangenen Jahr hätten sich einer solchen Prüfung im Teilbereich „Herrenfriseur ohne haarfarb- und haarstrukturverändende Maßnahmen“ lediglich fünf Teilnehmer in ganz Schwaben unterzogen. Drei von ihnen hätten die Prüfung bestanden. Einer davon hat in Augsburg einen Laden eröffnet. Insgesamt gibt es in Augsburg 325 Friseure (ohne Filialen), denen acht Betriebe mit beschränktem Tätigkeitsbereich gegenüberstehen. „Wir können guten Gewissens sagen, dass alle in Augsburg betriebenen Barber-Shops oder Friseurläden von uns auf ihre Kenntnisse und Fähigkeiten hin geprüft sind“, sagt die Sprecherin der Kammer.

Dass es schwarze Schafe gibt, will sie dennoch nicht ganz ausschließen. Sie betont aber: „Das sind dann diejenigen, die an uns vorbei unter Angabe falscher Tatsachen einen Laden betreiben. Da sind wir zunächst machtlos. Wird uns ein solcher Betrieb gemeldet, gehen wir dem aber selbstverständlich nach.“

Die Befürchtung der Friseur-Innung, minder ausgebildete Barber-Shop-Betreiber mit eingeschränktem Tätigkeitsfeld würden sich Stück für Stück über die angebotenen Eignungstests Genehmigungen für immer mehr Dienstleistungen sichern und einen Dominoeffekt auslösen, teilt die Handwerkskammer nicht. „Entsprechende Anträge wurden bisher nicht gestellt.“

Auch andere Friseure wollen das Thema rund um die Barber-Shops nicht unnötig hochkochen. „Ich sehe in den Barber-Shops keine Konkurrenz. Sie haben ihr ganz eigenes Klientel, das nur in den seltensten Fällen auch zu mir kommen würde“, ist Friseurmeister Markus Steber vom Salon Lockstoff überzeugt. Einig ist er sich mit Leggio aber, dass die Qualität in den Läden – egal ob Barber-Shop oder Friseursalon – stimmen und der Wert der Friseurausbildung erhalten bleiben muss. Das sei Auftrag von Innung und Handwerkskammer.

Lesen Sie auch: Bärte sind im Trend: Worauf Mann bei der Pflege achten sollte

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Die Diskussion ist geschlossen.

19.12.2019

Vielleicht sollten sich die deutschen Friseurbetriebe auch hinterfragen, ob die Konkurrenz im eigenen Laden besser bekämpft werden sollte.

Ich möchte nicht wissen, wie viele Friseurangestellte schwarz in deren Verwandten- bzw. Bekanntenkreis schneiden und sich somit obsolet machen.

So etwas lehne ich grundsätzlich ab. Warum soll ich einer Person schwarz 10 Euro für einen Haarschnitt geben, die sonst keine Ausgaben hat? Da gehe ich lieber zu einem "Barbershop" und weiß, dass mit meinem Geld auch andere Ausgaben gedeckt werden.

Herr Leggio, versuchen Sie lieber dieses Problem anzugehen, bevor sie auf die Barbershops losgehen, die wirklich einen super Job machen.

In diesem

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18.12.2019

Matteo Leggio, Obermeister der Augsburger Friseur-Innung, mixt hier ein paar Themen und legt damit eine falsche Denkspur: Reine Barbershops sind tatsächlich nur sehr wenige Betriebe - die günstigen Preise hingegen sind eine breitere Erscheinung und haben wenig mit der Überschrift „Barbershop“ zu tun. Die 12-18€-Anbieter sind zugelassene (Herren)Friseure und bieten Barberleistungen zumeist in Paketen mit an. Die handwerkliche Professionalität ist meist herausragend, weil ein Friseur etwa 15-20 Kunden am Tag bedient. Der Service ist zumeist umfassender als in deutschen Traditionsbetrieben und die Dienstleistungen passen zu einem bestimmten Publikum. Wenn ich zu einem deutschen Traditionsbetrieb gehe und sage: „einmal komplett“ (Haarschnitt mit zweimal waschen, Ohren- und Nasenhaare mit Wachs, Augenbrauen, Gesichtshaare mit Fadentechnik oder Wachs), dann werden diese Dienstleistung zu meist gar nicht so angeboten. Ich empfehle Obermeister Matteo Leggio mal zu Gözde Coiffeure in die Pilgerhausstrasse zu kommen und sich verwöhnen zu lassen. P.S. Einen Friseurmeister gibt es da auch!

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17.12.2019

Ich oute mich, dass ich seit Jahren nur noch zu diesen Barbershops gehe, weil sie in meinen Augen die Besten sind. Viele deutsche Friseure können sich von ihnen eine ganz ganz dicke Scheibe davon abschneiden.

Nicht nur der Preis spielt für mich eine Rolle, der wirklich unschlagbar ist, aber ich zahle bereitwillig mehr, weil der Rest ebenfalls passt. Augenbrauen und Ohrenhaare werden ohne Aufpreis mitgemacht und sie sind wahre Virtuosen, was die Arbeit mit der Rasierklinge angeht.

Woanders wird nur lieblos mir dem elektrischen Haarschneider geschoren und dann verlangt man dafür unverschämte 20 bis 25 Euro.

Wie gesagt, bei den Barbershops ist der Preis zweitrangig. Der Service passt einfach. Ich bleibe dabei !!!

In diesem Sinne

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