1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Augsburger Volkskundler kritisiert „Esoterik-Industrie“

Angeblicher Weltuntergang

20.12.2012

Augsburger Volkskundler kritisiert „Esoterik-Industrie“

Weltuntergang
2 Bilder
In Büchern, Filmen und im Internet kursiert die Vorhersage, dass am 21. Dezember 2012 die Welt untergeht. Das ist am Freitag. Aber keine Sorge. Wissenschaftler sind überzeugt, dass die Welt und Augsburg auch 22. Dezember wie immer aussehen werden. Den verdrehten Blick in die Maxstraße hat nur der Computer zustande gebracht.
Bild: Anne Wall

Endet das Leben auf der Erde am Freitag, 21.12.2012? Nein, sagt der Augsburger Volkskundler Stephan Bachter und kritisiert die „Esoterik-Industrie“ für diese Vorhersage.

Zauberei, Hexerei und Scharlatanerie haben es Dr. Stephan Bachter angetan. Der Volkskundler erforscht unter anderen die „Esoterik-Industrie“, wie er sagt. Dazu zählt auch die Vorhersage, dass angeblich am 21. Dezember 2012 die Welt untergehen soll. Bachter, der seine Doktorarbeit über alte Zauberbücher geschrieben hat, lebt in Holzen im nördlichen Landkreis Augsburg. Er ist Mitglied im Wissenschaftsrat der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP).

Geht am Freitag die Welt unter?

Bachter: Sie wird nicht untergehen. Es endet nur ein Kalenderzyklus der Maya und springt auf null.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Aber warum ist die Welt in Aufregung?

Weltuntergang 2012 und die Mayas auf der GRÜNEN COUCHBachter: Das verdanken wir der Esoterik-Industrie. Sie beutet seit den 70er Jahren schamlos die Traditionen außereuropäischer Kulturen aus, vermarktet sie und will Kasse machen. Das ist reine Geschäftemacherei. Die Esoterikindustrie macht das etwa mit Feng-Shui, mit Schamanismus – jetzt sind die armen Maya dran.

Haben die Maya in Mittelamerika keine Angst vor dem Weltuntergang?

Bachter: Für die ist das kein Thema, sie sind allenfalls genervt von weltuntergangsgläubigen Esoterikern.

Wie lässt sich mit dem Weltuntergang Geld verdienen?

Bachter: Mit Büchern, Broschüren, Seminaren und Reisen. Das ist eine Industrie und hat nichts mit geheimem Wissen zu tun. Der 21. Dezember wird oft umgedeutet – es würde einen Bewusstseinssprung geben. Es wäre ein gewaltiger Sprung, wenn wir vom esoterischen Aberglauben wegkommen.

Warum sind wir dafür anfällig – trotz Internet, Google und allen Wissens?

Bachter: Wir denken, dass es hinter der sichtbaren Welt mehr geben muss: etwas Verborgenes, das über bestimmte Techniken zugänglich gemacht werden kann. Zudem macht die Moderne mit Druckschriften die massenhafte Verbreitung von esoterischen Gedanken möglich. Ich warne davor, Esoterikern Geld hinterherzutragen und sich zu sehr auf deren Ratschläge zu verlassen.

Ist der Weltuntergang ein neues Phänomen?

Bachter: Im christlich-jüdischen Bereich gibt es Weissagungen für die Endzeit schon im Alten Testament: Was passiert am Ende der Zeiten ...

Was?

Bachter: Die christlich-jüdische Weissagung geht von einer endzeitlichen Entscheidungsschlacht zwischen Gut und Böse aus. Der Antichrist wird besiegt, danach bricht ein tausendjähriges Friedensreich an, dann tritt der Messias auf und die Welt endet. Der Priester Bartholomäus Holzhauser, der in Laugna geboren wurde, hat die christliche Apokalypse im 17. Jahrhundert noch einmal zusammenfassend ausgestaltet. Das führte zu einer Popularisierung. In Bayern gab es später Weissager wie den sagenhaften Mühlhiasl und in der Nachkriegszeit Alois Irlmeier, die auf Holzhauser aufbauten.

Wie oft geht eigentlich die Welt unter?

Bachter: Ich bin Jahrgang 1967 und habe schon einige Untergangsszenarien überstanden. Spektakulär war das Jahr 1999 mit der Sonnenfinsternis und den Nostradamus-Weltuntergangsprophezeiungen.

Nichts ist eingetroffen, oder?

Bachter: Nein, die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften GWUP prüft alle Wahrsagungen. Das meiste tritt nicht ein, der Rest liegt im Bereich des Zufälligen.

Zum Beispiel?

Bachter: Ich kann für das nächste Jahr ein schweres Erdbeben vorhersahen, da liege ich immer richtig.

Wann ist der nächste Weltuntergang?

Bachter: Ich weiß noch nicht. Die nächste Prophezeiung wird kommen. Mein Lieblingsweltuntergang wurde 1806 von Mary Bateman prophezeit. Deren Hennen begannen angeblich Eier zu legen, auf denen stand: Christus kommt. Wer sich vor dem Untergang retten wollte, musste bei ihr einen Zettel erwerben auf dem „J. C.“ – Jesus comes – stand. In 14 Tagen sollte die Welt untergehen. Am 14. Tag wurde die Frau erwischt, wie sie ein beschriftetes Ei in ein Huhn schob. Es gibt aber auch tragische Geschichten.

Stars nehmen Weltuntergang gelassenWelche?

Bachter: Es gab Menschen, die so sehr vom Weltuntergang überzeugt waren, dass sie Mord und Selbstmord begangen haben: Die Sekte Heavens Gate glaubte in den 90ern, dass der Komet Hale-Bopp das Ende bringt.

Jenseits solcher Dramen scheint es den Menschen aber zu reizen, sich mit dem Weltuntergang zu beschäftigen...

Bachter:...das ist ein gewisser Kitzel. Gedanklich geht es um die Frage: Was würden wir noch tun, wenn bald die Welt unterginge.

Was würden Sie noch machen vor dem Untergang?

Bachter: Ich würde mir die schöne Welt noch einmal anschauen und mit der Frau, die ich liebe, Champagner trinken.

Schade, dass die Welt nicht untergeht ...

Bachter:... den Champagner kann ich trotzdem trinken.

 

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
einbrechbär-01.jpg
Einbruchsradar

Hier wurde in der Region Augsburg eingebrochen

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden