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Augsburg

15.06.2017

Augsburger Professorin entwickelt Maschinen, die Gefühle haben

Wie Maschinen mit Menschen sprechen und dabei menschliche Eigenschaften simulieren - mit dieser Frage beschäftigt sich die Augsburger Informatik-Professorin Elisabeth André.
Bild: Peter Fastl

Die Informatikerin Elisabeth André ist mit ihrer Forschung zu künstlicher Intelligenz international erfolgreich. Davon profitieren junge und alte Menschen in ihrem Alltag.

Frau Professor André, Sie gelten als eine der führenden Forscherinnen für Mensch-Maschine-Interaktion und Künstliche Intelligenz. Mit welcher Maschine haben Sie heute schon gesprochen?

Elisabeth André: Wenn ich mit meinem Smartphone Freunde anrufen will, nutze ich gerne die Assistentin Siri. Ich gebe ihr den Auftrag, die Verbindung herzustellen. Das ist sehr bequem.

Sie waren gerade auf einer internationalen Fachtagung in Denver, Colorado, wo Sie eine Auszeichnung bekamen. Wohin geht weltweit der Trend in Ihrem Forschungsbereich?

André: Derzeit werden sehr viele Assistenz-Systeme für Alltagsnutzer entwickelt. Dieser Trend wird sich fortsetzen und verstärken. Das ist auch nötig, denn die digitale Welt und ihre Systeme werden immer komplexer. In Zukunft werden wir von einer rasant steigenden Zahl an vernetzten Alltagsgegenständen umgeben sein, die mit Computertechnik ausgerüstet sind. Wir beschäftigen uns damit, wie ein Nutzer solche digital erweiterten Gegenstände auf möglichst einfache Art und Weise mittels Sprache und Gesten ansteuern kann. So könnte man in Zukunft einem Smart Home einfach mitteilen, dass man Besuch erwartet, und das Smart Home trifft dann selbstständig notwendige Vorbereitungen.

KI muss für Menschen transparent bleiben

Wie sehr brauchen Menschen im Alltag die Hilfe künstlicher Intelligenz?

André: Immer mehr Objekte sind heute ansprechbar, nicht nur das Smartphone. Zum Beispiel kann man der Kaffeemaschine sagen, wie stark sie heute den Espresso machen soll. Künstliche Intelligenz ermöglicht es Assistenz-Systemen, zu lernen. Das heißt, sie können von erkannten Mustern in ihrer Umgebung aus selbstständig Aktionen ausführen.

Wo liegt die Herausforderung für Forscher?

André: Die Systeme müssen trotz ihrer Komplexität für den Nutzer transparent bleiben, sodass er – falls notwendig – jederzeit eingreifen kann. Ein Beispiel: Auch beim autonomen Autofahren muss der Mensch beim jetzigen Stand der Technik immer wieder die Regie übernehmen, vor allem in unvorhergesehenen Situationen, auf die das Fahrzeug nicht vorbereitet ist.

An welchem Projekt arbeiten Sie als Forscherin gerade?

André: Wir veranstalten gerade ein Treffen mit unseren Partnern aus dem EU-Projekt Kristina. In diesem Projekt entwickeln wir eine virtuelle Assistentin für den Pflegebereich. Sie gibt Tipps zu Gesundheit und Pflege. Eine Besonderheit ist, dass die Assistentin sich in mehreren Sprachen verständigen kann und die Merkmale unterschiedlicher Kulturen kennt. Sie ist als Vermittlerin zwischen den Kulturen gedacht, denn gerade im Pflegebereich treffen Menschen vieler unterschiedlicher Nationalitäten aufeinander. Das Pflegepersonal und pflegebedürftige Personen, aber auch Familienangehörige sollen von Kristina profitieren.

Angemessen reagieren

Sie gelten als eine Pionierin in Ihrem Fach, die schon zu Beginn der 1990er Jahre Maschinen mit menschlichen Eigenschaften entwickelt hat. Was können solche „Mensch-Maschinen“?

André: Wir beschäftigen uns mit der Frage, wie man die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine möglichst natürlich gestalten kann. Mit dem Einzug von Robotern in den häuslichen Bereich wird die Simulation von menschlichen Eigenschaften immer wichtiger. Dazu gehört auch, dass die Maschine erkennt, wie sich ein Mensch gerade fühlt, und darauf angemessen reagiert.

Wie entwickeln Sie Assistenz-Systeme, die Menschen emotional überzeugen?

André: Als Informatiker können wir nicht alle Gebiete abdecken. Deshalb arbeiten wir viel mit anderen Forschern zusammen, etwa mit Psychologen, Pädagogen, Medienkünstlern oder Medizinern. Aus diesen Kooperationen sind schon viele innovative Anwendungen hervorgegangen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

André: Zusammen mit Psychologen haben wir prämierte Lernumgebungen für Kinder und Jugendliche entwickelt. So werden im Projekt Empat Jugendliche im Rollenspiel mit einer virtuellen Agentin darauf vorbereitet, dass sie später, wenn es darauf ankommt, ein erfolgreiches Job-Interview führen können.

Zu gesünderer Lebensweise motivieren

Wie sehen Sie Ihre Arbeit an der Uni Augsburg in den kommenden Jahren?

André: Durch die neu gegründete Medizinfakultät eröffnen sich spannende Anwendungsfelder für die Fakultät für Angewandte Informatik. Mit den neuen Schwerpunkten Umweltmedizin und Medizininformatik werden wir zwei zukunftsweisende Forschungsgebiete erschließen. Ich selbst interessiere mich für digitale Assistenten, die Menschen zu einer gesünderen Lebensweise motivieren und damit zu deren Wohlbefinden beitragen können.

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