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Kaninchen-Schutz

13.09.2010

Augsburger Zauberer: Publikum darf nicht mehr klatschen

Zauberer Hardy aus Augsburg mit seinem Kaninchen
Bild: Ulrich Wagner

Zauberer Hardy versteht die Welt nicht mehr. Wenn er ein Kaninchen aus dem Hut zaubert, darf das Publikum nicht mehr klatschen. Das Augsburg Veterinäramt hat es verboten. Von Jörg Heinzle

Der Trick mit dem weißen Kaninchen ist seit über 40 Jahren der große Renner. Wenn der Augsburger Kinderzauberer Hardy (61) das Tier aus seinem Zylinder hervorzaubert, klatschen die Kinder begeistert Beifall. Doch genau das soll nun verboten sein: Vor wenigen Tag bekam Hardy einen Brief vom Amt.

Daran steht, dass er Applaus vermeiden muss, wenn er mit dem Kaninchen auftritt. Zum Schutz des Tieres. "Ich verstehe die Welt nicht mehr", sagt Hardy. "Seit ich 16 bin, zaubere ich mit Kaninchen, und nie hat jemand was dagegen gehabt." Doch nun interessiert sich plötzlich das Veterinäramt der Stadt für Kaninchen Micky. Er weiß nicht, wie er die Auflagen vom Amt erfüllen soll. "Ich kann doch den Kindern das Klatschen nicht verbieten."

Hardy glaubt zu wissen, wie er mit dem Kaninchentrick ins Visier der Behörde geriet. Eine Tierschützerin habe ihn angeschwärzt, vermutet er. Der deutschlandweit bekannte Zauberer bekam Besuch von zwei Mitarbeiterinnen des Veterinäramts. Er zeigte den Kontrolleurinnen, wie er daheim das Tier auf dem Balkon hält. Und er musste sogar den Trick preisgeben, wie er das Kaninchen aus dem Hut zaubert. Für einen Zauberer ist das bitter.

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Hardy versichert: "Meinem Kaninchen geht es gut." Er verzichte seit Jahren darauf, das Tier im Publikum herumzureichen. Er halte sich immer nur ein Zauberkaninchen, und das sei an Auftritte gewöhnt. Hardy kann sich nicht vorstellen, dass das Tier unter Beifall leidet. Doch in dem Bescheid steht wörtlich: "Das Publikum ist vor Beginn der Darbietung darauf hinzuweisen, dass laute Geräusche (z. B. Applaus, etc.) zu vermeiden sind."

Auch weitere Auflagen, die ihm gemacht werden, ärgern den Zauberer. So muss er jeden Auftritt mit zwei Wochen Vorlauf beim zuständigen Veterinäramt anmelden. "Ich bin heute hier und morgen dort, ich werde häufig kurzfristig engagiert", erzählt er, "das ist doch ein Wahnsinnsaufwand." Weiter heißt es in dem Bescheid, die Raumtemperatur dürfe "grundsätzlich 30 Grad Celsius nicht überschreiten." Hardy fragt sich: "Wie hätte ich da im heißen Juli auftreten sollen?" Wenn er könnte, würde er das Schreiben vom Amt, das ihn auch noch 184 Euro kostet, am liebsten wegzaubern.

Immerhin: Das Veterinäramt kündigt an, nicht allzu streng sein. Es gehe nicht darum, Applaus komplett zu verbieten, heißt es. Man wolle eben nur sicherstellen, dass auf die Bedürfnisse des Kaninchens Rücksicht genommen werde. Jörg Heinzle

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