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Augsburg

09.01.2021

Augsburger Tenor wartet auf das Ende des "Berufsverbots"

Der Augsburger Tenor Gerhard Siegel wurde durch Corona erst gesundheitlich, dann beruflich ausgebremst. Nun hofft er, dass alles besser wird.
Bild: Claudio Hiller

Plus Für den Augsburger Sänger Gerhard Siegel entpuppte sich Corona als Katastrophe. Er wurde durch das Virus erst gesundheitlich und dann beruflich ausgebremst.

Vor ziemlich genau einem Jahr stand Gerhard Siegel in der Metropolitan Opera in New York (Met) als Hauptmann in Alban Bergs Woyzeck auf der Bühne. Das Publikum war begeistert, die Kritiken gut. Keiner ahnte damals, was die Zukunft bringen würde. Auch der 57-jährige Augsburger nicht.

Ihn plagten, wie einige andere Kollegen auch, zu dieser Zeit ein hartnäckiger Husten und eine Erkältung. Heute weiß Siegel, dass es Corona war. Er freute sich trotz der Symptome auf eine kurze Pause in seinem Haus im Spickel mit seiner Ehefrau und den zwei Söhnen. Danach sollten neue Aufgaben in Paris, Barcelona oder Berlin kommen. Sollten. Denn dann wurde Corona zu einem weltweiten Thema.

Ein Engagement nach dem anderen wurde abgesagt. Siegel, verwöhnt mit Gagen im vierstelligen Bereich, wurde plötzlich „arbeitslos“ und hatte keine Einkünfte mehr. Auch die Auftritte mit Wagners „Ring“ im November und Dezember in Paris schnurrten von geplanten zwölf Terminen auf zwei zusammen und waren am Ende nur noch im Radio zu hören. Ein Problem dabei: Sänger im internationalen Geschäft werden nur für Auftritte bezahlt, Reise- und Hotelkosten müssen sie selbst vorstrecken.

Im Moment lebt der Augsburger Tenor vom Einkommen seiner Ehefrau

„Perspektivlosigkeit ist das, was Corona mit mir gemacht hat“, sagt der stets freundliche Siegel, der sogar kurzzeitig überlegte, seinen Beruf aufzugeben und Schreiner zu werden. Seine Rücklagen, gedacht für den Ruhestand, seien inzwischen aufgebraucht, das Konto im fünfstelligen Bereich überzogen.

Im Moment lebe man vom Einkommen der Ehefrau, die im Chor des Augsburger Staatstheaters engagiert ist. Die von den Politikern viel gepriesenen Hilfen für Solo-Selbstständige gingen an dem Augsburger Sänger fast vollständig vorbei. Auch der Satz vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, dass für ihn ein Wochenende ohne Fußball ein verlorenes sei, machte den Künstler zornig.

Als Woyzeck an der Metropolitan Opera: Der Augsburger Tenor Gerhard Siegel.
Bild: Gerhard Siegel/agt

Trotzdem will der gefeierte Tenor, der sein Gesangsstudium bei Liselotte Becker-Egner am Konservatorium Augsburg absolvierte, positiv in die Zukunft schauen, er hofft auf ein Ende des „Berufsverbots“. Und da sieht es, sofern die Corona-Pandemie der Kunst nicht nochmals einen Strich durch die Rechnung macht, gar nicht mal so schlecht aus. Im Juni ist ein Gastspiel mit Musik von Wagner in der Konzerthalle Budapest terminiert. Ende des Jahres wird Siegel wieder in den TGV nach Paris steigen, um an der Oper zu singen, außerdem ist eine Tournee im April 2022 mit „Rheingold“ geplant. Wien steht dann ab Februar 2023 auf dem „Spielplan“.

Bei Spaziergängen im Augsburger Siebentischwald bekommt der Sänger den Kopf frei

Noch beschleicht Siegel manchmal Skepsis, ob alles wirklich so kommt, doch wenn ja, wäre ein einigermaßen normaler Wiedereinstieg in den Beruf gegeben. Zumal Siegel trotz langer Pausen keinerlei Probleme mit der Stimme hat. „Sie klingt erstaunlich frisch und gesund“, freut sich der Heldentenor.

Damit das alles so bleibt, hat der gebürtige Oberbayer wieder seine langen Spaziergänge mit bis zu 15 Kilometern täglich aufgenommen. „Damit ich meinen Kopf freibekomme.“ Vorzugsweise wandert er durch den Siebentischwald, der von seinem Zuhause sozusagen um die Ecke liegt, und kümmert sich um den geliebten Garten.

Die Wünsche von Gerhard Siegel für 2021 sind klar: „Einen Tag ohne Lauterbach und Co. und ohne Corona-Experten. Dafür mehr Zuversicht, Kraft, Lächeln und Umarmungen. Außerdem hoffe ich, dass meine Antikörper von meiner Corona-Infektion noch lange bleiben und allen Kinder und Jugendlichen wünsche ich die Rückkehr zu einem Aufwachsen in einer gewissen Normalität.“

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