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Augsburg

25.01.2020

Augsburger Stopsler: Das steckt hinter dem Männerverein

Donnerstags ist Stammtisch-Zeit für den Augsburger Stopsel-Club. Beim jüngsten Treffen gab es ein ungewöhnliches Jubiläum im Weitlauff in der Bäckergasse zu feiern: das 60-jährige Bestehen dieser Männerfreundschaft.
Foto: Michael Hochgemuth

Plus Seit 60 Jahren trifft sich der Augsburger Stopsel-Club im Weinlokal Weitlauff. Gemeinsame Reisen und Abenteuer verbinden sie. Doch der Kreis wird kleiner.

Eines steht außer Frage: „Seit 60 Jahren“ sind die Augsburger Stopsler, die sich heute regelmäßig in der Bäckergasse im Weinlokal Weitlauff treffen, ihrer Meinung nach „etwas ganz Besonderes.“ Doch der Kreis wird kleiner. „Ja, leider ist das so“, sagt Trude, deren Mann Hans im vergangenen Jahr starb. Von ehemals 19 sind es jetzt nur noch elf Freunde, die laut Präsident Walter Ort die Männerfreundschaft seit Besuch der Roten-Tor-Schule pflegen und konsequent aufrecht erhalten.

Die Stopsler selbst hatten sich in den Anfängen kaum vorstellen können, dass der aus einer „Silvesterlaune“ heraus geborene Stopsel-Club 60 Jahre später noch Bestand haben würde. Bei einem außerordentlichen Treffen im Textilviertel versuchen sich Walter und seine Schwester Trude, Helmut und seine Frau Heidi sowie Toni die Anfänge in Erinnerung zu rufen. „Es war irgendwo in der Jakobervorstadt“, beginnt der Erste, „ich weiß gar nicht mehr, ob ich da dabei war“, sagt der Zweite. „Das legen wir jetzt einfach fest“, meint Walter, der als Kopf der Gruppe für seinen Pragmatismus bekannt ist.

Stopsel-Verein: Das steckt hinter dem Hobby

Per philosophischer Definition heißt das: Als handelndes Wesen stellt er sein Handeln über die Vernunft und die Wahrheit. Denn die Gültigkeit von Ideen und Theorien sei allein nach ihrem Erfolg zu bemessen. Und der Erfolg der Stopsel-Idee ist belegt. In der Folge wird weiter erzählt, weil eine Vereinsgründung ohne das Beisein dieses Protagonisten – des „Stoinernen Ma“ – undenkbar wäre: Toni Lagger sorgte mit spitzer Zunge in der Bütt bei den Faschingssitzungen des ACV für Heiterkeit im Saal.

Stopsel können aus Kork, Kunststoff oder Metall sein.
Foto: Julian Leitenstorfer (Symbolbild)

Einig jedenfalls ist man sich, dass das alles schon „sehr lange her ist“. Der erste Stopsel sei zu Beginn noch ein Korken gewesen, bevor Helmut, ein Schlosser, das Zugehörigkeitssymbol aus Metall drehte. Das kleine Utensil wanderte daraufhin in die Hosen- und Jackentaschen der Mitglieder und musste gezeigt werden, wenn bei einer noch so unvorhergesehenen Begegnung die Aufforderung dazu kam. Wer das nicht konnte, musste einen festgelegten Betrag – einen „Zwickel“ beziehungsweise ein Zwei-Mark-Stück – in die Vereinskasse zahlen.

Bei gemeinsamen Ausflügen und Reisen wurde die Vereinskasse dann geplündert und nach dem Jahr 2000 in Euro ausgegeben. Seitdem die Reisen wegen zunehmender Gebrechen eingestellt werden mussten, kann auch Kassier Helmut seinem Amt des „Geldeintreibers“ nicht mehr nachkommen.

Das verbindet die Mitglieder der Augsburger Stopsler

„Toni und Walter kenne ich seit 70 Jahren“, sagt Helmut, der die Mitglieder oft in seinen Kleingarten einlud, bevor das Fleckchen Erde der Messe-Erweiterung zum Opfer fiel. Ersatz suchte sich der Hasen- und Brieftaubenfreund in Pfersee. Zwar habe er auch immer wieder mal schlachten müssen, aber nie ein einziges seiner Tiere gegessen, berichtet er. Umso begehrter waren die Solei-Essen bei den Stopslern Norbert und Thea. Jeden Karfreitag traf man sich im Kaminzimmer ihres Hauses an der Jakobermauer. Und ein fester Termin in den Kalendern der Mitglieder war stets die Floßfahrt auf der Isar zum Friedensfest.

„Wir waren anfangs nur vier Stopsler“, wird berichtet: Neben Walter und Helmut waren das Olli, der eigentlich Günter hieß, und Arno. „Olli starb als erster“, dann „der Tonga-Richard“. Seinen exotischen Namen erhielt der Metzger, weil er seine Profession im Südpazifik als Auswanderer ausübte. Das war zu einer Zeit, als Auswandern noch gar nicht in Mode war. Und der eine oder andere Stopsler soll den Tonga-Richard einst sogar auf seiner Insel besucht haben. Toni Lagger, der „Stoinerne Ma“, meldet sich nach einigem Zuhören zu Wort: „Ich stehe auf dem Standpunkt, dass die Frauen sehr viel dazu beigetragen haben, dass der Zusammenschluss so lange hält“. Es sei für ihn immer schon ein Phänomen gewesen, dass einer für den anderen da war und es bis heute ist. Und wie er so spricht, erinnern seine Worte an die Drei Musketiere von Alexandre Dumas dem Älteren: Einer für alle, alle für einen. Dies wäre nach Ansicht des einzigen Junggesellen am Tisch ohne das Zugeständnis der Ehefrauen niemals denkbar gewesen. „Es hätte nicht funktioniert“, vermutet er.

Stopsel-Club: Die Augsburger vergleichen es mit einer guten Ehe

Schließlich vergleicht jemand am Tisch den Stopsel-Club mit einer „guten Ehe“. Die Rolle der Frau sei in der Vereinigung eine individuelle, denn sie münde nie in eine Mitgliedschaft. Trotzdem sind die Frauen immer mit dabei. So ist es Trude, die Witwe von Hans, die nach wie vor die Treffen einberuft und organisiert. Denn gerade in zunehmendem Alter bekommen soziale Kontakte ihrer Schilderung zufolge eine lebenswichtige Bedeutung. Trotz aller Rückschläge müsse man weitermachen, sagt sie. Und auch die Zeit, als man mit den Kindern immer ins Allgäu in die Berge fuhr, bleibt in der Runde unvergessen.

Wegen der zunehmenden Zahl an Rollatoren und Rollstühlen kann laut Präsident Walter heute kein Bus mehr für gemeinsame Ausflüge gechartert werden. Und der Kreis derer, die auf Hilfe angewiesen sind, weil sie altersbedingt eingeschränkt sind, werde immer größer.

Nicht nur Hans, die weißhaarige Eminenz, fehlt inzwischen. Stets saß er bei den Donnertagstreffen rechts am kurzen Ende des Tisches, was sogar Weitlauff-Besuchern außerhalb der eingeschworenen Runde auffiel. Die elf verbliebenen Freunde kramen ihren Stopsel nicht mehr aus der Hosentasche, bewahren ihn aber weiter mit Stolz als Symbol einer dauerhaften Freundschaft.

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