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Augsburg

25.01.2020

Augsburger Musikmanager Walter Czermak zieht sich zurück

Walter Czermak hat sich nach 42 Jahren aus dem Musikgeschäft in Augsburg zurückgezogen.
Foto: Silvio Wyszengrad

Plus Walter Czermak sagt nach 40 Jahren der Musikbranche ade. Er hat Stars wie Haindling gemanagt, trotzdem drehen sich seine schönsten Erinnerungen um etwas Anderes.

Fragt man Walter Czermak nach ganz besonderen Erinnerungen, kommen keine großen Namen aus dem Showgeschäft, mit denen er zu tun hatte. Nein, es ist der erste Marathon deutscher Sportler 2016 durch Bhutan. Er war einer von sieben Läufern durch ein Land, das die Philosophie des „Bruttonationalglücks“ verfolgt. Den Augsburger hat dieses Land wegen der atemberaubenden Landschaft, der Stille und der Freundlichkeit der Menschen zutiefst beeindruckt.

Seinen inzwischen 19. Marathonlauf absolvierte der heute 66-jährige Czermak 2018 in den Straßen der kanadischen Stadt Vancouver. Das ist seine Leidenschaft, die er seit Langem pflegt, und die ihn darüber hinaus rank und schlank hält. Ansonsten saß der gebürtige Dinkelsbühler, der mit 15 nach Augsburg kam, viel am Schreibtisch. Zumindest bei der Konzertagentur „Hello Concerts“, die er mit Lothar Schlessmann (dem quirligen „Außenminister“ des Unternehmens) 1986 gegründet hat.

Walter Czermak vor dem ehemaligen Regierungssitz Phunaka Dzong in Bhutan.
Foto: Czermak

Walter Czermak war ein schulischer Spätzünder

„Schulisch war ich ein Spätzünder“, erzählt Czermak, der eine Lehre zum Groß- und Außenhandelskaufmann begann und dann am Bayernkolleg Abitur machte. Nach Umwegen über Göttingen und der TU München landete er an der Augsburger Uni und studierte Betriebswirtschaft. Kein Fehler bei seiner späteren Berufswahl.

Denn trotz der teils trockenen Studienmaterie war Musik immer Thema in seinem Leben. Bereits 1981 stand er im Organisationsteam des 1. Augsburger Popfestivals, der erwirtschaftete Gewinn ging damals an soziale Projekte. Irgendwann lernte er den großen Zampano im Showgeschäft, Marcel Avram, kennen, der für Michael Jackson Welttourneen organisierte – und natürlich jede Menge bekannte Musiker. Mit Rory Gallagher stand er an der Bar im Alpenhof, Barclay James Harvest oder Alice erlebte er hautnah. Czermak erzählt eher kühl von diesen Begegnungen, die bei Fans für Schnappatmung gesorgt hätten. Damals war die Agentur „Chapeau Claque“ der große Fuggerstädter Akteur und er immer mittendrin.

Hören Sie sich dazu auch unseren Podcast an:

Das änderte sich, als er und Lothar Schlessmann 1986 sich zusammentaten und „Hello Concerts“ gründeten mit Büro unterm Dach direkt am Rathausplatz. Sie managten Haindling, schickten Bands wie EAV (Erste Allgemeine Verunsicherung), Spider Murphy Gang oder die Münchener Freiheit auf große Tour, froren mit Enrico de Paruta in den kältesten Kirchen Bayerns und trösteten Lisa Fitz, als mal kaum Zuhörer kamen. Sie freuten sich, als Metallica in der Münchner Olympiahalle „Skandal um Rosi“ „ihrer“ Spider Murphy Gang spielten. Sie koordinierten die Termine, buchten Hotels. Lothar immer der gut gelaunte Reiseleiter, Walter der Fels in der Brandung am Bürotelefon.

Walter Czermak macht erstmal Urlaub in Göggingen

Alles easy? Ja, sagt Czermak. Das letzte Geschäftsjahr sei das Beste in der Firmengeschichte gewesen. Trotzdem hat er im Januar seinen Job als Geschäftsführer aufgegeben, nur als Gesellschafter bleibt er an Bord. „Ich mache jetzt mal Urlaub zu Hause in Göggingen.“

Das sei neu für ihn. Auch wenn er in den letzten Jahren mal einige Tage freinahm, „mit einem Ohr und einem Blick ist man immer in der Firma“. Auch immer auf dem Sprung, sofort wieder am Schreibtisch zu sitzen. Seinen Beruf, den viele mit jeder Menge Glamour verbinden, sieht er nüchtern. „Eigentlich macht man immer wieder das Gleiche.“

Eine Anekdote ist Czermak allerdings im Gedächtnis geblieben. Zur 2000-Jahrfeier 1985 wollte er ein großes Klassik-Open-Air mit den Philharmonikern des Theaters veranstalten. Der Kulturreferent war begeistert, nicht so der damalige Generalmusikdirektor Bruno Weil. Dieser sah die hehre Klassik in Gefahr, gab seiner Ablehnung lautstark Ausdruck und fürchtete den Ausverkauf der „wahren“ Kunst. Heute gibt es dieses Format landauf, landab. Mit viel Erfolg. Alles Schnee von gestern. Jetzt steht, wie man heute auf Neudeutsch sagt, Entschleunigung und Achtsamkeit auf dem Programm. Und wenn’s gar zu fad wird, wieder ein Marathon.

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