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07.10.2016

Augsburger bauen Briefkästen für die Post

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Sila Tandu montiert die Türe an den Briefkastenrohling.

Die Firma Castro hat sich ein Geschäftsfeld erschlossen, in dem kein anderes Unternehmen in Deutschland aktiv ist. Warum die Klappen am Briefschlitz so leise wie möglich schließen müssen

Er ist gelb, etwa 1,50 Meter hoch und hat ein spitz zulaufendes Dach. Vorne ist ein breiter Schlitz und an den Seiten prangt ein schwarzer Aufkleber in Form eines Posthorns. Die Rede ist natürlich vom Briefkasten. Etwa 110 000 solcher Kästen gibt es in ganz Deutschland, betrieben von der Deutschen Post. Wer bisher glaubte, diese seien lediglich eine gelbe Auffanghilfe für Briefe aller Art, der irrt. Hinter dem quadratischen Kasten steckt jede Menge technisches Know-how und Entwicklungsarbeit und zwar „Made in Augsburg“.

Hier, genauer gesagt in Pfersee, sitzt nämlich die Firma Castro GmbH, die seit 2014 Briefkästen für die Deutsche Post fertigt – mittlerweile als einziges Unternehmen in ganz Deutschland. „Der Preisdruck auf dem Markt ist hart und das war auch beim Briefkasten so“, erzählt Alan Macdonald von Castro. Manches Unternehmen habe sich deshalb aus der Produktion der gelben Kästen zurückgezogen. Castro wollte die Herausforderung aber annehmen und hat sich zum Ziel gesetzt, durch neue Konstruktionen und optimierte Arbeitsprozesse die Produktion rentabel zu machen. Das sei gelungen. Habe man zu Beginn noch rund zehn Stunden für die Herstellung eines Briefkastens benötigt, sei man jetzt bei nur noch der Hälfte der Zeit. Das automatisierte Schweißen, Veränderungen an der Konstruktion der Tür, und damit verbunden eine vereinfachte Montage, seien die Ursachen dafür. Jetzt sei die Herstellung der Kästen für Castro ein lohnendes Geschäft und man sei stolz darauf.

Bis zu zwölf Briefkästen am Tag werden in Pfersee gefertigt, übers Jahr verteilt kommen 1000 Exemplare zusammen. Um den Auftrag zu bekommen, musste Castro die Post nicht nur mit einem guten Angebot überzeugen, sondern auch bei der Entwicklung und der Produktion punkten. „Man denkt, es sei nur ein gelber Kasten mit Schlitz. Aber da steckt mehr drin“, erzählt Udo Massari, Geschäftsführer und Gründer von Castro. Die Post gebe vor, dass die Klappe am Briefschlitz so leise wie möglich schließen müsse, um nicht mit lauten Geräuschen die Nachbarschaft auf Trab zu halten. Darüber hinaus müsse der Briefkasten wasserdicht sein, oben im Bereich des Dachs dürften sich auf keinen Fall Briefe an Metallkanten verfangen und stecken bleiben und die große Entladetüre vorne müsse sich leicht und unkompliziert öffnen lassen – bei jedem Wetter und auch noch nach vielen Öffnungen. „Wir haben uns also die Vorgängermodelle angesehen und überlegt, wo wir Potenzial sehen, um die Ansprüche der Post noch exakter zu treffen. Wir haben dann beispielsweise die Türe anders konstruiert und auch an der Klappe etwas verändert. Das hat Verbesserungen gebracht, die die Post überzeugt haben“, so Massari. Hergestellt wird der Briefkasten komplett im eigenen Unternehmen, mit eigenen Maschinen.

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Castro hat diese aber nicht nur für die Produktion der Briefkästen entwickelt, sondern nutzt sie schon länger auch für die Herstellung anderer Produkte. Und das so erfolgreich, dass beispielsweise die automatisierte Schweißmaschine „Wigpod“ bereits an andere Firmen weltweit verkauft wird. Kunden sind vorwiegend Unternehmen aus der Luftfahrt- und Automobilindustrie, die eine Eigenschaft besonders schätzen: „Der Wigpod arbeitet im Hundertstelbereich. Damit sind wir in eine Nische eingedrungen“, so Diplomingenieur Massari. Was die Schweißmaschine aber hauptsächlich so einzigartig mache, sei die „dreidimensionale Wiederhol- und Bahngenauigkeit“, die jederzeit zu höchsten Qualitätsstandards führe. Das sei vor allem bei der Bearbeitung von äußerst dünnen und empfindlichen Metallen von Vorteil. „Da werden die Schweißnähte wesentlich schöner und glatter. Man muss sie nicht anschließend an den Schweißprozess noch weiter bearbeiten. Das spart Zeit“, erklärt Alan Macdonald, der zehn Jahre lang Geschäftsführer bei Kuka war und sich schon lange mit dem Thema automatisiertes Schweißen befasst.

Die Firma Castro besteht im nächsten Jahr seit 25 Jahren – mit stabilem Wachstum. Das habe auch mit den vielen guten und regelmäßigen Aufträgen regionaler Kunden im Bereich Metallbau zu tun. Zu den Auftraggebern gehören unter anderem TFM, Albaretto und die Brauwelt Riegele. Für sie fertigt Castro Geländer, Balkone und Absturzsicherungen. „Etwa ein Drittel unserer Auftraggeber stammen aus der Region. Und das ist uns auch wichtig“, erklärt Susi Massari.

Gegründet wurde Castro von ihrem Mann Udo, der nach seiner Zeit als Werkstudent bei Kuka den Weg in die Selbstständigkeit suchte. „Meine Großeltern waren schon Unternehmer. Das wollte ich auch machen und auch meine Familie einbinden“, erzählt er nicht ganz ohne Stolz. So arbeitet auch Frau Susi als Geschäftsführerin mit und Tochter Lisa schnuppert im Rahmen ihres BWL-Studiums als Werkstudentin in den Unternehmeralltag rein. Aktuell hat Castro 25 Mitarbeiter aus den verschiedensten Nationen. Bei uns arbeiten Menschen aus Afrika, der Türkei, der Ukraine und Schottland zusammen und dieses Multikulti ist toll“, beschreibt Susi Massari. Damit die „Familie“ auch weiterhin erfolgreich arbeiten kann, will Castro in naher Zukunft expandieren. „Die Auftragslage und auch die Flächen lassen das zu. Erste Ideen gibt es auch schon“, sagt Udo Massari..

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