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15.03.2009

Augsburger Tafel: mehr Bedürftige, weniger Essen

Die Krise ist in Augsburg angekommen. Bei der Tafel hat sich die Zahl der Neuanträge seit Dezember verdoppelt. "Jeden Montag gibt es 30 neue Interessenten", schildert Hans Stecker, Vorsitzender der Tafel. Seine Sorge: Seit die Discounter-Supermärkte ihre Preise gesenkt haben, kaufen die Leute mehr ein und es bleiben weniger Lebensmittel für die Tafel übrig.

"Man merkt, dass die Märkte sparen", sagt Stecker. Die Einrichtung, die von Ehrenamtlichen geführt wird, muss bereits an ihre Notreserven gehen (haltbare Waren, die von Bürgern bei der Weihnachtsaktion gespendet wurden). Für Ostern ist eine Spendenaktion geplant, bei der Supermarktkunden wieder für die Tafel Produkte kaufen können.

So dramatisch wie in Berlin oder Hamburg, wo bei den Tafeln die Warenzugänge um 25 Prozent eingebrochen sind, sei die Lage noch nicht. Aber bei Wurst, Milch, Obst und Gemüse gebe es schon mal Engpässe. Mit Sorge beobachtet Stecker auch eine andere Entwicklung: In Hamburg und Berlin verkaufen Supermärkte und Bäcker für ein paar Cent nicht verkauftes Obst, Gemüse und Brot an Biogasanlagen. Dort werden die Lebensmittel zur Strom- oder Wärmeerzeugung vergoren.

Von solchen Fällen hat Stecker in Augsburg noch nicht gehört. "Aber wenn das kommt, können wir aufhören." Daher appelliert der Tafel-Vorsitzende an die Supermärkte und Bäcker, weiterhin an die Hilfsbedürftigen zu denken. Davon gebe es in Augsburg relativ viele.

Augsburger Tafel: mehr Bedürftige, weniger Essen

"Bei vielen reicht der Lohn nicht zum Leben aus"

In den letzten Jahren ist die Zahl der Tafel-Kunden rasant angestiegen. Im Mai 2007 waren 980 angemeldet, im Dezember 2008 schon 3900 und die Prognose für Ende 2009 lautet 5900 Hilfsbedürftige in der Kartei. Die Leute kommen stundenweise, "auf einmal wäre das nicht mehr zu bewältigen gewesen", so Stecker. Aus Gesprächen mit den Tafel-Kunden weiß er: Bei vielen reicht der Lohn nicht zum Leben aus. Und es kann jeden treffen. Besonders durch die Kurzarbeit, durch die 33 Prozent des Einkommens und zudem die Sonderzulagen wegfallen, würden sich nun mehr Bürger bei der Tafel melden, so Stecker.

"Wir sind ein kleines Unternehmen geworden", sagt er. Aber eines, das keinen Profit macht. Im März hat die bisherige Tafelleiterin ihr Amt niedergelegt, weil es neben ihrer eigentlichen Arbeit nicht mehr zu schaffen war. Nun besteht der ehrenamtliche Vorstand aus einer engagierten Gruppe agiler Frührentner. Neben Stecker sind das: Johann Geiss, Dieter Sergl, Hannelore Gerum und Peter Gutja. Schirmherr ist Landtagsabgeordneter Max Strehle (CSU).

Weil die Zahl der Bedürftigen steigt und sie den Leuten die Fahrtkosten ersparen wollen, wird die Augsburger Tafel bald noch eine neue Ausgabestation im Stadtgebiet eröffnen.

Übrigens macht sich die Krise auch an anderen Stellen in Augsburg bemerkbar. Bei den ehrenamtlichen Sozialpaten häufen sich die Anfragen für Beratungen, bei unserem Leserhilfswerk Kartei der Not die Anträge auf Hilfe.

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