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Augsburg

23.11.2020

Augsburger müssen in Corona-Zeiten auf Handwerker warten

Im Handwerk ist die Auftragslage trotz Lockdown noch gut.
Bild: Alexander Kaya

Plus Wer während des Lockdowns seine Wohnung renovieren will, muss sich unter Umständen gedulden, bis ein Unternehmen Zeit für ihn hat. Woran das liegt.

Die eigene Wohnung ist dank Corona für viele Menschen gerade der Lebensmittelpunkt. Wenn man so viel Zeit zu Hause verbringt, stößt man zwangsläufig auf die kleinen und größeren Unzulänglichkeiten, die sich über die Jahre hier entwickelt haben. Wer die Badfliesen aus den 70er-Jahren, die alte Küche von den Schwiergereltern oder die defekte Kaffeemaschine gar nicht mehr sehen mag, kommt vielleicht auf die Idee, sich nach einem Handwerker umzusehen, der Abhilfe schafft. Viele sind dann überrascht, dass die Augsburger Handwerksunternehmen trotz der Krise nicht neben dem Telefonhörer sitzen und auf Aufträge warten. Zumindest für größere Projekte sollte man Zeit und Geduld mitbringen, heißt es von der Handwerkskammer für Schwaben (HWK). Woran das liegt – ein Blick auf die Lage.

Oft werden für ein Projekt mehrere Handwerksunternehmen benötigt.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

"Gerade die Bau- und Ausbauhandwerke sind mit ihrer Geschäftslage weitgehend zufrieden und haben eine gute bis zufriedenstellende Auftragslage", weiß HWK-Sprecherin Monika Treutler-Walle. Da Handwerker trotz des Lockdowns arbeiten durften, gab es hier auch keine größeren Einbrüche. Durchschnittlich seien die Auftragsbücher der Unternehmen für elf Wochen gefüllt - wobei es bei den unterschiedlichen Gewerken natürlich Unterschiede gebe, so Treutler-Walle.

Handwerker in Augsburg: Oft müssen mehrere Firmen koordiniert werden

Soll es beispielsweise eine neue Küche oder ein neues Bad sein, müssten darüber hinaus oft mehrere Handwerksfirmen koordiniert werden. "Räume müssen vorbereitet, vielleicht Fliesen abgemacht werden. Eventuell braucht es auch einen Installateur oder einen Elektriker, weil Anschlüsse versetzt oder andere Sanitäreinrichtungen eingebaut werden müssen", so Treutler-Walle.

Ein coronabedingtes "Nadelöhr" für Ausbauprojekte sei gerade die Materialbeschaffung. Wenn Handwerker beispielsweise auf Fliesen aus Italien warten müssten, könne das das ganze Projekt verzögern. Die Lieferketten seien immer noch nicht wieder intakt, heißt es von der HWK.

Schneller geht es, wenn sich jemand um die kaputte Herdplatte kümmern soll oder der tropfende Kaffeevollautomat zum Kundendienst muss. Allerdings ist in Augsburg die Auswahl an Reparatur-Unternehmen gering. Nur noch wenige Firmen hätten Interesse, sich mit kaputter Technik auseinanderzusetzen, sagt Stefan Langenwalter, Geschäftsführer beim Haushaltsgeräte-Reparaturservice Blitzblume in Oberhausen. Derzeit müssten Kunden ein bis maximal zwei Tage warten, bis sich ein Servicetechniker bei ihnen zu Hause das defekte Gerät ansieht.

Elektronik in Augsburg: Märkte wollten verkaufen statt reparieren

Die Leute kauften billigste Technik in Märkten oder im Internet – diese Händler böten zumeist gar keinen Service mehr an, so Langenwalter. Und auch für die meisten Haushaltsgeräte- oder Unterhaltungselektronik-Fachgeschäfte sei es nicht attraktiv, sich mit kaputten Geräten herumzuschlagen. "Die meisten wollen lieber verkaufen und nicht reparieren", weiß der Techniker.

Viele Maschinen ließen sich mit wenig Aufwand wieder reparieren, sagt Service-Techniker Thomas Langenwalter.
Bild: Fridtjof Atterdal

"Mit Reparaturen verdient man nicht viel Geld - für uns ist das eine Philosophiefrage", betont der Geschäftsführer. Denn die meisten Geräte könnten mit geringem Aufwand wieder auf Vordermann gebracht werden - was Ressourcen und die Umwelt schone. "Wenn ich oft auf dem Wertstoffhof sehe, was da an guten Geräten landet, gehen mir die Augen über", sagt er. "Manchmal ist es nur ein Steinchen oder ein Hosenknopf in der Pumpe, dass die Waschmaschine nicht mehr geht", weiß er aus Erfahrung. Gerade jüngere Kunden kämen gar nicht mehr auf die Idee, ein defektes Gerät reparieren zu lassen.

Die Corona-Krise sei auch an den Reparaturdiensten nicht spurlos vorbeigegangen, obwohl der Kundenrückgang während des zweiten Lockdowns spürbar schwächer ausfalle. "Im April und Mai kam plötzlich von einem Tag auf den anderen gar kein Auftrag mehr rein - jetzt sind die Kunden nur etwas verhalten", schildert er.

Kunden verlangen: Handwerker sollen wegen Corona Masken tragen

Servicetechniker Thomas Langenwalter, trotz Namensgleichheit mit dem Chef nicht verwandt, bekommt vor Ort bei den Kunden täglich zu spüren, wie ängstlich – oder auch völlig sorglos – die Menschen gerade einen Handwerker in ihre Wohnung bitten. "Oft heißt es schon am Telefon, "kommen Sie aber ja nicht ohne Maske", weiß er zu berichten. Vor allem ältere Menschen, aber auch Kunden, die beruflich mit dem Gesundheitssystem zu tun haben, achteten gerade penibel auf Maskenpflicht und Hygiene. "Das ist gerade eben so, und die Maske behindert mich ja nicht beim Arbeiten", sagt der Elektroniker. Wobei es selten vorkomme, dass sogar Überzieher für die Schuhe verlangt werden, wie er auch schon erleben durfte.

Wie trifft die Corona-Krise die Gastronomie? Hören Sie sich dazu unseren Podcast von Juni 2020 aus der Reihe "Augsburg, meine Stadt" an:

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